"Euro Hawk" beim Anflug auf den Flughafen Manching im Juli 2011 | Bildquelle: picture alliance / dpa

Keine "Euro Hawk" für die Bundeswehr Ministerium stoppt Riesendrohne

Stand: 05.09.2015 19:20 Uhr

Die Bundeswehr wird den "Euro Hawk", eine Aufklärungsdrohne so groß wie ein Passagierjet, nicht anschaffen. Das Verteidigungsministerium hat jetzt endgültig die Reißleine gezogen. Bislang wurden rund 562 Millionen Euro in das Projekt investiert.

Von Christian Thiels, SWR, ARD-Hauptstadtstudio Berlin

Es sollte ein Quantensprung für die Luftaufklärung der Bundeswehr sein: Der "Euro Hawk", ein riesiges, unbemanntes Aufklärungsflugzeug, das stundenlang aus großen Höhen mit hochsensiblen Sensoren beobachten kann. Nun hat das Verteidigungsministerium endgültig die Reißleine gezogen. Außer einem einzigen Testflugzeug, das die Bundeswehr bereits gekauft hat, wird es keine weiteren Beschaffungen geben.

Drohne "Euro Hawk"

Die für die Bundeswehr gestoppte Aufklärungsdrohne "Euro Hawk" ist eine vergrößerte Variante der RQ-4B "Global Hawk" des US-Herstellers Northrop Grumman. Durch eine verlängerte Spannweite wurde die Tragfähigkeit auf 1360 Kilogramm erhöht. Die US-Version erreicht bis zu 20.000 Meter Flughöhe und kann bis zu 40 Stunden im Einsatz bleiben.

Bei der Bundeswehr sollte das unbemannte Flugzeug zur Aufklärung eingesetzt werden. Dazu wurde es mit modernen Sensoren ausgerüstet. Eine Bewaffnung des "Euro Hawk" war nicht geplant.

Der Kaufvertrag mit Northrop Grumman und EADS wurde zu Zeiten der Großen Koalition im Januar 2007 unterzeichnet. Geplant war die Anschaffung eines Prototyps und vier serienmäßig produzierter Maschinen. Am 14. Mai 2013 stoppte das Verteidigungsministerium das Projekt.

Quelle: dpa

Sensortechnik ist nicht verloren

Grund sind laut Ministerium die zu hohen Kosten, die anfallen würden, um für den "Euro Hawk" eine luftverkehrsrechtliche Zulassung zu bekommen. Die Experten der Armee rechnen mit mindestens 600 Millionen Euro nur dafür - wobei es keine Garantie gebe, dass die Zulassung dann auch erfolge.

Bislang sind bereits rund 600 Millionen Euro für das Projekt ausgegeben worden. Die Sensortechnik für den "Euro Hawk" will die Bundeswehr behalten und eine neue Plattform, also ein anderes Flugzeug (unklar ist ob bemannt oder unbemannt) dafür suchen. Ursprünglich hatte die Bundeswehr geplant, weitere vier Maschinen zu einem Gesamtpreis von 517 Millionen Euro zu kaufen. Es ist das erste Mal, dass ein Projekt dieser Größenordnung komplett gestoppt wird.

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