Flüchtlingskinder tragen Verpflegung bei ihrer Ankunft in Griechenland. | Bildquelle: AFP

Familiennachzug Gebremst umgesetzt

Stand: 07.10.2017 11:39 Uhr

Das Recht von Flüchtlingen in Deutschland, ihre in Griechenland festsitzende engste Familie nachzuholen, wird nur sehr gebremst umgesetzt. Nur 6,5 Prozent derjenigen, denen eine Weiterreise zugesagt wurde, dürfen die Reise tatsächlich antreten.

Der Familiennachzug von Flüchtlingen, die in Deutschland anerkannt wurden, wird vom Bundesinnenministerium stark gedrosselt. Das berichtet die "Neue Osnabrücker Zeitung". Die Zeitung beruft sich auf die Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Linksfraktion. Von Januar bis September dieses Jahres hätten zwar fast 4950 - überwiegend syrische - Flüchtlinge eine Zusage des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge zur Weiterreise nach Deutschland erhalten, es seien dann aber nur 322 Personen ins Land gelassen worden. Das sind 6,5 Prozent.

Anerkannte Flüchtlinge dürfen Familie nachholen

Bei dieser Art von Familienzusammenführung geht es nicht um den Familiennachzug aus den Herkunftsländern, der für Flüchtlinge mit eingeschränktem Schutz noch bis März 2018 ausgesetzt ist. Im Gegensatz zu dieser Regelung haben nach der Dublin-Verordnung anerkannte Flüchtlinge Anspruch, innerhalb von sechs Monaten jene Angehörigen nachzuholen, die in einem anderen Dublin-Mitgliedsland - in der Regel Griechenland - untergekommen sind. Der Zeitung zufolge geht es zu zwei Dritteln um Syrer, aber auch um viele Afghanen und Iraker.

Das Bundesinnenministerium begründete dies dem Bericht zufolge mit dem großen logistischen Koordinierungsaufwand in Griechenland. Zudem müssten auch Bund und Länder die Aufnahme, Betreuung und Unterbringung stemmen können, da die Kapazitäten begrenzt seien. Daher habe Deutschland sich mit Griechenland über die Anzahl der zu überstellenden Personen abgestimmt. Dass es eine zahlenmäßige Beschränkung gibt, bestätigte das Ministerium nicht. Ähnlich hatte die Bundesregierung auch schon in entsprechenden Gerichtsverfahren von betroffenen Flüchtlingen argumentiert.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 18. Juli 2017 um 09:18 Uhr.

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