Eine Gruppe von Flüchtlingen geht in Hamburg einen Weg in einer Parkanlage entlang.

Bericht über BAMF-Prognose Familiennachzug der Flüchtlinge geringer als erwartet

Stand: 08.06.2016 09:12 Uhr

500.000 weitere Syrer könnten ihren geflüchteten Familienangehörigen nach Deutschland folgen, berichtet die "Süddeutsche Zeitung" und beruft sich auf eine Prognose des Bundesamtes für Migration. Das sind deutlich weniger als erwartet.

Deutschland muss sich wegen des Familiennachzugs in den kommenden Jahren auf Hunderttausende weitere Flüchtlinge aus Syrien einstellen. Das geht aus einer Prognose des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) vom Jahresende 2015 vor, über die zuerst die "Süddeutschen Zeitung" berichtet hatte.

Wenn Faktoren wie Alter, Kinderzahl und bereits mitgereiste Angehörige berücksichtigt würden, sei damit zu rechnen, dass im Durchschnitt für jeden anerkannten syrischen Flüchtling ein Angehöriger dazukommen werde. Laut Ankunftsstatistik des Bundesamts kamen 2015 etwa 428.000 Syrer nach Deutschland; in den ersten fünf Monaten des laufenden Jahres waren es noch einmal knapp 72.000. Entsprechend müsste mit bis zu 500.000 nachziehenden Neuankömmlingen gerechnet werden. Diese Entwicklung werde sich allerdings über viele Monate hinziehen.

Experten hatten mit Verdreifachung der Zahlen durch Familiennachzug gerechnet

Die BAMF-Prognose, die dem ARD-Hauptstadtstudio ebenfalls vorliegt, stammt von Ende 2015. Damit widersprächen die Experten Vorhersagen der vergangenen Monate, die eine Verdreifachung oder Vervierfachung der Flüchtlingszahlen durch den Familiennachzug prognostiziert hätten, heißt es in dem Bericht.

Gleichzeitig betonten sie aber, dass auf die Sozialkassen zusätzliche Aufgaben zukämen. Wegen der "erheblichen zeitlichen Verzögerung beim Familiennachzug" werde dies aber nur schrittweise eintreten. Tatsächlich gibt es bei der Bewilligung der Nachzugs-Visa an den deutschen Vertretungen in der Türkei und in Beirut erhebliche Wartezeiten. Diese Botschaften sind für syrische Angehörige die wichtigsten. Die Bundesregierung hat die Kapazitäten dort massiv ausgebaut. Trotzdem müssen Antragsteller oft viele Monate auf einen Bescheid warten.

Eine Frau mit Kopftuch sitzt mit dreu kleinen Kinder auf der Rückbank eines Autos
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Die Bewilligung von Visa nachziehender Familienangehöriger verläuft nur schleppend.

Folgen des Asylpakets II

Die neuen Regelungen, die mit dem Asylpaket II in Kraft getreten sind - subsidiärer Schutz und Aussetzung des Familiennachzugs für zwei Jahre - schlagen sich dem Bericht zufolge erst geringfügig in der Zukunft nieder. Die Zahl der syrischen Flüchtlinge, die lediglich den geringen Schutzstatus erhalten, stieg in den ersten vier Monaten rapide an. Nach einer Statistik des Bundesamts erhielten in diesem Zeitraum 4018 Personen aus Syrien diesen nachrangigen Schutz, der umfassende Schutz als anerkanntem Flüchtling wurde gut 91.000 Personen zuerkannt. Im gesamten vergangenen Jahr erhielten nur 61 Syrer den subsidiären Schutz.

"Rückstand nicht ins Wahljahr tragen"

Unterdessen hat BAMF-Chef Frank-Jürgen Weise sein Ziel bekräftigt, den Stau der Asylanträge bis Ende des Jahres abzubauen. Obwohl die Zahl der Entscheidungen über die Anträge in der Behörde zuletzt wieder gesunken war. Er rechne damit, dass jeder zuständige Mitarbeiter zwei Entscheidungen pro Tag schaffe, dann sei Ende des Jahres alles bearbeitet. Das sei die erklärte Aufgabenstellung der Politik an ihn gewesen: Dass "der Rückstand nicht ins Wahljahr getragen wird".

Aktuell arbeiten im Bundesamt 7100 von angestrebten 7300 Mitarbeitern. Die Zahl der noch nicht entschiedenen Anträge beim BAMF ist im Mai dennoch weiter auf nun 460.000 gestiegen. Weitere knapp 300.000 Menschen im Land haben nach Schätzung der Behörde ihren Asylantrag noch nicht gestellt.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 08. Juni 2016 um 04:55 Uhr.

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