FDP-Europaparteitag: Lindner will sich von AfD abgrenzen

FDP-Parteichef Christian-Lindnder (Bildquelle: dpa)

Europaparteitag der FDP

Laut ja, schrill nein

Die FDP will sich mit einem deutlichen Zeichen auf der politischen Bühne zurückmelden: Bei der Europawahl sollen es nicht nur Vier-Komma-Irgendwas sein. Parteichef Lindner setzt auf laute, aber nicht auf schrille Töne - vor allem in Abgrenzung zur AfD. Am Vormittag sind die Liberalen zu ihrem Europaparteitag zusammengekommen.

Von Daniel Bauer, HR, ARD-Hauptstadtstudio

Der neue Chefliberale Christian Lindner kennt zurzeit eigentlich nur ein Thema: In Interviews oder beim Dreikönigstreffen vor zwei Wochen in Stuttgart geht um es vor allem um Europa. Und Europa ist für Lindner "mehr als eine Freihandelszone oder eine Zweckgemeinschaft. Europa ist eine Wertegemeinschaft. Europa braucht mehr Realismus und Bürgernähe. Wir als Liberale wissen: Bei den strategischen Fragen ist Europa nicht Teil des Problems, sondern Teil der Lösung."

Europaparteitag der FDP
D. Bauer, ARD Berlin
17.01.2014 19:24 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Wahl soll Stolz zurückgeben

Und dass Lindner gerade so viel von Europa spricht, ist nicht verwunderlich. Die Wahl im Mai soll den Liberalen schließlich nicht weniger als ihren Stolz zurückgeben. Den hat man ja im September schmerzlich verloren. Lange traute sich kein Spitzenliberaler, eine Zahl laut zu sagen. Parteivize Wolfgang Kubicki hat es dann doch gemacht: Mehr als fünf Prozent sollten es schon sein. Nicht mehr diese grausamen Vier-Komma-Irgendwas.

Wolfgang Kubicki und Christian Lindner (FDP) (Bildquelle: dpa)
galerie

Du zuerst: Wolfgang Kubicki und Christian Lindner wollen die FDP bei der Europawahl wieder nach vorne bringen.

"Deutschland alleine hat kein Gewicht"

Der designierte Spitzenkandidat für Europa sitzt heute schon in Brüssel. Alexander Graf Lambsdorff ist der Chef der FDP-Gruppe im Europaparlament. Und auch er wird nicht müde zu betonen, wie sehr Deutschland Europa braucht. Zum Beispiel gegen die Spione aus Washington. "Es zeigt sich ganz deutlich, dass Deutschland im internationalen Konzert der Mächte nicht das Gewicht hat, um allein gegen Washington Interessen durchzusetzen", sagt Lambsdorff. Diese Dinge funktionierten nur dann, "wenn man das gesamte Gewicht der Europäischen Union in die Waagschale bringt".

Und weil der Neffe von Otto Graf Lambsdorff zwar einen bekannten Namen hat, aber noch kein so bekanntes Gesicht, werden auch Lindner und Kubicki fleißig Wahlkampf machen. Laut, aber eben nicht schrill. Bloß weg vom Image der Klientel- und Spaßpartei. Ein klares Ja zu Europa und zum Euro gehören dazu. Aber auch die Forderung nach weniger Bürokratie in Brüssel und mehr Rechten für die Einzelstaaten.

Länder sollen auch aus dem Euro austreten dürfen, wenn sie wollen. Mit dem betont staatstragenden Kurs will man sich natürlich auch abgrenzen vom mutmaßlichen Hauptkonkurrenten AfD.

Nicht die populistische Karte ziehen

Und obwohl jeder weiß, dass die Leute bei Europawahlen gerne mal aus Protest wählen - das Populismus-Spiel will Lindner nicht mitmachen: "Das ist der Nährboden, das ist das Konjunkturprogramm für die Bauernfängerparteien wie UKIP in Großbritannien oder Le Pen in Frankreich oder AfD in Deutschland."

Die angesprochene AfD stellte vor kurzem medienwirksam Ex-Industriepräsident Hans-Olaf Henkel als Mitglied vor. Aber für solche Fälle hat die FDP ja einen Kubicki. Er hat die Personalie mit den Worten kommentiert: Wenn jemals der Satz gegolten habe, wir schicken unseren Opa nach Europa, dann wohl für Henkel.

Soll bloß niemand sagen, die Liberalen seien nicht mehr angriffslustig.

Mehr zum Thema heute um 20:00 Uhr in der tagesschau.

Stand: 19.01.2014 12:58 Uhr

Darstellung: