Fundort der Leiche von Susanna Maria F. in Wiesbaden | Bildquelle: dpa

Nach Gewaltverbrechen Fall Susanna - Festnahme im Irak

Stand: 08.06.2018 19:13 Uhr

Kurdische Sicherheitskräfte haben den Tatverdächtigen im Mordfall Susanna im Nordirak festgenommen. Nun wollen sich die Behörden um eine Auslieferung des 20-Jährigen bemühen.

Im Fall der getöteten 14-jährigen Susanna ist der verdächtige Iraker Ali B. nach den Worten von Innenminister Horst Seehofer von kurdischen Sicherheitskräften im Irak festgenommen worden. Seehofer sprach nach Abschluss der Innenministerkonferenz von Bund und Ländern in Quedlinburg von einem "Fahndungserfolg der Bundespolizei".

Dank an kurdische Sicherheitskräfte

B. sei in der Nacht durch kurdische Sicherheitsbehörden im Nordirak auf Bitten der Bundespolizei festgenommen worden. Der 20-jährige Iraker wird verdächtigt, die 14 Jahre alte Susanna vergewaltigt und getötet zu haben.

Die Jugendliche aus Mainz war zuvor zwei Wochen lang vermisst worden. Am Mittwoch wurde schließlich die Leiche in einem Erdloch in Wiesbaden entdeckt.

Seehofer dankte den kurdischen Sicherheitskräften und der deutschen Bundespolizei für die Zusammenarbeit.

Trauer um die getötete Susanna | Bildquelle: AFP
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Trauer um die getötete Susanna: Der Verdächtige wurde nun im Irak festgenommen.

Legale Ausreise vor Fahndungsbeginn

Bevor er zur Fahndung ausgeschrieben wurde, war B. nach Angaben des Bundesinnenministeriums mit seiner Familie legal über den Düsseldorfer Flughafen ausgereist und hatte sich nach Erbil im Nordirak abgesetzt.

Zu diesem Zeitpunkt löste sein Name keinerlei Alarm aus: Er wurde erst zwei Tage später als Tatverdächtiger im Fall Susanna zur Fahndung ausgeschrieben. Die Gruppe habe deutsche Aufenthaltserlaubnisse und sogenannte Laissez-Passer-Papiere gehabt, die von der EU oder Deutschland ausgestellt würden, wenn kein gültiger Reisepass vorliege.

Laut Bundespolizei kaufte B. die Flugtickets unter falschem Namen. Am Flughafen kontrollierte die Bundespolizei aber nur die Ausweisdokumente, die in arabischer Schrift ausgestellt waren und zu den Personen passten. "Die vorgelegten Dokumente waren echt, gültig und berechtigten zur Ausreise", erklärte das Bundespolizeipräsidium in Potsdam.

Unterschiedliche Namen in Papieren

Der Fall sorgte deutschlandweit für großes Aufsehen - auch in der Politik. So wird über die Frage diskutiert, weshalb Ali B. trotz unterschiedlicher Namen in den Ausweispapieren und auf der Bordkarte ungehindert in die Türkei fliegen konnte.

Seehofer sagte, es sei für die "staatliche Gemeinschaft" wichtig, "dass auf ein so furchtbares Verbrechen dann möglicherweise auch die Sühne kommt".

Kein Auslieferungsabkommen

Das Auswärtige Amt weist zwar darauf hin, dass es kein Auslieferungsabkommen mit dem Irak gibt. In Einzelfällen sei die Auslieferung eines Tatverdächtigen aus dem Irak nach Deutschland aber möglich. Der Antrag auf eine Auslieferung sei auf den Weg gebracht, sagte eine Sprecherin der Wiesbadener Staatsanwaltschaft. Letztlich entscheide das Auswärtige Amt, ob der Irak um die Auslieferung des Tatverdächtigen gebeten werde. Wie lange das dauern könnte, lasse sich schwer abschätzen, sagte ein Sprecher der Frankfurter Generalstaatsanwaltschaft. "Mit dem Irak betreten wir da ein Stück weit Neuland. So ein Verfahren kann mehrere Tage, aber auch mehrere Wochen oder gar Monate dauern."

Dass der Tatverdächtige sich als irakischer Bürger in seinem Heimatland für den Tod der 14-Jährigen zu verantworten habe, sei rechtlich nicht möglich, so eine Sprecherin der Wiesbadener Staatsanwaltschaft "Im Irak droht ihm die Todesstrafe. Wir können daher keinen Strafverfolgungsantrag stellen."

Warnung vor Verallgemeinerung

Mehrere Länder-Innenminister warnen im Fall Susanna vor Verallgemeinerungen. Berlins Innensenator Geisel von der SPD sagte, daraus dürfe keine gesellschaftliche Spaltpilz-Debatte werden. Niedersachsens Innenminister Pistorius (SPD) sagte: "Es ist bezeichnend für die Stimmung im Land, dass, kaum, das so etwas passiert ist, noch keiner so genau weiß, was passiert ist und trotzdem schon wieder die ersten nach Gesetzesverschärfungen rufen." Er bleibe bei der Überzeugung, dass erst mal schon gut wäre, wenn die bestehenden Gesetze angewandt würden.

Sebastian Kisters, HR, zur Festnahme des mutmaßlichen Mörders im Fall Susanna
tagesschau 15:00 Uhr, 08.06.2018

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Zahlreiche Demos und Gegendemos in Mainz

In den kommenden Tagen ist in Mainz eine Serie von Demonstrationen und Mahnwachen geplant. Am Samstag lädt die "Gutmenschliche Aktion Mainz" zu einer Trauerkundgebung für Susanna auf den Petersplatz ein und wendet sich gegen Rassismus. Fast zeitgleich will die AfD-Landtagsfraktion von Rheinland-Pfalz unter dem Motto "Es reicht! Endlich Konsequenzen ziehen!" vor der rheinland-pfälzischen Staatskanzlei demonstrieren.

Am Sonntag plant die Initiative "Beweg was! Deutschland" in Mainz eine Demonstration. Sie hatte unter dem Titel "Merkel muss weg" in den vergangenen Wochen Demos gegen illegale Einwanderung veranstaltet. Im Gegenzug will ein Bündnis mit dem Namen "Kein Platz für Menschenfeinde - Refugees welcome" gegen Fremdenfeindlichkeit demonstrieren.

Für Montag hat die Initiative "Kandel ist überall" in Mainz eine Mahnwache angemeldet. Die Gruppierung wird dem rechtspopulistischen Spektrum zugerechnet. Sie hatte nach dem Tod des Mädchens Mia in Kandel bereits mehrfach in der pfälzischen Stadt demonstriert. Mias ehemaliger Freund, ein Flüchtling aus Afghanistan, ist wegen Mordes angeklagt. Für die gleiche Zeit lädt der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) zu einem stillen Gedenken ein.

Mit Informationen von Christiane Fritz, ARD-Hauptstadtstudio

Verdächtiger im Fall Susanna festgenommen
Alex Krämer, ARD Berlin
08.06.2018 13:44 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 08. Juni 2018 um 14:00 Uhr.

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