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29.05.2012

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Eltern klagen über zu wenig Zeit für die Familie
Familienbericht der Bundesregierung

Eltern klagen über zu wenig Zeit für die Familie

Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU)und der Vorsitzende der Sachverständigenkommission, Georg Thüsing (Foto: dpa) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Familienministerin Schröder und Expertenkommissionschef Thüsing wollen Reformen in der Arbeitswelt. ]
Die Familien in Deutschland klagen über fehlende Zeit für ihre Kinder. 63 Prozent der Väter und 37 Prozent der Mütter mit minderjährigen Kindern können sich nach eigenen Angaben aus Zeitgründen zu wenig um ihren Nachwuchs kümmern. Dies geht aus dem Familienbericht der Bundesregierung hervor.

Danach stehen 40 Prozent der Eltern "oft oder immer" unter Zeitdruck. Bei alleinerziehenden Müttern steht sogar jede zweite unter einem solchen Dauerstress. Auch aus Sicht der Kinder im Alter zwischen sechs und elf Jahren haben zwei Drittel ihrer Väter und ein Drittel der Mütter zu wenig Zeit für sie. Der Bericht der unabhängigen Sachverständigenkommission markiere den Einstieg in eine "Zeitpolitik für Familien", sagte Familienministerin Kristina Schröder.

Frauen leisten die meiste Arbeit

Dem Bericht zufolge übernehmen immer noch Frauen den Großteil der Familien- und Erziehungsarbeit. Über zwei Drittel der Frauen (67 Prozent) geben an, sie seien für den überwiegenden Teil dieser Aufgaben verantwortlich. 28 Prozent der Frauen mit einer Teilzeitstelle würde gern mehr arbeiten, wenn dies besser mit der eigenen Familie vereinbar wäre. Dagegen arbeiten Väter oft mehr, als ihren Wünschen entspricht. So machen 67 Prozent der Männer mit minderjährigen Kindern zumindest gelegentlich Überstunden.

Dem Familienbericht zufolge wurde das Angebot an staatlichen Betreuungsangeboten deutlich ausgeweitet. Der Anteil der unter Dreijährigen in Kinderkrippen sei zwischen 2006 und 2010 von zwölf auf 19 Prozent gestiegen. Allerdings hätten bislang nur etwa 57 Prozent der Kinder zwischen zwei und drei Jahren einen Betreuungsplatz, während sich aber 80 Prozent der Eltern einen solchen wünschten. Zudem gebe es beim Angebot für unter Dreijährige sehr große regionale Unterschiede, stellen die Experten der Sachverständigenkommission fest.

Kommission will unter anderem mehr Ganztagsschulen

Laut Schröder rangiert der Wunsch nach mehr Zeit für die Familie weit vor dem Wunsch nach mehr Geld oder besserer Kinderbetreuung. Mit dieser Entwicklung habe vor allem die Arbeitswelt nicht Schritt gehalten.

Die Kommission unter Leitung des Bonner Arbeitsrechtlers Gregor Thüsing schlägt unter anderen den Ausbau von Ganztagsschulen, mehr 30-Stunden-Stellen für Eltern und längere Öffnungszeiten von Betreuungseinrichtungen für Kinder vor, um Familien mehr Zeit zu verschaffen. Denkbar seien auch Änderungen im Arbeitsrecht, um etwa bei betriebsbedingten Kündigungen Väter oder Mütter besserzustellen als Beschäftigte ohne Kinder. Die Vorschläge sollen in den Familienbericht der Regierung einfließen, der 2012 vorgelegt wird.

Familienbericht der Bundesregierung:

Die Bundesregierung muss mindestens in jeder zweiten Wahlperiode dem Bundestag einen Bericht über die Lage der Familien in Deutschland vorlegen. Der erste Bericht stammt aus dem Jahr 1968. Während der erste, dritte, fünfte und siebte Familienbericht die Situation der Familien umfassend darstellte, widmeten sich die anderen Berichte Schwerpunktthemen.

Der jetzt von den Wissenschaftlern übergebene 8. Familienbericht steht unter dem Titel "Zeit für Familie. Familienzeitpolitik als Chance einer nachhaltigen Familienpolitik". Der 226-seitige Bericht soll Anfang 2012 zusammen mit der Stellungnahme der Bundesregierung veröffentlicht werden.
 

Schröder besteht auf Zeitpunkt für Betreuungsplatzanspruch

Schröder sprach sich strikt gegen die Verschiebung des Rechtsanspruchs auf einen Betreuungsplatz für Kleinkinder ab August 2013 aus. "Daran wird nicht gerüttelt", betonte sie. Die Familien könnten sich auf die Zusagen verlassen. Die CDU-Politikerin reagierte damit auf Warnungen des Deutschen Städtetags, der die pünktliche Verwirklichung des Rechtsanspruchs infrage gestellt hat. In vielen Städten liege der Bedarf bei über 50 Prozent und damit weitaus höher als bislang von der Regierung vorhergesagt, hatte Städtetag-Präsident Christian Ude gestern erklärt.

Bei dem in der Koalition weiter umstrittenen Betreuungsgeld für Eltern, die ihre Kinder zu Hause erziehen, arbeitet Schröder nach eigenen Angaben an einem neuen Vorschlag. Darin könnten sich alle Koalitionspartner finden, zeigte sie sich überzeugt.

SPD: Schröder lässt Familien im Stich

SPD-Vize Manuela Schwesig warf der Bundesregierung Versäumnisse bei der Unterstützung von Familien vor. Der Familienbericht zeige, dass sich für die Familien kaum etwas verbessert habe. Dies gelte sowohl für Eltern mit kleinen Kindern als auch für Menschen, die ihre Angehörigen pflegten. Schröder lasse die Familien im Stich und lehne sich zurück. Schwesig forderte mehr Ganztagsplätze in Kitas und Schulen sowie flexiblere Arbeitszeitmodelle. Grünen-Fraktionschefin Renate Künast forderte, die für das umstrittene Betreuungsgeld vorgesehenen Gelder besser in Betreuungsplätze zu investieren.

Die stellvertretende DGB-Vorsitzende Ingrid Sehrbrock mahnte darüber hinaus eine breite gesellschaftliche Debatte über Arbeitszeiten an. Die Organisation der Arbeitszeit sei "der Schlüssel für eine familienfreundliche Arbeitswelt". Großelternzeit oder Freiwilligendienste könnten den Ausbau der Kinderbetreuungplätze nicht ersetzen.

Stand: 28.10.2011 15:32 Uhr
 

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