Logo und Schrift des Bundeskriminalamtes auf einer Wand mit Schattenwurf | Bildquelle: dpa

Schlag gegen Firmenbetrüger "Chef-Masche" bringt Firmen um Millionen

Stand: 18.12.2017 15:09 Uhr

Sie geben sich als Chefs aus und bewegen Angestellte dazu, hohe Summen zu überweisen - mit diesem "Enkeltrick de luxe" brachten Betrüger Firmen um Millionen. Doch die Masche flog auf. Sechs Verdächtige wurden in diesem Jahr festgenommen.

Mit einer "Chef-Masche" ist es internationalen Betrügern gelungen, Unternehmen um Millionen zu bringen. Doch das Bundeskriminalamt kam den Tätern auf die Spur. Nach gemeinsamen Ermittlungen mit anderen Behörden seien in diesem Jahr in Israel sechs Verdächtige festgenommen worden, sagte die Leiterin der Abteilung "Schwere und organisierte Kriminalität", Sabine Vogt, in Wiesbaden.

Bei der "Chef-Masche" rufen Täter meist in der Buchhaltung von Firmen an und geben vor, der Geschäftsführer zu sein. Um authentisch zu wirken, informieren sie sich zuvor über öffentlich zugängliche Quellen über die Unternehmen und deren Chefs. Mit geschickten Lügen und technischen Tricks bringen sie Angestellte dann beispielsweise dazu, Firmengeld ins Ausland zu überweisen. Die Beute landet meist auf chinesischen Konten und verschwindet.

Phänomen seit mehr als drei Jahren bekannt

Die festgenommenen Verdächtigen sollen für einen Schaden von 175 Millionen Euro verantwortlich sein. Die Verdächtigen haben laut dem BKA überwiegend die französische und die israelische Staatsbürgerschaft. Tatort sei ein Apartment in Tel Aviv gewesen.

Das international unter dem Namen "CEO fraud" bekannte Phänomen falle der Polizei seit drei bis vier Jahren verstärkt auf, sagte BKA-Vize-Präsident Peter Henzler. Er schätzt den Schaden auf bis zu eine Milliarde Euro, bei einer allerdings hohen Dunkelziffer.

"Gehobene Art des Enkeltricks"

Nach der Festnahme hätten 26 Millionen Euro der Beute wieder zurücküberwiesen werden können. Im Visier der Betrüger seien oft Mittelständler, sagte Henzler. Ein erfolgreicher Betrug um einen zweistelligen Millionenbetrag könne eine solche Firma an die Grenze ihres wirtschaftlichen Bestandes führen.

Der BKA-Sachgebietsleiter für Wirtschaftskriminalität, Holger Kriegeskorte, sagte: "Das ist gehobene Art des Enkeltricks." Oft schärften die angeblichen Chefs den Angestellten in der Finanzabteilung ein, mit niemandem über die Überweisung zu sprechen, da alles streng geheim sei, erläuterte Kriegeskorte. Bei einer High-Tech-Firma in Südhessen habe ein Mitarbeiter kurz vor der Transaktion doch noch einen Kollegen eingeweiht - und der Schwindel flog auf.

Das BKA arbeitete bei den Ermittlungen zu den Festnahmen in Tel Aviv unter anderem mit den Landeskriminalämtern aus sieben Bundesländern, dem österreichischen Bundeskriminalamt und der israelischen Polizei zusammen.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 18. Dezember 2017 um 15:35 Uhr.

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