Kommentar zum "Euro Hawk": "Der Lack ist ab"

De Maizière in der Zwickmühle

"Der Lack ist ab"

Von Dietmar Riemer, NDR, ARD-Hauptstadtstudio

Nein! Für einen politisch erzwungenen Rücktritt, womöglich sogar durch die Opposition, reicht das natürlich alles nicht. Thomas de Maizière hat politisch sozusagen: "Noch nicht fertig!" - gemessen an den ganz gewöhnlichen Kriterien ganz gewöhnlicher Politiker.

Das kennt man ja alles: Fehler werden eingeräumt, wenn sie zu offensichtlich geworden sind, die unteren Ränge bekommen das ihnen Zustehende ab, Missverständnisse werden bedauert, Sofortmaßnahmen ergriffen, Besserungen in Aussicht gestellt.

So ist das, wenn politische Betriebsunfälle ihren Lauf nehmen und gewöhnliche Ministerkarrieren auf dem gefährlichen Spiel stehen. Allein bei de Maizière ist das alles weder gewöhnlich noch üblich und das würde er selbst als Allererster auch so sehen. Der Mann hat ja noch was vor.

Ein trickreicher Ausredenkünstler

Der Sturzflug des Drohnenvogels indes zeigt uns einen de Maizière, den wir bis dato noch nicht kannten. Wir sehen nämlich - zu unserer äußersten Überraschung - seit Wochen einen sehr gewöhnlichen Politiker, mit dem Repertoire eines Ausredenkünstlers, der Zuflucht in Tricks nimmt. Mit seinem Verhalten reiht sich de Maizière in jenes Mittelmaß politischer Überlebenskünstler ein, die stets seiner Geringschätzung sicher sein durften.

Kommentar: Thomas de Maizière, der vorletzte Preuße seiner Art
D. Riemer, ARD Berlin
31.07.2013 19:56 Uhr

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Die Grundierung des Gewöhnlichen

Die Geschichte von de Maizière als dem letzten Preußen in der politischen Klasse ist jedenfalls auserzählt. Der Lack ist sozusagen ab und zum Vorschein kommt die Grundierung des Gewöhnlichen.

Das wäre ja weiter nicht schlimm, wenn er nicht selbst darauf bestanden hätte, die Ausnahme von der Berliner Regel zu sein. Seine Reden über Pflicht, den rechten Amtsgedanken, korrekte Amtsführung und Disziplin hat er mit großer Beharrlichkeit zu seinem Markenkern reifen lassen, zur Unterscheidbarkeit vom Rest eben. Das Schneidende, was ihm jedoch nie zum Schneidigen geriet, das Klare, das Eindeutige, das war stets seine Sache, die er in diesen Wochen verlassen hat.

Rücktritt überfällig

Gemessen an seinen eigenen Ansprüchen hätte er schon vor Tagen zurücktreten müssen. Es ist statthaft zu vermuten, dass er sich diese Frage auch schon selbst vorgelegt hat, vielleicht sogar schon der Kanzlerin, die auf einen Mann wie ihn, in diesen Vorwahltagen, ganz besonders schlecht verzichten kann. Ein Rücktritt wegen Fahrlässigkeit bei politischen Führungsaufgaben, also das fehlte noch.

Mit seiner kleinlichen Ausschussbalgerei über Termine und Flurfunknachrichten beim Flug des Drohnenvogels ruiniert de Maizière seinen bis vor kurzem sehr untadeligen Ruf als Mann, der für solche Dinge nicht anfällig ist.

Mit Blick auf solche Versuchungen hat Konrad Adenauer mal bemerkt: "In der Politik, wie im Leben überhaupt, gibt es unzählige Möglichkeiten etwas falsch, aber in der Regel nur Eine, es richtig zu machen." De Maizière hat sich bedauerlicherweise für die unzähligen Möglichkeiten entschieden.

Stand: 31.07.2013 19:33 Uhr

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