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Dreikönigstreffen der Liberalen
Röslers blutleerer Auftritt in Stuttgart
FDP-Parteichef Rösler hat seine Chance ungenutzt verstreichen lassen. Auf dem Dreikönigstreffen der Liberalen hielt er eine leidenschaftslose Rede - und ließ sich von Fraktionschef Brüderle die Schau stehlen. Der überzog dann auch noch gnadenlos seine Redezeit - auf Röslers Kosten.
Von Kerstin Lohse, RBB, ARD-Hauptstadtstudio
Eines vorneweg: Philipp Rösler ist noch Parteichef. Noch. Denn die Art und Weise, wie sich die Liberalen bei ihrem Dreikönigstreffen in Stuttgart präsentierten, lässt vermuten, dass seine Partei ihn nicht mehr lange trägt.
Niebel fordert Röslers Ablösung...
Bundesentwicklungsminister Dirk Niebel, der bereits in den vergangenen Wochen immer wieder Röslers Schlagkraft als Spitzenkandidat in Zweifel gezogen hatte, machte klar: Er meint es ernst. "Es zerreißt mich innerlich, wenn ich den Zustand meiner Partei sehe", sagte er in seiner Rede. Niebel will eine Entscheidung darüber, wer die FDP in den Bundestagswahlkampf führt - möglichst noch vor der Wahl in Niedersachsen am 20. Januar. Seiner Ansicht nach spielt die FDP momentan nicht in der besten Aufstellung. Die für den Parteitag in Mai geplante Neuwahl der Führungsspitze komme zu spät.
...und der Parteichef reagiert verhalten
Parteichef Rösler, der zuvor noch angekündigt hatte, er wolle sich der Kritik aus den eigenen Reihen stellen, bezog erst ganz am Ende seiner endlos wirkenden Rede Position: "Glaubwürdigkeit ist immer auch eine Frage des Stils, der Fairness, der Solidarität", sagte Rösler. Das Treffen müsse signalisieren, "dass wir gemeinsam bereit sind zu kämpfen".
Vor dem Wahlabend in Niedersachsen entscheidet Rösler also gar nichts, lautet die Devise. Nach vorne schauen und Ruhe bewahren, heißt sein neues, altes Rezept gegen das Umfragetief. Und wie einst sein Vorgänger Guido Westerwelle malte er das Schreckgespenst einer rot-grünen Regierung an die Wand. Auf die Grünen, die sich mitunter als liberale Partei bezeichnen, hatte er es dabei besonders abgesehen, denn sie bedrohten mit ihrem Hang zu immer mehr Staat, zu immer mehr Gesetzen und Verboten die Freiheit. Eine kämpferische Rede aber war es nicht. Blutleer und wie aus der Zeit gefallen wirkte Röslers Manuskript, auch wenn er es frei vortrug.
R. Becker (ARD) zur Kritik an der FDP-Spitze
tagesschau 12:00 Uhr, 07.01.2013
Eigentlich kann Rösler auch anders
Dass er eigentlich auch anders kann, ließ er nur wenige Male durchblicken, beispielsweise als einige Vertreter der Stuttgarter Grünen Jugend von der obersten Loge des Stuttgarter Staatstheaters Flugblätter nach unten segeln ließen und ein Transparent mit der Aufschrift entrollten: Der Countdown läuft. Auf die Minute hatten sie ausgerechnet, wie lange die FDP noch in der Bundesregierung sei. "Ihr dürft Papier nicht einfach so wegwerfen, das wird gesammelt", machte Rösler sich lustig und bekam Beifall.
Brüderle überzieht Redezeit - auf Röslers Kosten
Den größten Applaus aber erhielt Fraktionschef Rainer Brüderle. Dem hatte Rösler - vermutlich wider Willen - einen Platz auf der Rednerliste eingeräumt. Und Brüderle wusste seinen Auftritt zu nutzen, hauchte seiner Partei, der er bald 40 Jahre angehört, neuen Mut ein. Rund eine halbe Stunde sprach der Mann, den einer Umfrage zufolge zwei Drittel der FDP-Wähler viel lieber als Parteivorsitzenden sehen würden. Damit war klar, Röslers Rede würde nur noch zur Hälfte im Fernsehen übertragen, denn Punkt 13.00 Uhr stiegen die Fernsehsender aus. Brüderle aber hatte vielleicht ohnehin das bessere Schlusswort: "Auf in den Kampf, Ihr Freiheitskämpferinnen und Freiheitskämpfer, für Deutschland, für die Freiheit, für die freien Demokraten!"
Unions-Politiker kritisieren Führungsstreit in der FDP
tagesschau 17:00 Uhr, 07.01.2013, Markus Spieker, ARD Berlin
Stand: 06.01.2013 19:10 Uhr
