Flüchtlinge kommen in Grenzdurchgangslager Friedland an | Bildquelle: picture alliance / Swen Pförtne

Studie zu Flüchtlingen Wenige Familien, wenig Nachzug

Stand: 19.10.2017 10:30 Uhr

Eine neue Studie rechnet nach Informationen des ARD-Hauptstadtstudios vor, dass weit weniger Menschen den Familiennachzug in Anspruch nehmen könnten als oft angenommen. Das liegt vor allem an der Alters- und Familienstruktur der Flüchtlinge.

Von Marie von Mallinckrodt, ARD-Hauptstadtstudio

Es ist einer der Hauptknackpunkte bei den Jamaika-Verhandlungen: die Aussetzung des Familiennachzugs für Bürgerkriegsflüchtlinge, sogenannte "subsidiär Geschützte". Eine neue Studie rechnet nach Informationen des ARD-Hauptstadtstudios mit deutlich geringeren Nachzugszahlen als oft angenommen.

Bundesinnenminister Thomas de Maizière hatte im November 2015 noch von einer zwei- bis dreifachen Erhöhung der Flüchtlingszahlen durch den Familiennachzug gesprochen. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge sprach im Herbst 2015 in einer internen Einschätzung von einem Faktor von 0,9 bis 1,2 Nachzügen pro anerkanntem Flüchtling. Nach Informationen des ARD-Hauptstadtstudios kommt das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) auf andere, deutlich geringere Zahlen.

Vor der Bundestagswahl, Ende August, sprach de Maizière noch von "gewaltigen" Zahlen, mit denen beim Familiennachzug zu rechnen sei. "Wir schätzen auf jeden Flüchtling einen, der über Familiennachzug kommen wird", sagte der CDU-Politiker. Bei den Syrern liegt laut der IAB-Studie der Anteil der Nachzugsberechtigten etwas höher als im Durchschnitt, bei 0,34 pro Geflüchtetem.

IAB-Studie zum Familiennachzug von Flüchtlingen
tagesschau 20:00 Uhr, 19.10.2017, Marie von Mallinckrodt, ARD Berlin

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Video einbetten

Nutzungsbedingungen Embedding Tagesschau: Durch Anklicken des Punktes „Einverstanden“ erkennt der Nutzer die vorliegenden AGB an. Damit wird dem Nutzer die Möglichkeit eingeräumt, unentgeltlich und nicht-exklusiv die Nutzung des tagesschau.de Video Players zum Embedding im eigenen Angebot. Der Nutzer erkennt ausdrücklich die freie redaktionelle Verantwortung für die bereitgestellten Inhalte der Tagesschau an und wird diese daher unverändert und in voller Länge nur im Rahmen der beantragten Nutzung verwenden. Der Nutzer darf insbesondere das Logo des NDR und der Tageschau im NDR Video Player nicht verändern. Darüber hinaus bedarf die Nutzung von Logos, Marken oder sonstigen Zeichen des NDR der vorherigen Zustimmung durch den NDR.
Der Nutzer garantiert, dass das überlassene Angebot werbefrei abgespielt bzw. dargestellt wird. Sofern der Nutzer Werbung im Umfeld des Videoplayers im eigenen Online-Auftritt präsentiert, ist diese so zu gestalten, dass zwischen dem NDR Video Player und den Werbeaussagen inhaltlich weder unmittelbar noch mittelbar ein Bezug hergestellt werden kann. Insbesondere ist es nicht gestattet, das überlassene Programmangebot durch Werbung zu unterbrechen oder sonstige online-typische Werbeformen zu verwenden, etwa durch Pre-Roll- oder Post-Roll-Darstellungen, Splitscreen oder Overlay. Der Video Player wird durch den Nutzer unverschlüsselt verfügbar gemacht. Der Nutzer wird von Dritten kein Entgelt für die Nutzung des NDR Video Players erheben. Vom Nutzer eingesetzte Digital Rights Managementsysteme dürfen nicht angewendet werden. Der Nutzer ist für die Einbindung der Inhalte der Tagesschau in seinem Online-Auftritt selbst verantwortlich.
Der Nutzer wird die eventuell notwendigen Rechte von den Verwertungsgesellschaften direkt lizenzieren und stellt den NDR von einer eventuellen Inanspruchnahme durch die Verwertungsgesellschaften bezüglich der Zugänglichmachung im Rahmen des Online-Auftritts frei oder wird dem NDR eventuell entstehende Kosten erstatten
Das Recht zur Widerrufung dieser Nutzungserlaubnis liegt insbesondere dann vor, wenn der Nutzer gegen die Vorgaben dieser AGB verstößt. Unabhängig davon endet die Nutzungsbefugnis für ein Video, wenn es der NDR aus rechtlichen (insbesondere urheber-, medien- oder presserechtlichen) Gründen nicht weiter zur Verbreitung bringen kann. In diesen Fällen wird der NDR das Angebot ohne Vorankündigung offline stellen. Dem Nutzer ist die Nutzung des entsprechenden Angebotes ab diesem Zeitpunkt untersagt. Der NDR kann die vorliegenden AGB nach Vorankündigung jederzeit ändern. Sie werden Bestandteil der Nutzungsbefugnis, wenn der Nutzer den geänderten AGB zustimmt.

Einverstanden

Zum einbetten einfach den HTML-Code kopieren und auf ihrer Seite einfügen.

Nicht einmal jeder zweite Flüchtling hat Kinder oder ist verheiratet

Das IAB, eine Dienststelle der Bundesagentur für Arbeit, hat in einer Studie berechnet, dass voraussichtlich bis zum Jahresende 2017 rund 400.000 Geflüchtete das Recht auf den Nachzug ihrer Ehepartner und minderjährigen Kinder haben. Weitere 200.000 haben überwiegend einen subsidiären Schutzstatus - das sind meist Bürgerkriegsflüchtlinge aus Syrien. Für sie wurde der Familiennachzug zunächst bis März 2018 ausgesetzt, wenn sie nach März 2016 einen Asylantrag gestellt haben.

Das Institut rechnet damit, dass auf jene Geflüchteten, die Anspruch auf Familiennachzug haben, 100.000 bis 120.000 Ehepartner und minderjährige Kinder im Ausland entfallen. Demnach kommen auf jeden Geflüchteten in Deutschland im Durchschnitt 0,28 nachzugsberechtigte Personen. Unter anderem erklärt das IAB die Zahlen mit der Alters- und Familienstruktur der Geflüchteten. Nur 46 Prozent der erwachsenen Geflüchteten seien verheiratet und nur 43 Prozent haben Kinder, heißt es in der Studie zum Familiennachzug.

Familiennachzug ist Streitthema in Jamaika-Verhandlungen

Zuletzt hatte das Auswärtige Amt Zahlen zu Genehmigungen von Anträgen auf Familienzusammenführung über das Visumverfahren veröffentlicht: Im ersten Halbjahr des laufenden Jahres etwa 60.000 Anträge, in 2016 rund 100.000 und im Jahr davor 70.000 Anträge. Darunter befanden sich rund 102.000 Visa für Syrer und Iraker. Derzeit liegen bei den Auslandsvertretungen zudem 70.000 Terminbuchungen von Personen vor, die legal zu syrischen und irakischen Familienangehörigen in Deutschland nachreisen wollen.

Der Familiennachzug ist ein Streitpunkt in den Verhandlungen über eine mögliche Jamaika-Koalition. Die Union möchte das Familiennachzugsrecht für subsidiär Geschützte, meistens Bürgerkriegsflüchtlinge aus Syrien, über den März 2018 hinaus aussetzen. Die Grünen sind dagegen und fordern eine Wiedereinführung des Familiennachzugs auch für die subsidiär Geschützten.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk Kultur am 12. Oktober 2017 um 07:38 Uhr.

Darstellung: