Aufgebrachte Flüchtlinge in Budapest | Bildquelle: REUTERS

Flüchtlinge auf dem Weg nach Deutschland Das Warten auf Ausreise in Budapest

Stand: 02.09.2015 13:46 Uhr

In Budapest harren weiter Tausende Menschen vor dem Ostbahnhof aus. Seit gestern ist der Bahnhof für Flüchtlinge gesperrt. Sie hoffen nun, ihre Zugreise gen Westen bald antreten zu können. In München, wo seit Montag etwa 3500 Menschen ankamen, ist es ruhig.

Die Lage am Münchner Hauptbahnhof hat sich deutlich entspannt. Nachdem am Montag und Dienstag mehr als 3000 Flüchtlinge angekommen waren, seien es seit Mitternacht nur noch 50 gewesen, teilte die Polizei mit. Sie wurden registriert und mit Bussen in Erstaufnahmeeinrichtungen gebracht. Unterstützt werden die Beamten weiterhin von Dutzenden freiwilligen Helfern, die die Flüchtlinge mit dem Nötigsten versorgen und die Spenden aus der Bevölkerung sortieren.

In der ungarischen Hauptstadt Budapest warten derweil mehrere Tausend Menschen darauf, dass sie ausreisen dürfen. Sie demonstrierten auch heute wieder für ihre Weiterreise nach Deutschland. Sie skandierten Rufe wie "Freiheit, Freiheit!" und verlangten, in die Züge Richtung Deutschland gelassen zu werden. Unter den Wartenden waren zahlreiche Familien mit Kindern.

Beruhigte Lage am Münchener Bahnhof
tagesschau 12:00 Uhr, 02.09.2015, Eckhart Querner, BR

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2000 Menschen kampieren am Bahnhof

Die Nacht hatten sie im Freien verbracht, weil sie seit gestern den Keleti-Bahnhof, der wichtigste Bahnhof zur Weiterfahrt in Richtung Westen, nicht mehr betreten dürfen. Nach Schätzung von Helfern und Beobachtern kampierten 2000 bis 3000 Menschen neben dem Ostbahnhof und im angrenzenden U-Bahn-Untergeschoss. Die hygienischen Zustände waren äußerst kritisch: Für die vielen Menschen gab es nur vier mobile Toiletten. Hilfe leistete nur der Verein "Migration Aid", der Essen und Kleider aus Spenden verteilte und die Menschen notdürftig medizinisch versorgte.

Angesichts des Flüchtlingsandrangs auf Züge in Richtung Österreich und Deutschland hatte die Polizei gestern den Bahnhof geräumt. Zunächst wurde der Zugverkehr im Keleti-Bahnhof komplett gestoppt. Nach einigen Stunden wurde der Bahnhof für Passagiere wieder geöffnet - aber die Flüchtlinge dürfen seitdem nicht in das Bahnhofsgebäude.

Am Montag noch hatte die ungarische Polizei überraschend die Kontrollen ausgesetzt und damit Tausenden Flüchtlingen ermöglicht, in Zügen nach Westen zu gelangen.

Flüchtlingssituation in Ungarn weiterhin unklar
tagesschau 15:00 Uhr, 02.09.2015, Darko Jakovljevic, ARD Wien

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Zeltlager soll errichtet werden

Nun soll binnen zwei Wochen ein Zeltlager errichtet werden, das vorübergehend 800 bis 1000 Flüchtlinge aufnehmen kann. Das beschloss das Budapester Stadtparlament und bewilligte dafür 373 Millionen Forint (etwa eine Million Euro). "Dies ist zwar nicht unsere Aufgabe, aber wir tun es aus Gewissensgründen, wir müssen die Situation zu unserem eigenen Schutz bewältigen", sagte Oberbürgermeister Istvan Tarlos, ein Parteifreund des rechtsnationalen Ministerpräsidenten Viktor Orban.

Susanne Glass, ARD Wien, zzt. Budapest, zur Strategie Ungarns
tagesschau24 15:15 Uhr, 02.09.2015

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Österreich erwartet weitere Flüchtlinge

Österreich setzt zunächst keine Sonderzüge für weitere Flüchtlinge aus Ungarn ein. "Wir haben ganz normal unser Zugangebot", sagte Verkehrsminister Alois Stöger. Er ist in seiner Funktion auch für die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) zuständig, in deren Züge in den vergangenen Tagen Tausende Flüchtlinge aus Ungarn nach Deutschland gekommen waren. Ob und wie viele Asyl-Suchende die Züge in Budapest bestiegen, hänge von den dortigen Behörden ab, sagte Stöger. "Die Koordination an den Bahnhöfen läuft. Die ungarischen Behörden gehen in Budapest in ihrem Aufgabenbereich vor."

Sein Land stelle sich auf den Zustrom weiterer Flüchtlinge ein. "Man muss vorbereitet sein, dass Menschen kommen werden - das ist klar", sagte Stöger. Die Bahn arbeite hier mit Hilfsorganisationen zusammen. "Es geht darum, dass ich sehr daran interessiert bin, dass die ÖBB das Problem gut lösen. Das machen sie", sagte der Minister.

Till Rüger, ARD Wien, zur Situation an österreichischen Bahnhöfen
tagesschau24 12:15 Uhr, 02.09.2015

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Innenausschuss berät zur Flüchtlingsfrage

Der Innenausschuss des Bundestages wird heute in einer Sondersitzung über den Umgang mit der rasant wachsenden Zahl an Flüchtlingen in Deutschland beraten. Erwartet wird dazu auch Bundesinnenminister Thomas de Maizière. Der Bund rechnet in diesem Jahr mit insgesamt rund 800.000 Asylbewerbern in Deutschland. Das wären viermal so viele wie im vergangenen Jahr.

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