Neuer Ernährungsreport

Ein Herz für Tiere - sagen die Deutschen

Stand: 03.01.2018 18:49 Uhr

Die Deutschen essen bewusster und sind bereit, mehr Geld für Fleisch von besser gehaltenen Tieren auszugeben. Zumindest sagen sie das in einer Befragung, die das Landwirtschaftsministerium beauftragt hat.

Landwirtschaftsminister Christian Schmidt hat den aktuellen Ernährungsreport vorgestellt: Knapp die Hälfte (47 Prozent) wäre auf jeden Fall bereit, einen höheren Preis für Fleisch zu bezahlen, wenn die Tiere besser gehalten werden. 43 Prozent stimmten eher zu. Ein sehr kleiner Anteil, lediglich zwei Prozent, will auf keinen Fall für mehr Tierwohl tiefer in die Tasche greifen.

Erhoben wurde in dem Report auch, wie sich dies in Euro und Cent konkret beziffern ließe. Bei einem Kilopreis von zehn Euro würden die meisten Verbraucher (52 Prozent) einen Aufpreis für bessere Haltungbedingungen von zwei bis fünf Euro zahlen. Fast ein Viertel (23 Prozent) würde fünf bis zehn Euro mehr ausgeben. Und sechs Prozent wäre mehr Tierwohl sogar einen Aufpreis von mehr als zehn Euro wert.

Schmidt sagte, vier von fünf Verbrauchern wünschten sich ein Tier-Label. Er gehe davon aus, dass die Einführung bei den Gesprächen zur Regierungsbildung eine Rolle spielen werde. Schmidt hatte das Tierwohl-Label schon im vergangenen Jahr angekündigt, es aber nicht umgesetzt. Tierschutzverbände lehnen die Kriterien als zu wenig streng ab.

Your browser doesn't support HTML5 video.

Ernährungsreport: Deutsche essen besser und bewusster

tagesschau 14:00 Uhr, Volker Schwenck, ARD Berlin

Dem Ernährungsreport zufolge erwarten die meisten Konsumenten nicht nur eine artgerechte Haltung der Masttiere, sondern auch eine gute Qualität der Produkte und eine faire Bezahlung der Mitarbeiter in der Landwirtschaft und Verarbeitung. Ein Drittel erwartet darüber hinaus einen schonenden Umgang mit den natürlichen Ressourcen.

Weiterhin essen laut dem Report knapp ein Drittel der Befragten jeden Tag Fleisch oder Wurst, die Mehrheit mehrfach in der Woche. Drei Viertel der Befragten haben Freude am Kochen, 43 Prozent kochen täglich, 38 Prozent mehrmals die Woche. 23 Prozent der Bundesbürger holen sich mindestens einmal in der Woche unterwegs belegte Brötchen, Burger, Pizza oder andere Snacks. 20 Prozent gehen ein- oder mehrmals wöchentlich essen.

Mehr Interesse an Information

Eingekauft wird weiterhin selbst. Nur sieben Prozent bestellen Lebensmittel im Internet, während bei allen anderen Produkten 60 Prozent der Verbraucher die Ware auch online bestellen.

Zwischen 70 und 80 Prozent aller Verbraucher wollen dem Report zufolge Angaben über die Inhaltsstoffe ihrer Lebensmittel, die Herkunft, die Haltbarkeit und ob ein Produkt fair oder umweltfreundlich erzeugt wurde. Schmidt lehnte eine von Verbänden und Verbraucherschützern geforderte Ampelkennzeichnung auf Verpackungen indes erneut als zu plakativ ab. Die Verbraucher wollten "vertiefte Informationen", sagte er.

Ernährungsunterricht für Kinder

Wie der Report weiter ergab, sehen 91 Prozent der Bundesbürger den Ernährungsunterricht in der Schule auf einer Stufe mit Fächern wie Mathematik, Deutsch und Englisch. Auch Schmidt sprach sich für ein eigenes Schulfach Ernährungsbildung aus. Er erklärte, Übergewicht sei ein ernstzunehmendes Problem. 15 Prozent der Menschen zwischen 3 und 17 Jahren seien übergewichtig.

Für den Report hat das Meinungsforschungsinstitut forsa im Herbst 2017 rund 1000 Bürgerinnen und Bürger ab 14 Jahren zu ihren Ess- und Einkaufsgewohnheiten befragt. Es ist der dritte Ernährungsreport im Auftrag des Bundeslandwirtschaftsministeriums.