Flüchtlinge München | Bildquelle: dpa

Ankommende Flüchtlinge in Deutschland Die 800.000 sind fast erreicht

Stand: 05.11.2015 15:45 Uhr

Wie viele Flüchtlinge kommen dieses Jahr nach Deutschland? Von 800.000 Menschen geht die Bundesregierung unverdrossen aus. Diese Zahl ist jedoch bereits im Oktober fast erreicht. Interessant mit Blick auf den Transitzonen-Streit ist auch der Blick auf die Herkunftsländer.

800.000, eine Million, 1,5 Millionen? Mit Flüchtlingszahlen lässt sich vortrefflich Politik machen, offizielle belastbare Zahlen sind rar. Jetzt legte das Bundesinnenministerium die Zahlen für Oktober vor. Demnach zählten die Bundesländer rund 758.000 Einreisen. Allein im Oktober wurde mit 181.000 Migranten ein Höchststand erreicht. Dabei handelt es sich um registrierte Flüchtlinge, die im Datensystem Easy gespeichert wurden. Der tatsächliche Wert dürfte noch höher liegen, da viele Flüchtlinge noch nicht registriert sind.

Keine neue Prognose - vorerst

Damit dürfte die offizielle Prognose der Bundesregierung von 800.000 Menschen für 2015 nicht zu halten sein. Doch trotz der neuen Zahlen hält die Bundesregierung vorerst daran fest. "An 800.000 Flüchtlinge im Jahr 2015 glaubt kein Mensch mehr", merkte SPD-Generalsekretärin Yasmin Fahimi schon im September an. Nicht nur viele Experten und Ministerpräsidenten, sondern auch Vizekanzler Sigmar Gabriel sprachen von einer Million Flüchtlingen, auch die Zahl 1,5 Millionen fiel bereits. Innenminister Thomas de Maizière meint dagegen, die Herausgabe einer neuen Prognose könnte verstanden werden als "zusätzliche Einladung, zu uns zu kommen. Ein solches Signal möchte ich nicht aussenden", so der CDU-Politiker.

Syrien, Albanien, Afghanistan...

Interessant ist auch der Blick auf die Monatszahlen sowie die Herkunft der Flüchtlinge. So stieg im Oktober die Zahl der neu registrierten Flüchtlinge auf rund 181.000 - das sind rund 17.000 mehr als im September. Unter den seit Jahresbeginn registrierten Flüchtlingen stellten Menschen aus Syrien mit fast 244.000 Schutzsuchenden die bei weitem größte Gruppe. Mehr als jeder zweite Asylbewerber im vergangenen Monat kam aus Syrien.

Die weiteren Hauptherkunftsländer der Flüchtlinge waren Albanien (67.676), Afghanistan (67.191), dem Irak (58.754) und dem Kosovo (32.469). Und hier deutet sich eine Verschiebung an: Im Oktober befanden sich unter den fünf wichtigsten Ländern keine Westbalkanstaaten wie Albanien und Kosovo mehr.

Das ist auch mit Blick auf die von der Union geforderten Transitzonen für offensichtlich aussichtslose Asylbewerber von Interesse. Denn welchen Sinn haben solche Zonen, wenn sie nur für einen minimalen Teil der Flüchtlinge ausgerichtet sind? Die SPD spricht daher auch von reiner Symbolpolitik.

Kluft zwischen Asylanträgen als registrierten Flüchtlingen

Da die Behörden angesichts der hohen Zahl an einreisenden Schutzsuchenden bei der Bearbeitung der Asylverfahren kaum hinterherkommen, liegt die Zahl der Asylanträge deutlich unter den Registrierungszahlen. So verzeichnete das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) im vergangenen Monat insgesamt knapp 54.900 Anträge von Asylsuchenden - fast 160 Prozent mehr als vor einem Jahr und gut 27 Prozent mehr als im September. Von Januar bis Oktober beantragten gut 362.000 Menschen in Deutschland Asyl - das waren fast 130 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Und einen immensen Berg an unerledigten Asylanträgen schiebt das BAMF noch vor sich her: Ende Oktober waren es gut 328 000. Behördenleiter Frank-Jürgen Weise versprach eine schnelle Bearbeitung.

Dem Innenministerium zufolge traf das BAMF in den ersten zehn Monaten dieses Jahres gut 205.000 Entscheidungen über Asylanträge, mehr als doppelt so viele wie im Vorjahreszeitraum. Knapp 40 Prozent der Antragsteller wurde die Rechtsstellung eines Flüchtlings nach der Genfer Flüchtlingskonvention zuerkannt, fast 38 Prozent der Anträge lehnte das BAMF ab.

Die Vereinten Nationen rechnen auch in den Wintermonaten nicht mit einer Verringerung. Von November bis Februar sei mit täglich bis zu 5000 Flüchtlingen zu rechnen, die über die Türkei nach Europa einreisten, teilte das Flüchtlingshilfswerk UNHCR mit.

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