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22.03.2010

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FDP
Von der Opposition in die Regierung - das Jahr der FDP
2009 - das Jahr der FDP

Von der Opposition in die Regierung

2009 war das Jahr der FDP: Rekordergebnis bei der Bundestagswahl, in der Wunschkoalition gelandet und Schlüsselministerien samt "Vizekanzleramt" erobert. Mit neuen Gesichtern versucht Parteichef Westerwelle die FDP nun zu verjüngen - doch kann diese mehr als Opposition?

Von Kerstin Lohse, RBB, ARD-Hauptstadtstudio

An seinen ersten öffentlichen Auftritt am Tag Eins nach der Bundestagswahl wird Guido Westerwelle wohl noch oft erinnert werden. Müde nach durchfeierter Wahlnacht bürstete er einen britischen Journalisten barsch ab, der ihn auf Englisch um ein Statement gebeten hatte. "So wie es in Großbritannien üblich ist, dass man dort selbstverständlich englisch spricht, so ist es in Deutschland üblich, dass man hier deutsch spricht", so Westerwelle.

Westerwelle auf einer Pressekonferenz (Foto: dpa) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: "Wir sind hier in Deutschland" - Bei seiner ersten Pressekonferenz nach dem Wahlsieg weigert sich Westerwelle eine Frage auf Englisch zu beantworten. ]
Kaum eine Pressekonferenz ist seitdem vergangen, bei der Westerwelle nicht selbst Bezug nahm auf diesen Zwischenfall. Meist etwas ungeschickt. Die Selbstironie ist ihm offensichtlich auf dem Weg vom lauten Wahlkämpfer zum Staatsmann irgendwo verloren gegangen. Ansonsten aber ist der Vizekanzler und Außenminister kaum wiederzuerkennen: Bescheiden und zurückhaltend übernahm er den Stab im Auswärtigen Amt von seinem Vorgänger Frank-Walter Steinmeier: "Ich freue mich auf diese Aufgabe. Und ich verschweige nicht, ich habe auch Respekt vor dieser Aufgabe", sagt Westerwelle.

Westerwelle - die ersten Reisen mit Bravour gemeistert

Seine ersten Auslandsreisen nach Warschau, in die Beneluxstaaten, nach Paris, Washington und Jerusalem meisterte er mit Bravour. Fand stets die richtigen Worte, hörte zu und zeigte die passenden Gesten, so auch, als er sich in der Holocaust-Gedenkstätte Jad Vaschem mit Charlotte Knobloch spontan umarmte. Westerwelle ließ aber auch zutiefst Menschliches erkennen, als er wie ein kleiner Junge in Paris über den goldgeschmückten Saal am Quai d’Orsay staunte oder sich über die freundlichen Gesten seiner politischen Gesprächspartner freute, als sei er überzeugt davon, Freunde fürs Leben gefunden zu haben.

Doch man unterschätzt Westerwelle, wenn man meinte, ihm gehe es allein um Harmonie. In der Auseinandersetzung um Erika Steinbach bewies er Standhaftigkeit. "Ich bin als Außenminister verantwortlich dafür, dass wir an unseren guten Beziehungen zu unseren Nachbarländern arbeiten. Und deswegen kann ich als Außenminister keine Entscheidungen treffen, die diesem Versöhnungsgedanken entgegenstehen", begründet Westerwelle seine Haltung.

Lindner - Generalsekretärs-Posten gefährlich lange unbesetzt

FDP-Politiker Christian Lindner (Foto: AP) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Steiler Aufstieg in der FDP: Christian Lindner ]
Und was macht seine Partei im fernen Berlin? Für ihre Anliegen hatte Westerwelle in den vergangenen Wochen kaum ein Ohr. Die Position des Generalsekretärs ließ er gefährlich lange vakant, so meinen Parteifreunde. Erst Mitte Dezember entschied er sich für den 30-jährigen Christian Lindner aus NRW und setzt damit die Verjüngung seiner Partei fort. Lindner sei nicht nur klug, sondern auch weitsichtig. "Ich halte ihn für eines der größten jungen Talente der FDP", schwärmt Westerwelle.

Ein solches Talent braucht der FDP-Chef dringend. Denn Lindner muss von nun an nicht nur die Partei zusammenhalten, sondern auch als eigenständige Kraft in der Koalition positionieren. Nichts ist größer als die Angst der FDP, von Merkel so an die Wand gespielt zu werden wie zuvor die SPD. Zu Lindners ersten Aufgaben wird es zählen, ein neues Grundsatzprogramm zu erarbeiten: "Es ist mein persönliches Anliegen, die Partei als Denkfabrik der liberalen Familie zu positionieren", so Lindner.

Niebel - "Terminator der Entwicklungspolitik"

FDP-Generalsekretär Dirk Niebel (Foto: dpa) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: "General" wird Minister: Dirk Niebel. ]
Lindners enger Parteifreund, der 36-jährige Philip Rösler, dessen Ernennung zu den Überraschungen dieses Herbstes zählte, erntete in den vergangenen Wochen trotz des Impfchaos' viele Sympathien. Sein Kabinettskollege Dirk Niebel dagegen wurde gleich in den ersten Tagen seiner Amtszeit seinem Spitznamen "Terminator der Entwicklungspolitik" gerecht. "Entwicklungshilfe für China werde es künftig nicht mehr geben", polterte der bisherige FDP-Generalsekretär - noch bevor er auch nur sein Ministerium in Bonn von innen gesehen hatte. Das war einer dieser Tage, an denen man den Eindruck gewann, die einzigen, die noch nicht begriffen haben, dass die FDP jetzt an der Regierung ist, sind die Liberalen selbst.

Stand: 22.12.2009 13:21 Uhr
 

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