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Arbeitskampf der Flugbegleiter
Streiks in Berlin-Tegel und Frankfurt
Die Lufthansa-Flugbegleiter haben ihren Streik ausgeweitet. Am Berliner Flughafen Tegel begannen sie nach Angaben eines Sprechers der Gewerkschaft UFO gegen 05.00 Uhr mit der Arbeitsniederlegung. Eine Stunde später folgte das Kabinenpersonal in Frankfurt am Main, wie UFO-Sprecher Alexander Behrens bestätigte.
An beiden Standorten soll der Ausstand jeweils acht Stunden dauern. Die Lufthansa strich bereits Dutzende Flüge und bot kostenlose Umbuchungen an. Passagiere müssen sich auf Verspätungen einstellen. Auch nach Abschluss des Streiks seien Einschränkungen im Flugbetrieb zu erwarten, teilte die Fluggesellschaft mit.
Es ist der zweite Ausstand innerhalb weniger Tage, mit dem die Gewerkschaft ihre Forderungen in dem völlig verhärteten Tarifstreit durchsetzen will. Die gestaffelten Streikankündigungen für Berlin und Frankfurt stießen bei der Lufthansa auf scharfe Kritik: "Uns fehlt jedes Verständnis dafür, dass man sich hier über die Nacht so austobt auf dem Rücken der Fluggäste. Das ist alles nicht mehr lustig", sagte Lufthansa-Sprecher Michael Lamberty. Die Gewerkschaft gab beide Orte im Abstand von einer Stunde bekannt - und weckte damit zunächst die Hoffnung, dass Frankfurt verschont bleibe.
UFO: "Der Nadelstich muss sitzen"
Die Flugbegleiter-Gewerkschaft sieht in den kurzfristigen Streikankündigungen ein notwendiges Mittel im Arbeitskampf mit der Lufthansa: "Wir haben am Abend und in der Nacht noch mal zusammengesessen und haben uns entschieden: Gut, wir müssen Frankfurt mit dazu nehmen", sagte UFO-Sprecher Alexander Behrens. "Der Nadelstich muss halt sitzen."
Das Ansinnen der Lufthansa, die Passagiere schon 24 Stunden vor der nächsten Streikwelle zu warnen, lehnte UFO-Chef Nicoley Baublies ab. "Dann müssten wir den Streik ausweiten und 24 Stunden bundesweit in den Ausstand gehen." Das wolle man bislang noch vermeiden.
A. Jakubowski (HR) zu den angekündigten Streiks in Berlin und Frankfurt
nachtmagazin 00:15 Uhr, 04.09.2012
Lufthansa will zusätzliches Personal einsetzen
Die Lufthansa hatte in den vergangenen Tagen die Streiktaktik wiederholt als "sehr fluggastfeindlich" kritisiert. Das kurze Zeitfenster lasse der Gesellschaft kaum eine Chance, die Passagiere rechtzeitig zu informieren. Die Lufthansa befinde sich daher in einer sehr schwierigen Lage.
Die Lufthansa will einer Sprecherin zufolge zusätzliches Bodenpersonal einsetzen, um wartende Passagiere zu versorgen und ihnen bei Umbuchungen zu helfen. Fluggäste, die ihre Kontaktdaten bei der Lufthansa hinterlegt haben, sollen demnach per E-Mail oder SMS darüber informiert werden, ob ihr Flug planmäßig stattfindet.
Schon der erste Streik der Flugbegleiter in der Geschichte der Lufthansa hatte am Freitag in Frankfurt am Main für erhebliches Chaos im europäischen Luftverkehr gesorgt: Zahlreiche Lufthansa-Maschinen blieben am Boden, Flieger aus Europa durften zwischenzeitlich nicht mehr in Richtung Frankfurt starten.
Verhärtete Fronten im Tarifstreit
Die Gewerkschaft hatte am vergangenen Dienstag die Verhandlungen mit der Lufthansa für gescheitert erklärt und einen unbefristeten Arbeitskampf des Kabinenpersonals angekündigt. Knackpunkte sind die Themen Leiharbeit und Auslagerung von Arbeitsplätzen. Auch über mehr Lohn wurde verhandelt. Die Airline lehnt die Forderungen der Flugbegleiter ab.
Eine Lösung des Konflikts ist nicht in Sicht. Beide Seiten reden derzeit nicht einmal miteinander. Das Unternehmen bietet ein Gehaltsplus von 3,5 Prozent bei einer Laufzeit von drei Jahren. Allerdings sollen die Flugbegleiter dafür länger arbeiten. UFO kämpft für fünf Prozent mehr Lohn über 15 Monate und gegen die Auslagerung von Stellen.
Stand: 04.09.2012 06:41 Uhr
