US-Drohne "Triton" | Bildquelle: picture alliance / AP Images

Von der Leyens Pläne Irritation über neue Super-Drohne

Stand: 06.10.2014 00:19 Uhr

Im Nebensatz eines ARD-Interviews hat Verteidigungsministerin von der Leyen angekündigt, für die Bundeswehr die Drohne "Triton" anzuschaffen. Diese ist zwar moderner als "Euro Hawk", aber nicht eben billig. Parlamentarier zeigten sich überrascht.

Von Christian Thiels, tagesschau.de

Die US-Drohne "Triton" vom Hersteller Northrop Grumman Quelle: Northrop Grumman
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Die US-Drohne "Triton" vom Hersteller Northrop Grumman Quelle: Northrop Grumman

Es war nur ein Nebensatz, doch der hatte es in sich. Im ARD-Bericht aus Berlin wurde Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen auch zu ihren Plänen mit der eingemotteten "Euro Hawk"-Aufklärungsdrohne befragt. Am Wochenende war bekannt geworden, dass die Ministerin das Projekt, das ihr Amtsvorgänger Thomas de Maizière aus Kostengründen und wegen erheblicher Zulassungsprobleme vergangenes Jahr gestoppt hatte, wiederbeleben will.

Und mehr noch: Nach der Wiederaufnahme der Erprobung der Abhörtechnik an Bord des "Euro Hawk"-Prototypen solle auch eine neue Trägerplattform, also ein entsprechendes Flugzeug, beschafft werden. Ungefragt fügte von der Leyen in der ARD hinzu: "Dann wird es einen zweiten Schritt geben, nämlich für die Serienreife, also wenn wir dann in den Normalbetrieb gehen, werden wir ein anderes Flugzeug nehmen, eine andere Drohne, die heißt 'Triton', die ist aus den USA." Damit kündigt die Ministerin mal so eben ein gewaltiges neues Rüstungsprojekt an.

Die MQ-4C "Triton" vom US-Hersteller Northrop-Grumman ist eine modernere Version des "Euro Hawk", den der gleiche Hersteller der Bundeswehr verkaufen wollte. Der US-Kongress beziffert die Kosten für die "Triton" mit fast 190 Millionen Dollar pro Stück, einschließlich Entwicklung. Selbst wenn die Serienmaschinen für Deutschland billiger werden könnte, ist das Volumen immer noch atemberaubend. Würden nämlich - wie beim "Euro Hawk" geplant - vier Serienmaschinen beschafft, könnte das den Steuerzahler schnell bis zu einer halben Milliarde Euro kosten.

Bundesverteidigungsministerin von der Leyen, CDU, zur Zukunft der Bundeswehr
Bericht aus Berlin 18:30 Uhr, 05.10.2014

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Erst gestern habe die Ministerin die Fachpolitiker der Koalition über ihr Vorhaben informiert, hieß es aus Union und SPD. Viele Parlamentarier sind darüber - gelinde gesagt - unglücklich. Alle wesentlichen Entscheidungen würden immer vorher an die Medien durchgestochen, ob verstärkter Irak-Einsatz, Ukraine-Engagement mit Aufklärungsdrohnen, die Ergebnisse der Wirtschaftsprüfer zu Rüstungsprojekten und jetzt eben der Kauf der "Triton".

Dr. Tobias Lindner @tobiaslindner
@thomas_wiegold vor allem: mit Triton kann es genau dieselben Probleme geben, was die Zulassung betrifft... #EuroHawk

Ein Unionsabgeordneter sagte tagesschau.de am Sonntagabend, dass das "alles auf die Liste kommt". Und auch in der Opposition ist man irritiert. Tobias Lindner, Haushaltspolitiker der Grünen und seit Jahren für den Verteidigungsetat zuständig, verleiht seinen Zweifeln bei Twitter Ausdruck: Mit "Triton" könne es die gleichen Probleme mit der Zulassung geben.

Verteidigungsministerin will Konsequenzen aus Prüfbericht ziehen
E. Corell, ARD Berlin
05.10.2014 20:38 Uhr

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Tatsächlich ist  auch für die modernere "Triton" völlig unklar, ob sie eine dauerhafte Zulassung für den Regelbetrieb im deutschen Luftraum bekommen könnte. Daran war der "Euro Hawk" gescheitert, denn er hatte das dafür erforderliche Anti-Kollisionssystem nicht. Doch möglicherweise rückt das Ministerium nun von dieser Forderung ab und gibt sich auch mit der zeitweisen Sperrung von Lufträumen zufrieden. Die Drohne könnte dann in für Zivilflugverkehr abgesperrten Bereichen starten und in so großen Höhen aufsteigen, in denen die normale Luftraumkontrolle nicht mehr gilt.

Drohne "Euro Hawk"

Die für die Bundeswehr gestoppte Aufklärungsdrohne "Euro Hawk" ist eine vergrößerte Variante der RQ-4B "Global Hawk" des US-Herstellers Northrop Grumman. Durch eine verlängerte Spannweite wurde die Tragfähigkeit auf 1360 Kilogramm erhöht. Die US-Version erreicht bis zu 20.000 Meter Flughöhe und kann bis zu 40 Stunden im Einsatz bleiben.

Bei der Bundeswehr sollte das unbemannte Flugzeug zur Aufklärung eingesetzt werden. Dazu wurde es mit modernen Sensoren ausgerüstet. Eine Bewaffnung des "Euro Hawk" war nicht geplant.

Der Kaufvertrag mit Northrop Grumman und EADS wurde zu Zeiten der Großen Koalition im Januar 2007 unterzeichnet. Geplant war die Anschaffung eines Prototyps und vier serienmäßig produzierter Maschinen. Am 14. Mai 2013 stoppte das Verteidigungsministerium das Projekt.

Quelle: dpa

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