Polizisten stehen vor dem beschädigten BVB-Mannschaftsbus. | Bildquelle: AP

BVB-Anschlag Die Suche nach den Tätern und dem Motiv

Stand: 13.04.2017 16:13 Uhr

Viel weiß man noch nicht, nur so viel: Es waren vermutlich Profis, die den Anschlag auf den BVB-Mannschaftsbus verübt haben. Doch warum? Und sind wirklich Islamisten für die Tat verantwortlich? G. Mascolo und A. Braun mit neuen Erkenntnissen.

Von Georg Mascolo und Andreas Braun

Bundesanwaltschaft und Bundeskriminalamt haben bislang keinen handfesten Beleg, dass der Anschlag auf den Mannschaftsbus von Borussia Dortmund einen islamistischen Hintergrund hat. Aufgrund der drei textgleichen Bekennerschreiben, die das vorgeben, halten sie das zwar immer noch für möglich, aber keinesfalls für bewiesen.

Hintergründe des Anschlags auf BVB-Mannschaft weiter unklar
tagesthemen 23:15 Uhr, 13.04.2017, Philipp Jahn, WDR

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Nach Recherchen von WDR, NDR und SZ schließen die Ermittler weiterhin nicht aus, dass der oder die Täter aus einem ganz anderen Bereich, etwa dem radikalen Fußballumfeld, stammen könnten. Ein linksextremistischer Hintergrund wird zwar ebenfalls nicht ausgeschlossen, aber an der Echtheit des zweiten Bekennerschreibens, in dem ein solcher Hintergrund behauptet wurde, gibt es weiterhin große Zweifel.

Auffällig sei, dass die Sprengsätze mit Metallstiften bestückt gewesen seien, sagte ein Sicherheitsbeamter im Hintergrundgespräch. Der oder die Täter hätten also in Kauf genommen, dass es Todesopfer geben könnte. Die Untersuchungen zum Zündmechanismus und der Art des verwendeten Sprengstoffs dauern noch an. Die Bombe soll elektronisch aus der Ferne gezündet worden sein. Ein angeblicher vierter Sprengkörper, über den am Dienstagabend in Medien berichtet worden war, stellte sich als Plastiktüte mit Abfall heraus.  

Kriminelle aus radikaler Fußball-Szene?

"Wer hat ein Motiv, einen solchen Anschlag zu machen?" fragt ein mit dem Fall vertrauter Sicherheitsbeamter. "Mein Bauchgefühl sagt mir, dass es anders war als manche derzeit meinen. Es kann so oder ganz anders sein." Man hoffe, dass die kriminaltechnischen Untersuchungen des bei der Tat verwendeten Sprengstoffs Hinweise auf Täter liefern würden. Eine der "sich aufdrängenden Fragen" sei allerdings weiterhin, ob es in der radikalen Fußball-Szene Kriminelle gebe, die "aus welchem Grund auch immer" die Tötung von Sportlern in Kauf nehmen würden.

Klarer wird das Bild hingegen in Bezug auf die beiden zunächst ins Visier der Ermittler geratenen Personen. Zwar beantragte die Bundesanwaltschaft Haftbefehl gegen einen nach dem Anschlag festgenommenen 26-jährigen Iraker - der stehe aber nicht im Zusammenhang mit dem Angriff.  Abdul Beset A., der vor einem Jahr als Flüchtling nach Deutschland gekommen ist, soll im Irak eine Einheit der Terrormiliz des "Islamischen Staates" (IS) geführt haben. Wie die Bundesanwaltschaft erklärte, soll deren Aufgabe gewesen sein, Entführungen, Verschleppungen, Erpressungen und auch Tötungen vorzubereiten. A. soll außerdem für den IS gekämpft haben. Im März 2015 soll er in die Türkei ausgereist  und  Anfang 2016 nach Deutschland gekommen sein. Er lebte in Wuppertal und soll von dort aus immer noch Kontakt zu Mitgliedern des IS gehabt haben.

Verdächtiger früh im Visier der Staatsschützer

A. war in Deutschland früh ins Visier der Staatsschützer geraten. Der Bundesnachrichtendienst hatte über seine Einsätze im Irak ein sogenanntes Behördenzeugnis angelegt. Eine inzwischen von ihm geschiedene Ehefrau hatte A. bei einer Befragung durch Mitarbeiter des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge belastet. Ausländische Nachrichtendienste hatten deutschen Staatsschützern Material über den 26-Jährigen geliefert. Gegen A. lief deshalb bei einer Staatsanwaltschaft in NRW seit längerem ein Verfahren wegen Verdachts der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat (Paragraf 89a des Strafgesetzbuches).

Telefon abgehört

Für eine Festnahme reichten die Vorwürfe zunächst nicht, er wurde aber abgehört. In den Tagen vor dem Dortmunder Angriff soll einer seiner Gesprächspartner am Telefon erklärt haben, dass ein Sprengsatz fertig sei. Nachdem dann in Dortmund der Mannschaftsbus des BVB mit Sprengkörpern angegriffen worden war, wurde A. verhaftet. Die Bundesanwaltschaft übernahm das Verfahren wegen Mitgliedschaft in einer ausländischen terroristischen Vereinigung (Paragraf 129a). "Die Ermittlungen", teilte die Behörde mit, hätten "bislang keinen Beleg dafür ergeben, dass der Beschuldigte an dem Anschlag beteiligt gewesen" ist.

Verdächtiger Schirm

Auf den 28-jährigen Deutschen libanesischer Herkunft, der in Fröndenberg lebt, wurde die Polizei gestern eher zufällig aufmerksam. Sie hatte am Dienstag bei dem Mann vorbeigeschaut, weil es in seiner Wohnung Streitigkeiten gegeben haben soll. Nach dem Anschlag auf den Bus erinnerte sich ein Polizeibeamter, dass er in der Wohnung des Mannes einen Schirm mit dem Logo des Hotels gesehen hatte, in dem die Mannschaft des BVB in Dortmund vor dem Champions-League-Spiel ihr Quartier gehabt  hatte. Auf dem Weg ins Stadion war in Nähe des Hotels dann von Unbekannten die Bombe gezündet worden. Die Behörden schließen derzeit aber aus, dass er mit dem Dortmunder Attentat zu tun hatte.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 13. April 2017 um 16:00 Uhr.

Korrespondent

Georg Mascolo, NDR | Bildquelle: picture alliance / dpa Logo NDR

Georg Mascolo, NDR

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