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Umweltministerium stellt Studie vor
Hohe Hürden für Gasförderung per Fracking
Etwa 1,3 Billionen Kubikmeter Erdgas befinden sich unter deutschem Boden. Mit einer bestimmten Fördermethode, dem Fracking, könnten die Vorkommen an die Oberfläche geholt werden. Doch anders als in den USA soll es in Deutschland hohe Hürden für das Verfahren geben. Eine neue Studie nennt Gründe dafür.
Von Georg Schwarte, NDR, ARD-Hauptstadtstudio Berlin
Fracking - der Streit um die umstrittene Methode zur Erdgasgewinnung ist so alt wie das neueste Gutachten dick. Mehr als 400 Seiten umfasst es und ist so taufrisch, dass der Auftraggeber, der Chef des Bundesumweltamtes, Umweltminister Peter Altmaier noch nicht einmal eine gebundene Version in die Hand drücken konnte.
Ergebnis? Kein endgültiges, sagt Altmaier: "Das Gutachten kommt nicht zu einem definitiven Ergebnis im Hinblick auf die Zulässigkeit von Fracking. Es wird zum jetzigen Zeitpunkt kein generelles Verbot gefordert."
Ein zweifelhaftes Sprenggemisch
Aber zwischen den Zeilen lässt sich die Skepsis gegenüber der Methode herauslesen, die in den USA, ebenfalls schwer umstritten, seit 1982 bereits angewendet wird: Gasförderung aus drei bis vier Kilometer tiefen Erdschichten, wobei ein Gemisch aus Wasser, giftigen Chemikalien und Quarzsand mit hohem Druck tief unten Gestein sprengt und eingeschlossenes Erdgas freisetzt.
Konsequenzen kaum bekannt
Jochen Flasbarth, Präsident des Umweltbundesamtes gibt zu Bedenken, dass wir noch zu wenig über die Konsequenzen dieser Methode wissen: "Auf der Basis dieses Gutachtens empfiehlt das Bundesumweltamt derzeit, von einem großtechnischen Einsatz abzusehen."
Und es empfiehlt noch deutlich mehr, wie anschließend Umweltminister Altmaier nach der Lektüre einräumt: "Man kann aus diesem Gutachten sehr wohl den Schluss ziehen, dass man in Trinkwassergebieten Fracking nicht zulassen sollte. Man kann den Schluss daraus ziehen, dass in allen anderen Bereichen eine Umweltverträglichkeitsprüfung unerlässlich ist."
Das würde Fracking auf 50.000 Quadratkilometern in Deutschland, 14 Prozent der Landesfläche, von vornherein verbieten. Die Umweltverträglichkeitsprüfung, bisher nicht vorgeschrieben, würde jeden Antrag für eine Bohrung enorm verzögern. Nordrhein-Westfalen hat bereits ein Moratorium für Neuanträge erlassen. In Niedersachsen gibt es einen faktischen Stillstand.
Neues Gutachten zum Fracking beflügelt Kritiker
G. Schwarte, ARD Berlin
06.09.2012 12:40 Uhr
1,3 Billionen Kubikmeter wecken Begehrlichkeiten
Dabei weckt Fracking bei steigenden Ölpreisen und der laufenden Energiewende möglicherweise neue Begehrlichkeiten, sagt Flasbarth weiter: "Es gibt ein erschließbares Potenzial in Deutschland von 1,3 Billionen Kubikmetern. Das heißt, dieses Vorkommen, wenn es erschlossen wird, würde für 13 Jahre unseren gesamten derzeitigen Erdgasbedarf decken. Daran sehen Sie, dass es durchaus eine wirtschaftliche Bedeutung für unser Land haben kann."
Kann, aber nicht muss. Die Gutachter nämlich haben sich weder mit der Klimabilanz, noch mit seismischen Auswirkungen der Tiefenbohrungen oder der Lärmbelästigung sowie notwendiger oberirdischer Baumaßnahmen beschäftigt.
Altmaier weiß um den Widerstand vor allem in NRW und Niedersachsen, wo die größten Erdgasreserven schlummern. Sein Appell lautet: "Das heißt, dass wir jetzt nicht vollendete Tatsachen an irgendeiner Stelle schaffen, sondern die begonnene Diskussion zu einem vernünftigen Abschluss bringen."
Ärger vorprogrammiert
Genehmigungsbehörden aber sind die Länder, zuständig der Wirtschaftsminister. Auch das soll sich laut Gutachten ändern. Für die Umwelt und sicherheitstechnische Genehmigung bergbaulicher Maßnahmen soll, so der Vorschlag, künftig der Umweltminister verantwortlich sein.
Der Ärger ist vorprogrammiert, ein Ende der Fracking-Debatte nicht in Sicht. Am 3. Dezember hat Altmaier zu einem internationalen Workshop zum Thema eingeladen. Der Dialog, sagt er, solle weiter gehen. Der Streit sicher auch.
Stand: 06.09.2012 15:20 Uhr
