Hühnerfleisch

Fleischatlas 2013 vorgestellt Jeder Deutsche isst knapp 1000 Hühner

Stand: 10.01.2013 14:58 Uhr

Vier ganze Rinder, vier Schafe, zwölf Gänse, 37 Enten, 46 Schweine, 46 Puten und 945 Hühner - im Laufe seines Lebens verzehrt ein Deutscher laut "Fleischatlas 2013" durchschnittlich 1097 Tiere. Demnach essen 85 Prozent der Deutschen täglich oder nahezu täglich Fleisch und Aufschnitt. Insgesamt sind das rund 60 Kilogramm pro Jahr und Kopf. Nur ein Prozent der deutschen Männer bezeichnen sich den Angaben zufolge selber als Vegetarier.

Der Fleischatlas solle aufklären, informieren und die Verbraucher zum Nachdenken anregen, sagte Stiftungsvorstand Barbara Unmüßig bei der Vorstellung des gemeinsamen Nachschlagewerks der Heinrich-Böll-Stiftung, des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND) und der Monatszeitung "Le Monde diplomatique" in Berlin.

"Deutsches Rind knabbert am Regenwald"

Kühe in einem Stall (Bildquelle: picture-alliance/ dpa)
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Kühe werden nicht nur mit Gras, sondern zumeist auch mit Kraftfutter ernährt.

"Die intensive Fleischproduktion ist nicht nur qualvoll für die Tiere und belastet die Umwelt, sondern verschlingt gleichzeitig riesige Mengen an Rohstoffen, die wir als Futtermittel aus Ländern des globalen Südens importieren", so Unmüßig weiter. Nach China sei Europa der größte Importeur von Soja. Argentinien und Brasilien erweiterten in großem Stil ihre Anbauflächen für die Sojaproduktion. Allein für die deutsche Tierproduktion werden in Lateinamerika dem Nachschlagewerk zufolge auf etwa drei Millionen Hektar Soja angebaut. "Das deutsche Rind beginnt am Regenwald zu knabbern", heißt es im Fleischatlas.

Zwar werden die Hülsenfrüchte nicht direkt im Amazonas-Gebiet gepflanzt. Aber der Anbau ist so lukrativ, dass andere landwirtschaftliche Produktionen dorthin verlagert werden, um Platz für neue Sojabohnen-Plantagen zu schaffen. Umgewidmet werden vor allem Weiden - Experten zufolge ist die Tierproduktion nach der Holznutzung die zweitgrößte Bedrohung für den brasilianischen Regenwald.

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Infografiken zum Fleischkonsum

Wie viel Wasser ist nötig, um ein Kilo Fleisch zu produzieren? Infografiken zum Thema Fleischkonsum.

Grafik: Tiere auf dem Teller

Im Durchschnitt vertilgen Bundesbürger in ihrem Leben 1094 Tiere, darunter Rinder, Schweine, Schafe und Hühner und Gänse. Pro Jahr ist das ein Verzehr von 60 Kilogramm pro Kopf, etwa doppelt so viel wie in Entwicklungs- und Schwellenländern.

Qualzucht lässt die Knochen brechen

Doch warum werden Rinder mit Soja gefüttert und nicht mit Heu? Kraftfutter - also Mais, Soja und Getreide - ist deutlich energiereicher als Gras, der Profit ist nach Aussage von Experten also höher, wenn Kraftfutter aus Soja und Mais gegeben wird. "Ohne Ernährung mit Kraftfutter und die Gabe von Medikamenten können die angepeilte Gewichtszunahme, Milch oder Eierleistung nicht erreicht werden."

Inzwischen gebe es sogar Zuchtlinien, die speziell für die Massentierhaltung entwickelt wurden. Oft komme es zur Qualzucht. Davon spricht man, wenn beispielsweise das Wachstum der Knochen mit dem der Muskeln nicht mithalten kann, sich die Gelenke entzünden und die Knochen brechen. Auch gebären "moderne" Sauen mit 30 Ferkeln mehr als doppelt so viele Nachkommen im Jahr wie Wildschweine - und leiden regelmäßig unter Gebärmutter- und Gesäugeentzündungen.

Warum deutsche Schweine den Regenwald bedrohen
M. Pieper, ARD Berlin
10.01.2013 12:56 Uhr

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Hühner können wegen Riesenbrustmuskeln nicht mehr laufen

Fleisch liegt in einer Auslage einer Fleischtheke (Bildquelle: dapd)
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85 Prozent aller Deutschen essen täglich Fleisch.

Hähnchen und Puten werden vielfach derart große Brustmuskeln angezüchtet, dass die künftigen, gut zu verkaufenden Schnitzel ein Drittel des Körpergewichts ausmachen. Viele Tiere sind mit dieser Oberweite gerade noch in der Lage, zu fressen und zu trinken. "Laufen, Flattern, Scharren oder Staubbaden enden dagegen oft schon in einem hilflosen Versuch, zumal die Beingelenke unterhalb des rasant zunehmenden Fleischkörpers schmerzen", heißt es in dem Atlas.

In der Geflügelproduktion hat sich offenbar jedoch auch einiges zum Positiven verändert. Seit in Deutschland per Stempelcode auf dem Ei ersichtlich ist, woher es stammt, sei der Anteil der Käfig-Eier von rund 60 auf nur noch fünf Prozent gesunken.

In Deutschland kommen oft Antibiotika zum Einsatz

Der Fleischatlas zeigt aber auch, dass bis zu zwei Drittel der Masthähnchen in Massentierhaltungsanlagen gegenüber bestimmten Antibiotika Resistenzen ausbilden, die auch für Menschen gefährlich sein können. Im weltweiten Ranking liegt Deutschland mit geschätzt etwa 170 Milligramm eingesetzten Antibiotika pro Kilo erzeugtem Fleisch auf einem der vorderen Plätze. Europaweit sterben im Jahr rund 25.000 Menschen aufgrund von Antibiotika-Resistenzen.

Dieser Beitrag lief am 10. Januar 2013 um 15:20 Uhr auf NDR Info.

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