Erzieherin mit Kindern | Bildquelle: imago/Westend61

Notstand befürchtet Erzieher verzweifelt gesucht

Stand: 06.03.2018 04:53 Uhr

Der Fachkräftemangel hat auch die Kindergärten und Krippen erreicht. Der Kitaausbau geht voran, doch Erzieher auszubilden dauert länger, als neue Tagesstätten zu bauen.

Von Antraud Cordes-Strehle, WDR

Immer mehr Betreuungseinrichtungen für Kinder fehlt es an Fachkräften: Sie finden nicht genug Erzieher, um die steigende Zahl der Kinder pro Einrichtung zu betreuen.

"Wir konnten einer Erzieherin über Kontakte eine günstige Wohnung vermitteln. Das war ausschlaggebend dafür, dass wir unsere offene Stelle besetzen konnten", erzählt eine Kita-Leiterin aus Köln, die nicht namentlich genannt werden möchte. Man müsse heute "kreativ" sein. Allein mit klassischen Stellenanzeigen jemanden zu finden, der qualifiziert ist und ins Team passt, sei extrem schwierig. Es sei ein wahrer Konkurrenzkampf zwischen Einrichtungen ausgebrochen, die Personal suchten.

Kitaleitungskongress: zu wenige Erzieher
tagesschau 12:00 Uhr, 06.03.2018, Antraud Cordes-Strehle, WDR

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Martin Künstler, Fachgruppenleiter "Der Paritätische Nordrhein-Westfalen" | Bildquelle: Antraud Cordes-Strehle / WDR
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Martin Künstler, Fachgruppenleiter "Der Paritätische Nordrhein-Westfalen"

"Die Situation ist dramatisch", bestätigt Martin Künstler, Fachgruppenleiter Kinder und Familie bei "Der Paritätische Nordrhein-Westfalen". "Wir erleben immer wieder, dass Angebote eingeschränkt werden müssen, weil den Einrichtungen Fachkräfte fehlen." In einzelnen Einrichtungen könnte deshalb auch schon mal eine Gruppe gar nicht eröffnet werden.

Nachfrage stärker als geplant

Gründe für die angespannte Personalsituation in der Kinderbetreuung gibt es einige. Der erste: Der Kitaausbau geht voran, doch Erzieher auszubilden dauert länger, als neue Kindergärten zu bauen.  "Die Politik hat sich die Nachfrage ein bisschen schön gerechnet. Die Folge ist, dass es jetzt eine viel stärkere Nachfrage gibt, als Kita- und Krippenplätze real geplant waren", meint Ilse Wehrmann, Sachverständige für Frühpädagogik aus Bremen. Und Martin Künstler ergänzt: "Seit 2013 haben wir in NRW den Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz für die Ein- und Zweijährigen. Wir haben eine steigende Geburtenrate, und es kommen sukzessive mehr Kinder mit Fluchthintergrund, die Plätze benötigen."

Ilse Wehrmann | Bildquelle: ilse-wehrmann.de
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Dr. Ilse Wehrmann berät bundesweit Unternehmen und Träger von Kindertageseinrichtungen.

Aktuelle, valide Zahlen, die die Notsituation in den Kitas untermauern, gibt es nicht. Lediglich Schätzungen und Hochrechnungen liegen vor. Die Bertelsmann Stiftung hat bei ihrer Berechnung des zusätzlichen Personalbedarfs am 1. März 2016 folgenden Personalschlüssel zu Grunde gelegt: 1 zu 3, also eine Fachkraft auf drei Kinder bei den unter Dreijährigen, 1 zu 7,5 bei den über Dreijährigen. Demnach benötigte man hierzulande über 100.000 zusätzliche Vollzeitkräfte.

Fordernder Beruf, geringer Verdienst

Ein weiterer Grund für den Notstand: Der Beruf Erzieher stellt hohe Anforderungen und ist anstrengend - Streit schlichten, Kinder trösten, sie wickeln. Die Verdienstmöglichkeiten aber sind vielen zu gering. Erzieher im öffentlichen Dienst werden nach Tarif bezahlt, das Einstiegsgehalt liegt bei rund 2.580 Euro brutto. Die Löhne bei anderen Trägern wie der Kirche, der Diakonie oder Arbeiterwohlfahrt sind meist daran angelehnt. "Doch die Bezahlung für Erzieher führt in eine Sackgasse", erklärt Ilse Wehrmann. "Es gibt kaum Aufstiegschancen und nur selten Leistungszulagen."

Dazu komme, so die Kölner Kita-Leiterin, dass gerade Erzieherinnen oftmals immer noch als "Basteltanten" abgestempelt würden, sie also wenig gesellschaftliche Anerkennung erführen - und das trotz der immer vielfältigeren Anforderungen die frühkindliche Entwicklung, die Inklusion, die Integration betreffend. Auch dokumentarische Aufgaben würden zunehmen.

Welche Quereinsteiger sind geeignet?

Bei der Suche nach Lösungen wird häufig der Ausbau sogenannter "multiprofessioneller Teams" diskutiert. Doch welche Quereinsteiger sind geeignet, Kinder zu betreuen? Heilpädagogen? Kinderpfleger? Das wird in den einzelnen Bundesländern unterschiedlich gehandhabt.

"Kitas werden immer weniger als Betreuungs-, sondern als Bildungseinrichtung angesehen. Multiprofessionelle Teams können eine Chance sein, dem gerecht zu werden", so Martin Künstler, "aber eine schnelle Lösung der Personalnot auf dem Sektor Kinderbetreuung sind sie nicht." Und Ilse Wehrmann gibt zu bedenken: "Auch die Quereinsteiger müssen erzieherische Kompetenz erwerben. In der Medizin käme keiner auf die Idee, nicht ausgebildetes Personal einen Blinddarm rausnehmen zu lassen."

Sie wünscht sich, dass die Ausbildung zum Erzieher kostenfrei würde. Und sie sieht die Politik gefordert: "Die neue Bundesregierung müsste einen runden Tisch einrichten, eine Kinderbeauftragte einsetzen und einen Plan für die nächsten zehn Jahre entwickeln", so die Sachverständige für Frühpädagogik. "Die Kita ist die erste Stufe des Bildungssystems, auf die dann alles aufbaut. Was in den ersten sechs Jahren versäumt wird, kann man nur selten wieder gut machen."

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 06. März 2018 um 12:00 Uhr.

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