Syrische Flüchtlinge kommen das Grenzdurchgangslager Friedland im Landkreis Göttingen. | Bildquelle: Swen Pfödpa

Flüchtlinge in Deutschland Familiennachzug hat stark zugenommen

Stand: 19.01.2017 14:25 Uhr

Der Nachzug von Familienangehörigen nach Deutschland hat im vergangenen Jahr um etwa 50 Prozent zugenommen. Dennoch liegen die Zahlen weit unter den Erwartungen aus dem Herbst 2015 - wohl auch deshalb, weil die Regeln für den Nachzug verschärft wurden.

Im vergangenen Jahr sind deutlich mehr Ehepartner und andere Familienangehörige von Flüchtlingen nach Deutschland nachgezogen als in den Jahren zuvor. Das Auswärtige Amt bestätigte Medienberichte, wonach 2016 annähernd 105.000 Visa zum Familiennachzug erteilt wurden, darunter ein Großteil für den Familiennachzug zu Schutzberechtigten. Im Vergleich zu 2015, als rund 70.000 Visa erteilt wurden, liegt der Anstieg damit bei 50 Prozent.

Vor allem der Nachzug aus Syrien und dem Irak nahm 2016 deutlich zu: Allein für diese beiden Länder wurden laut Auswärtigem Amt etwa 73.000 Visa erteilt worden - etwa dreimal so viele wie 2015. Die rund 65.000 unbegleiteten minderjährigen Ausländer holten dagegen nur verhältnismäßig wenige Angehörige nach Deutschland. Auf diese Gruppe entfielen lediglich 3200 Visa.

Asyl-Nachzüge weit hinter Erwartungen

Trotz des deutlichen Anstiegs liegen die Zahlen hinter den Erwartungen aus dem Herbst 2015, als zuvor Hunderttausende Flüchtlinge nach Deutschland gekommen waren. Angesichts der vielen Flüchtlinge sei die Steigerung sehr moderat "und sehr viel geringer, als dies prognostiziert wurde", so Ulla Jelpke von den Linken. In einem Bericht der "Heilbronner Stimme" sagte der CDU-Bundestagsabgeordnete Christian von Stetten, nur wegen der Aussetzung des Zuzugsrechts bei subsidiär Schutzberechtigten per Gesetz und einer schleppenden Antragsbearbeitung sei die Zahl der ankommenden Familienmitglieder verhältnismäßig gering. Er hatte 2015 noch mit 1,1 Millionen Nachzüglern gerechnet.

Kritik an neuem Asylpaket

Zugleich kritisierte Jelpke die Aussetzung des Familiennachzugs für subsidiär Schutzberechtigte als "Skandal": "Der Staat reißt Familien auseinander und verhindert selbst bei Kindern und Jugendlichen, dass sie ihre Eltern nachholen können." Der Nachzug von Familienangehörigen sei für die bereits hier Lebenden eine wichtige Integrationsvoraussetzung, betonte die Linken-Politikerin.

Im vergangenen Jahr hatte die Bundesregierung mit dem Asylpaket II den Familiennachzug deutlich erschwert: Flüchtlinge mit sogenanntem subsidiärem Schutz, die also keinen Schutz nach der Genfer Flüchtlingskonvention genießen, müssen jetzt zwei Jahre warten, ehe sie Ehepartner oder Kinder nachholen können.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 19. Januar 2017 um 06:00 Uhr

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