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Kommentar
FDP-Dreikönigstreffen
Rösler hat aufgegeben
Von Peter Mücke, NDR, ARD-Hauptstadtstudio, zzt. Stuttgart
Eines steht fest: Über dieses Dreikönigstreffen wird man noch lange reden. Wenn sich die FDP am Fest der Erscheinung des Herrn in Stuttgart trifft, dann feiert die Partei so etwas wie das Hochamt der Liberalismus - und vor allem sich selbst. Dann geht es darum, die eigenen Leistungen zu würdigen, wohlwollend auf die gemeinsame Geschichte zu blicken - und geschlossen in das kommende Jahr zu gehen.
In diesem Jahr sollte es außerdem noch ein Befreiungsschlag werden. Es sollten noch einmal alle Kräfte mobilisiert werden für den Landtagswahlkampf in Niedersachsen. Es sollte zeigen, dass die FDP noch gemeinsam kämpfen kann, statt nur öffentlich übereinander herzuziehen. Ruhe bis nach dem 20. Januar - das war die Losung, die ausgegeben worden war.
Und dann das!
Da stellt sich Entwicklungshilfeminister Dirk Niebel auf die Bühne und fordert nichts weniger, als den Parteichef möglichst schnell abzuservieren - am besten noch vor der Landtagswahl in Niedersachsen. Und keiner widerspricht ihm. Da stellt sich Fraktionschef Rainer Brüderle hin, lobt minutenlang jeden Minister im Bundeskabinett - außer Philipp Rösler, für den er nur einen Satz übrig hat. Er lässt sich feiern wie der Messias - und überzieht dreist seine Redezeit.
Rösler hat resigniert
P. Mücke, NDR
06.01.2013 21:30 Uhr
Rösler fügt sich, sitzt daneben und wartet artig
Und der Parteivorsitzende Rösler? Der fügt sich in sein Schicksal. Sitzt daneben, als Niebel seinen Kopf fordert. Wartet artig, bis der Saal den Heilsbringer Brüderle ausgiebig gefeiert hat. Und hält dann eine Rede, als wäre nichts gewesen. Eine Rede über den Liberalismus, über das Selbstverständnis der FDP und die Freiheit. Eine Dreikönigsrede halt. Nur, dass sich die anderen eben nicht an die Spielregeln des Treffens gehalten haben.
Dass die Partei Rösler nicht mehr will, war schon länger klar. Heute ist deutlich geworden, dass auch Rösler keine Lust mehr hat. Wenn er bislang vielleicht noch eine Ecke in der Hand hielt, heute ist ihm das Heft des Handels entrissen worden. Gekämpft hat er nicht mehr. Er hat die Bühne freigemacht für denjenigen, der sich und den offenbar auch die Partei für den Retter hält: Rainer Brüderle.
Lindner ist der Mann der Zukunft
Wie sich der bald 68 Jahre alte Fraktionschef die neue Parteispitze vorstellt, hat er auch schon andeutet. Ausdrücklich lobte er Christian Lindner, den nordrhein-westfälischen Landesvorsitzenden, der sich in Stuttgart im Hintergrund hielt. Dieser ist der Mann der Zukunft - Brüderle der für den Übergang. Vielleicht lassen sie Rösler noch das Amt des Wirtschaftsministers - mehr aber auch nicht.
Es hatte schon etwas Verzweifeltes, dass Rösler am Ende seiner Rede mehr Stil und Fairness forderte, so wie die Partei in den vergangenen Monaten und auch beim Dreikönigstreffen ihm umgegangen ist. Vielleicht ist es die Hoffnung, dass jetzt wenigstens der Machtwechsel etwas niveauvoller über die Bühne geht.
Stand: 06.01.2013 16:21 Uhr
