Flüchtlinge in Schönefeld (Brandenburg) | Bildquelle: dpa

Lagebild des Bundeskriminalamtes Kaum ansteigende Kriminalität durch Flüchtlinge

Stand: 13.11.2015 18:44 Uhr

Die Zahl der Flüchtlinge in Deutschland steigt, doch Einfluss auf die Zahl der Straftaten hat das kaum. Das ist das Fazit des Bundeskriminalamtes. Stark angestiegen sind dagegen die Straftaten gegen Asylbewerberunterkünfte.

Von Lena Kampf, WDR/NDR

Das Bundeskriminalamt hat in einem ersten Lagebild die Auswirkungen der hohen Flüchtlingzahlen auf das Kriminalitätsaufkommen in Deutschland untersucht. Im Vergleich zur signifikant ansteigenden Zahl von Asylbewerbern haben Straftaten durch Zuwanderer kaum zugenommen, so das Fazit des BKA. Dagegen seien Straftaten gegen Asylbewerber und Asylbewerbereinrichtungen "quantitativ und qualitativ stark angestiegen". Untersuchungszeitraum war Januar bis September 2015.

Hauptsächlich Bagatelldelikte wie Schwarzfahren

Der größte Anteil der von Zuwanderern begangenen Straftaten seien Bagatelldelikte: Etwa ein Drittel macht laut BKA Diebstahl aus, ein weiteres Drittel Vermögens- und Fälschungsdelikte, darunter hauptsächlich das Nutzen von öffentlichen Verkehrsmittel ohne Fahrschein.

Gewaltdelikte wie Raub oder Körperverletzung beliefen sich in der Statistik auf 16 Prozent. Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung lägen unter einem Prozent. Unter den Tatverdächtigen seien Serben, Kosovaren und Mazedonier überrepräsentiert im Vergleich zum Nationalitätenanteil in der Erstaufnahmestatistik des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge.

Keine einheitlichen Daten

In dem 21-seitigen Papier macht das BKA gleichzeitig deutlich, dass die Bundesländer keine einheitlichen Statistiken führen und damit die Vergleichbarkeit eingeschränkt sei. Lediglich zwölf Länder haben zum Stichtag Zahlen an das BKA geliefert, es könnten mithin nur "Trendaussagen" abgeleitet werden, "Unschärfen" seien "gegenwärtig unvermeidlich".

Asylbewerber werden in der Kriminalstatistik nicht extra erfasst, sodass das BKA den Begriff "Zuwanderer" benutzt. Darunter fallen Asylbewerber, Personen mit einer Duldung, Kontingents- oder Bürgerkriegsflüchtling und Personen, die sich in Deutschland "unerlaubt" aufhalten. Hilfsweise greift das BKA auf die Staatsangehörigkeit oder auf die Registrierung in einer Asylbewerberunterkunft zurück.

Die Kriminalität in Erstaufnahmeeinrichtungen habe deutlich zugenommen, Schwerpunkte seien Eigentumsdelikte und Raub oder Körperverletzung. Das BKA macht deutlich, dass die Geschädigten dabei selbst Asylbewerber seien. Insgesamt sei ein Anstieg von Straftaten zu verzeichnen, bei denen Zuwanderer Opfer geworden sind, insbesondere seien Syrer und Afghanen betroffen.

Dreimal so viele Straftaten gegen Asylbewerberunterkünfte

Darüber hinaus haben sich Straftaten gegen Asylbeweberunterkünfte im Vergleich zur Gesamtzahl im Vorjahr bereits mehr als verdreifacht. Übergriffe auf Einrichtungen, darunter Gewaltstraftaten, Sachbeschädigung und Propagandadelikte, bei denen das BKA ein rechtes Motiv vermutet, belaufen sich bis Anfang November auf mehr als 600.

Seit Monaten kursieren Gerüchte über den vermeintlich starken Anstieg von Kriminalität durch Asylbewerber in Deutschland. Diese erste Datenerhebung des BKA stützt diese Befürchtungen nicht. Im Gegenteil: Die Polizeibehörde hält fest, dass es eine "stark divergierende Entwicklung der Fallzahlen im Verhältnis zur Entwicklung der Zuwanderungszahlen" gibt.

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