Flüchtlinge in Berlin | Bildquelle: dpa

Zahl der Flüchtlinge in Deutschland Regierung plant keine neue Prognose

Stand: 05.10.2015 17:23 Uhr

Mit nicht weniger als 1,5 Millionen Flüchtlingen rechne die Bundesregierung allein in diesem Jahr - das besagt laut einem Medienbericht eine bislang geheime Prognose. Stimmt nicht, sagt die Regierung: Die Prognose kenne man nicht, und eine neue sei nicht geplant.

Das Bundesinnenministerium hat einen Medienbericht zurückgewiesen, wonach bis Jahresende bis zu 1,5 Millionen Flüchtlinge nach Deutschland kommen könnten. Er könne diese Zahl nicht bestätigen, sagte ein Sprecher. Ihm sei auch nicht bekannt, dass es in Kürze eine neue Prognose über die Zahl der erwarteten Flüchtlinge geben werde. Er kündigte an, dass im Laufe der Woche konkrete Zahlen über die im vergangenen Monat neu angekommenen Flüchtlinge veröffentlicht werden.

Der Sprecher betonte, es sei zwar richtig, dass die Zahlen besonders im September sehr hoch gewesen seien. Auf der Grundlage einzelner Tages- oder Wochenstatistiken könne jedoch nicht seriös immer wieder eine neue Prognose erstellt werden. Zudem sei zu bedenken, dass zum Winter der Andrang von Flüchtlingen in den vergangenen Jahren jeweils nachgelassen habe.

Ressortchef Thomas de Maizière (CDU) betonte wiederholt, es sei derzeit sehr schwer, genaue Zahlen zu ermitteln. Ein "nicht unerheblicher Teil" der Flüchtlinge entziehe sich der Registrierung oder ziehe trotz Registrierung an einen anderen Ort weiter. Ähnlich hatte sich auch der neue Leiter des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge, Frank-Jürgen Weise, geäußert.

Spekulationen über Flüchtlingszahlen erzeugen Unruhe
tagesschau 20:00 Uhr, 05.10.2015, F. Jahn, HSSB

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800.000 Flüchtlinge erwartet

Laut der noch geltenden offiziellen Prognose der Bundesregierung werden in diesem Jahr bis zu 800.000 Flüchtlinge in Deutschland erwartet. Die "Bild"-Zeitung berichtete aber, die Behörden rechneten wegen der aktuell hohen Zahlen inzwischen mit bis zu 1,5 Millionen Flüchtlingen. Das Blatt beruft sich dabei auf als geheim eingestufte Behördenberechnungen.

Vizeregierungssprecher Georg Streiter sagte hingegen, dieses Geheimpapier kenne seines Wissens nach niemand aus der Bundesregierung.

Der Innenminister Mecklenburg-Vorpommerns, Lorenz Caffier (CDU), hatte der "Welt am Sonntag" gesagt, er erwarte in diesem Jahr insgesamt 1,2 bis 1,5 Millionen Flüchtlinge in Deutschland.

Bricht die Versorgung zusammen?

Flüchtlinge in Berlin | Bildquelle: dpa
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Länder und Kommunen sehen sich wegen der vielen Flüchtling an der Grenze zur Überforderung.

Länder und Kommunen stehen nach eigenen Angaben schon jetzt am Rande der Belastbarkeit: Es fehlten dringend benötigte Hilfsmittel wie Wohncontainer und sanitäre Einrichtungen. "Wenn der Zustrom weiter so anhält wie jetzt, werden die Kommunen in Deutschland mit Versorgung, Unterbringung und Integration der Flüchtlinge überfordert sein", sagte der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebunds, Gerd Landsberg, der "Passauer Neuen Presse". In dem internen Bericht ist laut "Bild" von einem möglichen "Zusammenbruch der Versorgung" die Rede.

Der Vizepräsident des Deutschen Städtetags und Oberbürgermeister von Nürnberg, Ulrich Maly, warnte allerdings davor, vor allem über die Zahl der Asylsuchenden zu diskutieren. "Ich denke, dass die Zahl der Menschen, die heuer zu uns kommen, verkraftbar ist, aber dass es sicher nicht geht, dass man noch zehn Jahre Menschen in dieser Größenordnung aufnimmt". In Deutschland sei schon über eine Obergrenze diskutiert worden, als die ersten Gastarbeiter kamen, sagte der SPD-Politiker. "Die Frage, wie wir uns verändern, hängt von der Geschwindigkeit mindestens genauso ab, wie von der Menge der Menschen."

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