Volocopter | Bildquelle: Volocopter

Autonome Flugtaxis Eine Idee hebt ab

Stand: 03.05.2018 20:30 Uhr

Stau auf der Straße? Ab in die Luft. Flugtaxis sind nicht erst seit Dorothee Bär ein Thema. Weltweit tüfteln etwa 50 Unternehmen daran. Eines sitzt in Bruchsal. Inzwischen ist auch Daimler an Bord.

Von Gabor Paal, SWR

Flugtaxis?! Dorothee Bär erntete viel Spott für ihr Interview, das sie als frisch gekürte Staatsministerin für Digitales dem ZDF gab. Statt über den notwendigen Breitbandausbau zu reden, sprach die CSU-Politikerin von autonomen Flugtaxis. Viele Deutsche hörten das erste Mal von dieser fantastisch anmutenden Idee.

Doch für Alex Zosel ist das schon lange keine Fantasie mehr. Er hat die Idee entwickelt und die Firma Volocopter mitgegründet, die genau solche Transportmittel entwickelt. Und auch wenn Dorothee Bär das Stichwort Flugtaxi nur mal kurz fallen ließ - für Zosel war das wieder ein Schritt nach vorne. "Nach dem ersten Shitstorm über Frau Bär haben dann auch die Journalisten mal näher hingeschaut und festgestellt: Das ist ja wirklich relevant. Dadurch werden wir jetzt auch in Deutschland wahrgenommen - nicht nur in China und den USA."

Prototyp hob schon 2011 ab

Tatsächlich ist der Volocopter schon recht weit gediehen. Es handelt sich letztlich um eine große Drohne, die bis zu zwei Personen befördern kann. Sie bestehen im Wesentlichen aus einer Karbon-Hülle und viel Elektronik. Der Volocopter soll sich genauso autonom bewegen wie ein autonomes Auto. Der erste Prototyp hob bereits 2011 ab, als erster elektrisch angetriebener Hubschrauber überhaupt. Die Frage ist nicht mehr, ob solche Geräte fliegen können, sondern wie man sie so sicher bauen kann, dass sie Akzeptanz finden.

Inzwischen interessiert sich auch die Daimler AG für die Innovation aus dem badischen Bruchsal - der kleinen Stadt nördlich von Karlsruhe, die bisher vor allem als Umschlagplatz für Spargel bekannt ist.

"Der Volocopter hat uns überzeugt", sagt Susanne Hahn, Direktorin der Daimler-eigenen Innovationsschmiede Lab1886. Immerhin habe es die Volocopter GmbH geschafft, für ihr neuartiges Transportmittel schon eine Flugzulassung in Deutschland zu bekommen. "Die haben zwei Jahre Vorsprung vor allen anderen", meint Hahn.

Starten und landen auf Dächern

Allen Beteiligten ist klar: Mit der Entwicklung der Fluggeräte ist es nicht getan. Sie brauchen auch die dazugehörige Infrastruktur. Die präsentierte Zosel nun auf der re:publica. Der Volocopter wird nach seinen Vorstellungen von so genannten Hubs starten und landen. Hubs ähneln auf den ersten Blick Hubschrauberlandeplätzen mit angeschlossener Wartungshalle. Diese Stationen können auf den Dächern von Hochhäusern entstehen oder auch auf den Dächern von zentralen Bus- oder Straßenhaltestellen. Sie könnten so an den Öffentlichen Nahverkehr angeschlossen werden. Auf diesen Stationen würden die Flugtaxis gewartet, dort würden auch die Batterien gewechselt und geladen. Bis zu 1000 Fluggäste könnten dort pro Stunde starten und landen.

Volocopter | Bildquelle: Volocopter
galerie

Abheben vom Hochhausdach - landen geht natürlich auch.

Als Einsatzgebiet kämen nach den Vorstellungen der Entwickler vor allem Metropolen in Frage. Und deren Interesse ist groß. In Dubai flogen die Volocopter auch schon. Dubai würde am liebsten bis zur Expo 2020 einen ersten Regelbetrieb starten - eine Hoffnung, die selbst Zosel zu ambitioniert erscheint. Derzeit prüfe das Unternehmen mehrere mögliche erste "Punkt zu Punkt"-Verbindungen. Vielleicht ein Shuttle vom Flughafen Newark in die New Yorker Innenstadt. Oder eine Flugbrücke über den Bosporus in Istanbul. Auch Singapur zeigte schon öffentlich Interesse.

Zosel ist überzeugt, dass seine Flugtaxis nicht nur für Superreiche interessant sind. Ein innerstädtischer Flug würde nach seiner Schätzung nur wenig mehr kosten als eine herkömmliche Taxifahrt - der Zeitgewinn dürfte vielen Menschen den Aufpreis wert sein.

Die Realisierung des neuen Verkehrsmittels scheint tatsächlich eine Frage von wenigen Jahren zu sein. Und die Behörden seien dabei das geringste Problem, sagt Zosel - auch die deutschen Behörden erlebe er als sehr aufgeschlossen.

Steigt Daimler in die Produktion ein?

Warum braucht der Volocopter die Daimler AG? Daimler hat Erfahrungen in Batterietechnik und Brennstoffzellen - Techniken, die dem Volocopter zu einer größeren Reichweite verhelfen können als die 30 Kilometer, die die bemannten Drohnen heute schon zurücklegen können. Und Daimler hat Erfahrung im "Großmachen von kleinen Pflänzchen", wie Susanne Hahn es ausdrückt. Sie will nicht ausschließen, dass die künftigen Flugtaxis in Serie unter dem Dach der Daimler AG produziert werden. "Da laufen Daimler-intern noch Diskussionen."

Für Zosel wäre es übrigens nicht das erste Mal, dass er sich mit einer Idee durchsetzt. 1981 baute er im Alter von 15 Jahren mit einigen Freunden eine der ersten Skateboard-Halfpipes in Deutschland.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk in der Sendung Forschung aktuell am 28. März 2018 um 16:36 Uhr.

Darstellung: