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Bundesregierung diskutiert über Auflagen
Bohrende Fragen in Sachen Fracking
Die USA setzen zur Erdgasförderung massiv auf Fracking, in Deutschland überwiegt die Skepsis. Denn beim Fracking werden giftige Chemikalien in den Boden gepresst. Die Opposition lehnt die Technik ab, die Regierung ist gespalten. In dieser Woche will sie klären, unter welchen Auflagen Fracking möglich sein soll.
Von Jan Garvert, HR, ARD-Hauptstadtstudio
Geregelt sei Fracking aus Sicht des Umweltschutzes bislang kaum, klagt Oliver Krischer. Der energiepolitische Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion sagt, man brauche zwar für jedes Windrad eine Umweltverträglichkeitsprüfung, doch beim Fracking gelte das nicht. "Verrückterweise ist es beim Gasbohren so: Wenn Sie weniger als 500.000 Kubikmeter Gas am Tag fördern - das erreicht kaum eine Gasförderung heute in Deutschland - dann brauchen Sie keine Umweltverträglichkeitsprüfung." Und eine solche Prüfung sollte "eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein", sagt Krischer.
Bohrende Frage: Ist Fracking energiepolitisch notwendig?
J. Garvert, ARD Berlin
20.02.2013 09:39 Uhr
"Eine Art Abfalldeponie"
Dabei werden beim Fracking auch giftige Chemikalien in den Boden gepresst, um das Gestein aufzubrechen - ein Risiko für das Grundwasser und die Trinkwasserversorgung. Ulrich Kelber, Energiepolitiker in der SPD-Fraktion, kritisiert außerdem, dass die Entsorgung des Frack-Wassers nicht gelöst sei. Um Geld zu sparen, werde das Wasser, das zurückkommt, in den Boden verpresst, wo es dauerhaft verbleiben solle. Dieses Wasser sei zwar gereinigt worden - "aber sicherlich nicht wieder auf Trinkwasserqualität", so Kelber. Es handele sich also um "eine Art Abfalldeponie".
"Wir haben sogar eine Gasschwemme"
Die Opposition will Fracking deshalb verbieten - wenigstens vorerst. Sie hält die Fördertechnik für schlichtweg überflüssig. Eben weil in den USA so viel Gas mit Fracking aus dem Boden geholt werde, gebe es derzeit ein Überangebot, sagt der Grüne Oliver Krischer und stellt klar: "Wir sehen auch keine energiepolitische Notwendigkeit. Wir haben sogar eine Gasschwemme". Es wäre "ein Stück weit verrückt", gerade jetzt "mit einer Hochrisikotechnologie" wie dem Fracking weiteres Gas zu gewinnen.
Vor allem die FDP hält Fracking dagegen aber für energiepolitisch notwendig. Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler ist grundsätzlich dafür, es zu erlauben. Und auch Michael Kauch, der energiepolitische Sprecher der FDP-Fraktion, argumentiert: "Wir haben die Notwendigkeit im Zuge der Energiewende, Gaskraftwerke verstärkt zu betreiben, um die Schwankungen der Windkraft auszugleichen. Gaskraftwerke sind dazu eher geeignet als Kohlekraftwerke, weil man sie leichter hoch- und runterfahren kann. Das wird den Gasverbrauch in Deutschland tendenziell erhöhen", erklärt Kauch. Und damit erhöht sich auch die Abhängigkeit von russischem Gas.
Was ist Fracking?
20.02.2013, Stefan Rychlak, ARD-aktuell
Umweltminister Altmaier zurückhaltend
Fracking als Beitrag zur Versorgungssicherheit, das befürwortet auch der Wirtschaftsflügel in der Union. Der Bundesumweltminister gibt sich dagegen zurückhaltender. Im Video-Portal der Bundesregierung sagt Peter Altmaier: "Es gibt viele ungeklärte Probleme. In Europa sind überall dicht besiedelte Landschaften, unter denen dieses Gas vermutet wird. Und deshalb ist ein Abbau nicht zu vertreten, so lange nicht die aufgeworfenen Probleme und Fragen geklärt sind."
Eine Fracking-Arbeitsgruppe von Union und FDP betont, die geltenden Regeln müssten verschärft werden. Von Bundesumweltminister Altmaier und Wirtschaftsminister Rösler verlangt die Arbeitsgruppe bis Ende dieser Woche einen Vorschlag. Konkret: Kein Fracking in Trinkwasser-Schutzgebieten, darüber hinaus nur mit Umweltverträglichkeitsprüfung.
Das sind auch die zentralen Forderungen des Bundesrates. Laschere Regeln wird die Bundesregierung dort gegen die Mehrheit von SPD und Grünen ohnehin nicht durchsetzen können.
Stand: 20.02.2013 09:43 Uhr
