Türkische Polizeipatrouille auf dem Fluss Evros (türkisch Meric) | Bildquelle: AP

Flucht aus Deutschland Syrische Flüchtlinge reisen in die Türkei aus

Stand: 12.04.2018 10:49 Uhr

Flucht zurück: Tausende syrische Flüchtlinge mit gültigem Aufenthaltstatus wollen Deutschland verlassen. Viele reisen auf zum Teil riskanten Routen in die Türkei - oftmals mithilfe von Schleusern.

Häufig haben sie eine schwere Flucht hinter sich, sind schließlich in Deutschland angekommen und haben einen gültigen Aufenthaltsstatus in Deutschland bekommen - nun verlassen sie offenbar zunehmend wieder das Land: Syrische Flüchtlinge reisen illegal und auf zum Teil riskanten Routen in die Türkei, da sie kein Visum für die Ausreise erhalten. Dies haben gemeinsame Recherchen von "Panorama" und dem Reporterformat "STRG_F" von funk ergeben. Als Grund geben viele Syrer die erschwerte Familienzusammenführung an.

Pro Asyl bestätigt Bericht

Oftmals nehmen sie demnach die Hilfe von Schleusern in Anspruch. In sozialen Netzwerken wie Facebook gebe es inzwischen Gruppen, in denen sich Tausende Syrer über die "umgekehrte Flucht" austauschen. Auch Informationen über Schleuser und Preise würden darin genannt. So koste eine Überfahrt über den Grenzfluss Evros, der Griechenland von der Türkei trennt, etwa 200 Euro.

Flüchtlinge in Europa auf der Autobahn aus der Türkei nach Griechenland
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Diese Menschen liefen im September 2015 auf der Autobahn nahe der türkischen Stadt Edire in Richtung der griechischen Grenze, um Europa zu erreichen.

Die Menschenrechtsorganisation Pro Asyl bestätigte den Bericht. "Es gab schon im letzten Jahr Hinweise, dass Flüchtlinge sich hier in Deutschland unter Druck gesetzt fühlen und auf gefährlichen Wegen zurückkehren", sagte Pro Asyl-Geschäftsführer Günter Burkhardt. Es betreffe besonders verzweifelte Syrer, die nur einen eingeschränkten Schutzstatus bekommen hätten und von den Familien getrennt seien.

Schleuser bestätigen Trend

Die Reporter recherchierten im griechisch-türkischen Grenzgebiet und begleiteten mehrere Syrer auf ihrem Weg in die Türkei. Auch Schleuser bestätigten in Interviews diesen Trend.

Einer erklärte demnach, er bringe täglich bis zu 50 Menschen zurück aus Europa in die Türkei, hauptsächlich syrische Flüchtlinge, die in Deutschland einen Aufenthaltsstatus hätten. Ein anderer Schleuser sagte, inzwischen hole er mehr Flüchtlinge aus Europa zurück als umgekehrt.

UNHCR kann Fälle nicht quantifizieren

Der Repräsentant des Flüchtlingskommissariats der Vereinten Nationen (UNHCR) in Deutschland, Dominik Bartsch, sagte gegenüber "Panorama", er habe bereits von solchen Fällen gehört, ohne diese quantifizieren zu können.

"Die Tatsache, dass Flüchtlinge auf derselben Route, auf der sie ursprünglich nach Deutschland gekommen sind, wieder zurückgehen, ist paradox", so Bartsch. Dass der einzelne so ein Risiko eingehe, zeige auch den hohen Schutzwert der Familie. Dem werde Deutschland nicht gerecht.

"Flüchtlinge fühlen sich im Stich gelassen"

Viele der Flüchtlinge aus Syrien, mit denen das UNHCR gesprochen habe und die subsidiären Schutzstatus hätten, seien darüber informiert worden, dass der Familiennachzug ab dem Stichtag März 2018 stattfinden könne, sagte Bartsch. "Diese Flüchtlinge fühlen sich natürlich im Stich gelassen. Denn diese Nachricht haben sie sogar schriftlich bekommen."

Nach den Recherchen von Panorama und STRG_F läuft die Flucht zurück in etwa so: Als anerkannte Flüchtlinge können die Syrer aus Deutschland legal, zum Beispiel per Flugzeug, nach Griechenland reisen. Schleuser bringen die Menschen dann mit Booten über den Grenzfluss Evros in die Türkei. Bei der riskanten Überfahrt hier kam es in der Vergangenheit immer wieder zu Zwischenfällen und sogar Toten.

4000 Syrer unbekannt verzogen

Während die "umgekehrte Flucht" in der griechisch-türkischen Grenzregion mittlerweile ein offenes Geheimnis ist, wüssten Behörden und Politik in Deutschland den Recherchen zufolge darüber bisher so gut wie nichts. Laut Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) sind im vergangenen Jahr rund 4000 Syrer unbekannt verzogen. Darunter könnten auch solche sein, die in die Türkei gegangen sind.

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Über dieses Thema berichtete Panorama am 12. April 2018 um 21:45 Uhr.

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