Wohnprojekt für Flüchtlinge

Projekt für Flüchtlinge Wohnen nach dem "Düsseldorfer Modell"

Stand: 23.02.2016 06:40 Uhr

Überfüllte Zelte, volle Turnhallen: Sechs Monate nach dem "Wir schaffen das" von Kanzlerin Merkel stehen Bund, Länder und Kommunen weiter vor großen Problemen, was die Unterbringung der Flüchtlinge betrifft. In Düsseldorf hat sich ein Projekt besonders bewährt.

Von Antraud Cordes-Strehle, WDR

Miriam Koch, Flüchtlingsbeauftragte der Stadt Düsseldorf
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Miriam Koch, Flüchtlingsbeauftragte der Stadt Düsseldorf

"Immerhin, es gibt ein wenig Privatsphäre", meint Miriam Koch. Die Flüchtlingsbeauftragte der Stadt Düsseldorf präsentiert, wie Flüchtlinge nach dem "Düsseldorfer Modell" wohnen: in Wohnmodulen, also Containern. Das Besondere aber ist der Innenausbau. Die einzelnen Zimmer beherbergen beispielsweise zwei Einzelpersonen, oder mehrere untereinander verbundene Räume eine Familie.

Jeweils 20 Flüchtlinge auf einem Flur bilden so etwas wie eine kleine Wohneinheit, nutzen jeweils eine Gemeinschaftsküche, einen Waschraum, sanitäre Anlagen. "Das Wichtige ist, dass die Menschen die Möglichkeit haben, auch mal eine Tür hinter sich zuzumachen", meint Koch. "Da, wo wir kleinteilig sind bei der Unterbringung, in kleinen Fluren, da läuft die soziale Kontrolle untereinander auch gut, da haben wir weniger Reinigungsdienste und da ist es sehr, sehr friedlich."

In den Monaten des höchsten Ansturms war die Situation eine ganz andere. Im Oktober 2015 lebten in Düsseldorf mehr als 1300 Flüchtlinge in Notlösungen wie Zeltanlagen oder Turnhallen, im November noch über 1200, im Dezember nur noch 620 und im Januar waren es dann nur noch 263.

Wohnprojekt für Flüchtlinge | Bildquelle: Antraud Cordes-Strehle
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Im "Düsseldorfer Modell" nutzen jeweils 20 Flüchtlinge eine Gemeinschaftsküche.

Insgesamt hatte die Stadt Anfang 2016 etwa 5000 Flüchtlinge untergebracht. Zusätzlich dazu lebten rund 1600 Flüchtlinge in Einrichtungen des Landes, doch niemand mehr in einer Zeltanlage - und in Notlösungen wie Turnhallen oder Schulen nur noch 263. In zwei Traglufthallen - etwa 600, in Hotels 520, in Sammelunterkünften und Apartments fast 2900 Flüchtlinge und in Wohnmodulen etwa 1700.

Obdachlosigkeit vermieden

So viele finanzielle Mittel, um zu bauen, hat aber längst nicht jede Kommune. Und so sehen die Lösungen für die Flüchtlingsunterbringung überall unterschiedlich aus: je nach den Gegebenheiten, je nach Finanzlage und der Lage auf dem Wohnungsmarkt.

Vielerorts werden derzeit sogar weitere Turn- und Sporthallen zu Flüchtlingsunterkünften umfunktioniert, beispielsweise in Köln. Von insgesamt 7000 Schul- und Vereinssporthallen in Nordrhein-Westfalen mussten Anfang Dezember 270 als Notlösung herhalten, wie eine Erhebung des WDR ergeben hatte. Nun ist die Zahl sogar noch gestiegen. Derzeit, so hat der Landessportbund NRW hochgerechnet, gehen etwa 400 Hallen dem Sport verloren.

"Wir kommen ohne die Turnhallen nach wie vor nicht aus. Vor allem nicht in den Städten und Gemeinden, in denen es ohnehin auf dem Wohnungsmarkt sehr eng ist“, räumt Andreas Wohland vom Städte- und Gemeindebund Nordrhein-Westfalen ein. Dennoch findet er, die Kommunen hätten Enormes geleistet: "Die Kommunen haben es geschafft, Obdachlosigkeit zu vermeiden. Das heißt allen Flüchtlingen konnte ein Dach über dem Kopf und eine warme Mahlzeit zur Verfügung gestellt werden."

Entspannt hat sich die Lage in den Erstaufnahme- und Zentralen Unterbringungseinrichtungen des Landes, weil im Moment weniger neue Flüchtlinge ankommen und weil das Land diese schneller an die Kommunen weiter verweist. Die Folge: Anfang Februar waren in den Landeseinrichtungen sogar Plätze frei. Von insgesamt fast 82.000 Plätzen waren rund 30.000 belegt. Deshalb sollen nun etwa 10.000 Plätze zurückgebaut werden.

Qualität vor Geschwindigkeit

"Einiges ist geschafft, allerdings muss auch noch ganz viel passieren“, meint Ernst Uhing, Präsident der Architektenkammer Nordrhein-Westfalen. Er sieht die Integration neuer Mitbürger als eine der dringlichen Aufgaben der Stadtentwicklung. Wie sollen und können Flüchtlinge integriert werden, wie auf lange Sicht wohnen? "Wir sollten auf keinen Fall Fehler der 1950er-, 60er- und 70er-Jahre wiederholen. Wir sollten Ghettoisierung vermeiden. Und wir sollten Standards beim Bauen jetzt nicht herabsetzen. Qualität geht vor Geschwindigkeit."

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