In Malmedy wird an einem Riesen-Omlette gerührt | Bildquelle: AP

Fipronil-Skandal Ministerielles Rumgeeier

Stand: 16.08.2017 14:24 Uhr

Zehn Millionen? Zwölf Millionen? Oder sogar ein Vielfaches mehr? Im Fipronil-Skandal gibt es immer wieder neue Zahlen über möglicherweise belastete Eier. Dahinter steckt auch ein Streit zwischen Ministern.

Seit Ende Juli vergeht kaum ein Tag ohne Meldungen über Eier, die mit dem Insektizid Fipronil belastet sind. Immer größer wird die Zahl der nach Deutschland gelieferten und hierzulande aus dem Verkehr gezogenen Eier, immer mehr Staaten sind betroffen. Entsprechend verschärft sich der politische Streit um Ursachen und Versäumnisse.

Die jüngste Meldung der "Osnabrücker Zeitung", allein nach Niedersachsen seien 28,1 Millionen möglicherweise belastete Eier geliefert worden, toppte der niedersächsische Landwirtschaftsminister Christian Meyer noch. Er sagte im Landtag, dass nach Niedersachsen 35,3 Millionen Eier geliefert worden seien.

Aus Niedersachsen selbst seien 17 Millionen Fipronil-Eier nach außerhalb geliefert worden. Das umfasse sowohl Chargen aus den Verdachtsbetrieben in den Niederlanden als auch aus den insgesamt vier Legehennenbetrieben in dem Bundesland, in denen Fipronil nachgewiesen worden sei.

Einfach mal Daten durchrechnen?

Das niedersächsische Landwirtschaftsministerium lieferte der Zeitung eine Bewertung gleich mit. Die Zahl sei "erschreckend hoch", sagte Landwirtschaftsminister Christian Meyer dem Blatt. Und er griff die Bundesregierung an - diese hätte in das Schnellwarnsystem "auch selbst reinschauen können".

Übersetzt: Bundesagrarminister Christian Schmidt hat nicht schnell und nicht umfassend genug gehandelt. Dessen Ministerium hatte zuletzt von 10,7 Millionen Eiern gesprochen, die aus den Niederlanden nach Deutschland geliefert worden und "möglicherweise" mit Fipronil belastet seien.

Schnell auf politischer Ebene

Der Streit zwischen dem grünen Landesminister und dem christsozialen Bundesminister durchzieht die Aufarbeitung des Skandals nahezu von Anfang an.

Zunächst attestierte Meyer Schmidt eine zögerliche Reaktion auf die Forderung, Fipronil in das bundesweite Rückstandsmonitoring für Lebensmittelkontrollen aufzunehmen. Unterstützt wurde er dabei von der Grünen-Fraktionschefin im Bundestag, Katrin Göring-Eckardt, die Schmidt vorhielt, er sei nach Bekanntwerden des Skandals "tagelang in der Versenkung verschwunden".

Dass nun immer höhere Zahlen möglicherweise belasteter Eier aufkommen, bezeichnet Göring-Eckardt als "Armutszeugnis" für Schmidts Informationspolitik - mit dem Ergebnis, dass sich die Verbraucher von der Regierungskoalition alleingelassen fühlten. Nötig sei, ein engmaschigeres Kontrollnetz in Deutschland und der EU aufzubauen. Außerdem fordert Göring-Eckardt eine EU-Task-Force, um den "illegalen Machenschaften schnell ein Ende zu bereiten".

Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt besucht im Juli 2017 eine Großbrüterei in Großenkneten (NIedersachsen) | Bildquelle: dpa
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Hat er die Sache rechtzeitig genug in die Hand genommen? Bundesminister Schmidt muss sich gegen Vorwürfe wehren.

SPD legt nach

Auch die SPD mahnte an, Schmidt müsse seiner "Pflicht als Minister für den gesundheitlichen Verbraucherschutz nachkommen" und dürfe die Information der Verbraucher nicht Ländern und nachgeordneten Behörden überlassen.

Diesen Vorwurf griff Meyer wenige Tage später auf und konstatierte, Schmidt wolle in Deutschland das Vorgehen in dem Skandal nicht koordinieren.

Wie der Bundesminister reagiert

Schmidts Kritik wiederum richtete sich zunächst gegen die belgischen Behörden, die von der Belastung der Eier früh gewusst hatten und Wochen verstreichen ließen, ehe sie die deutschen Behörden informierten.

In den Clinch mit Meyer stieg Schmidt dann Ende vergangener Woche, als er Niedersachsen in einem Brief eine unzureichende Informationspolitik vorhielt. Meyers Ministerium habe wochenlang Informationen über verseuchte Eier nicht an die zuständigen Kontrollstellen weitergegeben.

Niedersachsens Landwirtschaftsminister Christian Meyer | Bildquelle: dpa
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Bei der Informationsweitervergabe getrödelt? Auch Niedersachsens Minister Meyer steht in der Kritik.

Das Redaktionsnetzwerk Deutschland zitierte am Wochenende aus dem Schreiben, in dem von einer Fipronil belasteten Probe vom 17. Mai die Rede ist, von der der Bund erst Anfang August erfahren habe. Am Montag legte Schmidt über die "Bild"-Zeitung nach und hielt Meyer ein "Ablenkungsmanöver" vor, "um das eigene Versagen im Eier-Skandal zu kaschieren". Ein Vorwurf, den Meyer umgehend gleichlautend retournierte.

Zwei Tage später meldete sich Meyer über die "Neue Osnabrücker Zeitung" zu Wort - mit neuen, deutlich höheren Zahlen.

Ein Rechenexempel

So halten sich die Minister Zahlen und Vorgänge aus dem jeweils anderen Zuständigkeitsbereich vor - hier die aus den Niederlanden gelieferten Eier, dort die Eier, die in den Bundesländern dem Insektizid ausgesetzt wurden.

Dass die Zahl der insgesamt belasteten Eier deutlich im zweistelligen Millionenbereich liegt, war schon früh klar - erst in der vergangenen Woche meldete der niedersächsische Landkreis Vechta, es seien zwölf Millionen belastete Eier aus dem Verkehr gezogen worden. In der Region sind zahlreiche eierproduzierende Betriebe angesiedelt.

So steht zu vermuten, dass es noch weitere Zahlen und Vorwürfe geben wird. Beide Minister stehen im Wahlkampf. Und da sind Meldungen, die ein Grundnahrungsmittel betreffen, überaus unvorteilhaft.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 16. August 2017 um 09:00 Uhr.

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