Bundespräsident Joachim Gauck spricht auf einer Bühne. | Bildquelle: dpa

Festakt zum Tag der Deutschen Einheit "Wir werden unsere Offenheit nicht halten können"

Stand: 03.10.2015 14:09 Uhr

Bundespräsident Gauck sieht Parallelen zwischen der Wiedervereinigung vor 25 Jahren und der Integration von Flüchtlingen heute. Die innere Einheit müsse neu errungen werden, sagte er beim Festakt zum Tag der Deutschen Einheit. Doch die Offenheit Deutschlands habe auch Grenzen.

Der Festakt zum 25. Jahrestag der Deutschen Einheit hat im Zeichen der aktuellen Flüchtlingskrise gestanden. Der Bundesratspräsident und hessische Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) und Bundespräsident Joachim Gauck griffen beide in ihren Reden in der Alten Oper in Frankfurt am Main die Situation der Hunderttausenden Hilfesuchenden in Deutschland auf.

Gauck verglich die Anstrengungen nach der Deutschen Einheit mit den aktuellen Herausforderungen: Anders als damals solle jetzt "zusammenwachsen, was vorher nicht zusammengehörte", sagte der Bundespräsident mit Blick auf die Flüchtlinge. Es müsse ein Weg gefunden werden, um ein "Band zwischen Einheimischen und Neuankömmlingen" herzustellen. Dafür mahnte Gauck zur Geduld. Es brauche Zeit, bis sich die Neuankommenden an eine Gesellschaftsordnung gewöhnen, "die sie nicht selten in Konflikt mit ihren traditionellen Normen bringt". Auch müssten sich Einheimische an ein Land gewöhnen, in dem Vertrautes zuweilen verloren geht.

Gauck zieht Parallelen zwischen Wiedervereinigung und Flüchtlingskrise
tagesschau 20:00 Uhr, 03.10.2015, Jan-Peter Bartels, HR

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"Unsere Möglichkeiten sind endlich"

Zugleich wiederholte der Bundespräsident seine Meinung, Deutschland könne nicht unbegrenzt Asylsuchende aufnehmen: "Unser Herz ist weit, aber unsere Möglichkeiten sind endlich." Tatsache sei, dass Deutschland momentan sehr viel tue, um die aktuelle Notlage zu behaben. Aber: "Wir werden unsere heutige Offenheit nicht halten können, es sei denn, wir entschließen uns zu einer besseren Sicherung der europäischen Außengrenzen", betonte Gauck.

Zur Lösung der Krise sieht Gauck die anderen Staaten der Europäischen Union in der Pflicht. "Noch führt der Druck die europäischen Staaten nicht zusammen", bedauerte er. Aber die vergangenen Wochen hätten in die richtige Richtung gezeigt. "Es kann keine Lösung der Flüchtlingskrise geben, es sei denn, sie ist europäisch", mahnte Gauck.

"Seien Sie herzlich willkommen"

In eine andere Richtung ging die Rede von Bundesratspräsident Bouffier. Er hieß die Flüchtlinge ausdrücklich willkommen: "Das wiedervereinigte Deutschland ist ein weltoffenes und tolerantes Land! [...] Seien Sie herzlich willkommen", sagte er an die Hilfesuchenden gerichtet, von denen auch einige dem Festakt beiwohnten.

Die aktuelle Situation stelle das Land zwar vor große Herausforderungen, "aber wenn wir sie klug gestalten, wird sie uns nicht überfordern".

Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier, Bundeskanzlerin Angela Merkel und Präsident Joachim Gauck sitzen in einem Publikum. | Bildquelle: dpa
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Bouffier: "Das wiedervereingte Deutschland ist ein weltoffenes und tolerantes Land"

Genau wie damals bei der Wiedereinigung könne es auch heute "keinen Masterplan zur Lösung" der Probleme geben, sagte der CDU-Politiker. Entscheidend sei die Überzeugung, "dass wir die Kraft haben, auch außergewöhnliche Situationen packen können".

Dank an die Bürger der DDR

Mit Blick auf die Wiedervereinigung vor 25 Jahren würdigten die beiden Politiker jene deutschen Bürger, die damals für den Wert der Freiheit eingestanden hätten. "Ohne Ihren Mut wäre die Freiheit für ganz Deutschland nicht erkämpft worden", sagte Bouffier. Ähnlich äußerte sich Bundespräsident Gauck: "Wir wären heute nich hier, wenn Sie damals nicht aufgestanden wären", sagte er.

Der Prozess der Wiedervereinigung sei schwierig gewesen, blickte Gauck zurück. Insbesondere für die Ostdeutschen habe sich durch die Einheit vieles verändert - die Menschen hätten erst lernen müssen, sich in einer Demokratie zurechtzufinden: "Es galt jahrzehntelange Selbstentfremdung zu überwinden - möglichst alles im Zeitraffer", sagte Gauck. Daher danke er allen, die sich in diesen schwierigen Zeiten für die Einheit Deutschlands stark gemacht hätten.

Der Festakt in der Alten Oper war der Höhepunkt der zentralen Feierlichkeiten zum Jubiläum des Tages der Deutschen Einheit. Die deutsche Einheit wurde am 3. Oktober 1990, also vor genau 25 Jahren, mit dem Beitritt der DDR zur Bundesrepublik Deutschland vollzogen.

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