Influenza-A-Viren | Bildquelle: picture alliance / dpa

Fragen und Antworten Was bringt der Vierfach-Impfstoff?

Stand: 05.04.2018 13:50 Uhr

Der Vierfach-Impfstoff gegen Grippe wird für Kassenpatienten Standard. Was bedeutet das für die Patienten? Was bringt der Wirkstoff mit dem größeren Spektrum?

Von Martin Mair, ARD-Hauptstadtstudio

Was bringt der neue Impfstoff?

Der neue Vierfach-Impfstoff wirkt gegen mehr Virenstämme als die Impfung, die bislang standardmäßig verwendet wurde. Während der Grippewelle zirkulieren in der Regel verschiedene Virusvarianten, weshalb der Impfstoff jedes Jahr neu produziert werden muss. Wie er zusammengesetzt sein soll, empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation WHO. Sie riet bislang zu einem Mix, der gegen drei Virenstämme wirkt. Seit einigen Jahren gibt es auch eine Impfung, die vor einer weiteren Virusart schützt. In diesem Jahr erkrankten in Deutschland überraschend viele Menschen genau daran - die übliche Grippeiumpfung half schlechter als erwartet. Deshalb hat der gemeinsame Bundesausschuss, das höchste Gremium der Selbstverwaltung im Gesundheitssystem, jetzt beschlossen: Künftig soll die Vierfach-Impfung zum Standard werden.

Was bedeutet das für Patienten?

In Zukunft bezahlen alle Krankenkassen den Vierfach-Wirkstoff, der etwas teurer ist als die bisher gängige Dreifach-Impfung. Bislang war das bei den gesetzlichen Krankenkassen unterschiedlich geregelt. Privatpatienten dagegen wurden bereits in der Vergangenheit mit dem Vierfach-Wirkstoff geimpft. Das sorgte für heftige Diskussionen. Experten sehen darin aber keinen Beleg für eine Zwei-Klassen-Medizin. Die ständige Impfkommission beim Robert-Koch-Institut hatte bislang keine Belege, dass der teurere Impfstoff tatsächlich wesentlich besser hilft. Bezahlen dürfen die gesetzlichen Kassen aber nur, wenn die medizinische Wirkung bewiesen ist. Nach neuen Erkenntnissen ist das nun der Fall - der Vierfach-Impfstoff wird deshalb jetzt zum Standard.

Wenn ich schon geimpft bin - muss ich das jetzt wiederholen?

In der Regel nicht. Die Experten der ständigen Impfkommission raten sogar davon ab, weil unklar ist, ob es nach der Zweitimpfung vermehrt zu Nebenwirkungen kommt. Nur bei wenigen Hoch-Risikopatienten müsse darüber mit dem behandelnden Arzt gesprochen werden. Übrigens: Die Grippewelle ist weitgehend abgeebbt. In dieser Saison erkrankten mindestens 300.000 Deutsche an einer echten Grippe, fast 1000 starben an den Folgen.

Für wen ist die Grippeimpfung wichtig?

Empfohlen wird die Spritze nicht für alle, sondern für so genannte Risikogruppen. Dazu zählen alle über 60 Jahre, Bewohner von Alten- und Pflegeheimen sowie Schwangere. Zusätzlich raten die Impfexperten auch chronisch Kranken oder Patienten mit einer Immunschwäche zur Impfung. Und: Wer viel mit anderen Menschen in Kontakt kommt, sollte sich ebenfalls schützen. Ab kommendem Herbst ist das für die nächste Grippesaison möglich.

Wie gut schützt die Grippeimpfung?

Die Zahlen gehen auseinander. Tendenziell hilft die Grippeimpfung bei jüngeren Menschen besser als bei älteren. Bei ihnen arbeitet das Immunsystem weniger effektiv. Trotzdem empfehlen Experten gerade Senioren die Grippeimpfung. Denn oft ist der Verlauf der Krankheit dann weniger schlimm. Einen hundertprozentigen Schutz aber gibt es nicht. Es kann passieren, dass sich plötzlich ein anderes Virus ausbreitet als die WHO angenommen hat. Denn der Impfstoff für die kommende Grippesaison muss bereits in den nächsten Monaten produziert werden.

Über dieses Thema berichtete MDR aktuell am 05. April 2018 um 13:06 Uhr.

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