Ein Krankenschwester eilt auf einem Flur an einem leeren Bett vorbei | Bildquelle: dpa

Personalnot in der Pflege Anbieter wollen mehr ausländische Fachkräfte

Stand: 09.08.2018 18:24 Uhr

In der Pflege fehlen derzeit 35.000 Fachkräfte und Helfer. Deshalb schlagen private Anbieter vor, bis zu 15.000 Menschen aus dem Ausland anzuwerben. Gegen die Idee gibt es aber auch Bedenken.

Angesichts des Personalmangels in der Pflege fordert die private Pflegewirtschaft deutlich mehr ausländische Fachkräfte. In einem Pilotprojekt sollten vom Bund koordiniert in zwei Jahren bis zu 15.000 qualifizierte Mitarbeiter aus dem Ausland gewonnen werden, schlägt der Arbeitgeberverband Pflege (AGVP) vor. Wer innerhalb von sechs Monaten als Fachkraft anerkannt sei und einen Arbeitsvertrag habe, müsse dann auch ein Bleiberecht erhalten.

Darüber hinaus sollen innerhalb von zwei Jahren 15.000 Pflegehilfskräfte weiterqualifiziert werden. Nach 188 Stunden Qualifizierung und erfolgreicher Prüfung sollen die Hilfskräfte pflegerische Leistungen übernehmen und dadurch die Fachkräfte entlasten. So könnten die von der großen Koalition angestrebten 13.000 zusätzlichen Stellen in der Altenpflege aus Sicht des Verbandes "zeitnah" besetzt werden, glaubt der AGVP.

Krankenpflegerin und alte Frau | Bildquelle: dpa
galerie

Die Bundesregierung will in den kommenden Jahren 13.000 zusätzliche Stellen in der Pflege schaffen.

35.000 offene Stellen

Der Verband, der nach eigenen Angaben die umsatzstärksten privaten Altenpflegeunternehmen mit 40.000 Beschäftigten vertritt, warnte zugleich vor Kostensteigerungen durch die Pläne der Politik. Die Arbeitgeber beziffern die Kosten für die vorgeschlagenen Qualifizierungsmaßnahmen auf rund 36 Millionen Euro.

Insgesamt sind in der Alten- und Krankenpflege 35.000 Stellen für Fachkräfte und Helfer offen. Die Bundesregierung hat deswegen auch eine "konzertierte Aktion" für mehr Pfleger gestartet. Arbeitgeber und Gewerkschaften, Wohlfahrtsverbände und Kirchen, Krankenkassen und Betroffenenverbände sollen dabei bis Mitte nächsten Jahres Vorschläge erarbeiten, wie der Beruf attraktiver werden kann.

Linkspartei-Chef Bernd Riexinger forderte vor der Anwerbung von mehr ausländischen Pflegekräften, zunächst bessere Rahmenbedingungen zu schaffen und das "marode Pflegesystem" grundlegend zu sanieren. Insbesondere müssten ausländische Pfleger "angemessen bezahlt sowie sozial- und krankenversichert werden". Zu häufig seien Pfleger aus dem Ausland rund um die Uhr, sieben Tage in der Woche im Einsatz, kritisierte Riexinger. Das sei nur möglich, weil eine "legale Grauzone" existiere.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 09. August 2018 um 11:00 Uhr.

Ihre Meinung - meta.tagesschau.de

Darstellung: