LKW-Anschlag auf Berliner Weihnachtsmarkt | Bildquelle: dpa

Amris Kontaktmann Was wusste Bilel A.?

Stand: 04.01.2017 18:36 Uhr

Spätestens seit Ende 2015 stand der gestern gefasste Bilel A. in engem Kontakt zu Anis Amri. Das teilte nun die Bundesanwaltschaft mit. Laut WDR, NDR und SZ stuften die Behörden ihn nach dem Anschlag als Gefährder ein. Mit Amri ging er noch kurz vor dem Attentat essen.

Von Georg Heil, WDR und Georg Mascolo, NDR

Die Bundesanwaltschaft ermittelt gegen den 26-jährigen Tunesier Bilel A. wegen des Verdachts der Beteiligung am Anschlag auf den Weihnachtsmarkt in Berlin - jedoch reichen die Anhaltspunkte dafür nicht für einen Haftbefehl. Dennoch wurde nun gegen ihn Haftbefehl erlassen, da gegen ihn auch wegen des Verdachts auf Betrug in Zusammenhang mit Sozialleistungen ermittelt wird.

A. war gestern bei einer Durchsuchung seines Zimmers in einer Flüchtlingsunterkunft in der Motardstraße in Berlin festgenommen worden. Hier soll auch Anis Amri zeitweise übernachtet haben.

Mit Amri im Restaurant gewesen

Ins Visier der Ermittler geriet A. vor allem, weil er gemeinsam mit Anis Amri am Tag vor dem Anschlag, dem 18. Dezember 2016, in einem Restaurant in der Pankstraße in Berlin-Wedding zu Abend gegessen hatte. Bei dem Essen wurden die beiden jedoch nicht observiert, das Treffen wurde erst im Nachhinein rekonstruiert. A. ist offenbar ein alter Bekannter von Amri, die beiden kennen sich seit spätestens 2015 und standen seither offenbar dauerhaft in Kontakt. Es besteht auch der Verdacht, dass die beiden schon gemeinsam im Juli 2015 aus Italien nach Deutschland eingereist sind.

Bilel A., der nach Informationen von WDR, NDR und "Süddeutscher Zeitung" seit seiner Einreise mal in Leipzig, mal in Berlin wohnte, fiel den Behörden ähnlich früh wie Anis Amri in islamistischen Zusammenhängen auf. In Leipzig soll er gegenüber anderen Flüchtlingen davon gesprochen haben, dass er nach Syrien gehen wolle, auch dass er plane, sich Sprengstoff zur Begehung von Anschlägen zu besorgen.

BKA-Fahndungsfoto | Bildquelle: BKA
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Anis Amri war nahe Mailand von der italienischen Polizei erschossen worden.

Als Gefährder eingestuft

Die Generalstaatsanwaltschaft in Berlin ermittelte deshalb schon einmal gegen A. wegen des Verdachts der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat, stellte das Verfahren aber später wieder ein. Nach dem Anschlag in Berlin wurde er als Gefährder eingestuft.

Wie gegen Bilel A. hatte es auch gegen Anis Amri bereits Ermittlungen wegen des Verdachts auf Sozialbetrug gegeben. Im April hatte die Staatsanwaltschaft in Duisburg ein entsprechendes Verfahren eingeleitet, da Amri im November 2015 doppelt Sozialleistungen bezogen haben soll. Das Verfahren wurde wenige Wochen vor dem Anschlag in Berlin vorläufig eingestellt, weil Anis Amris Aufenthaltsort zu dem Zeitpunkt unbekannt war.

Weitere Durchsuchung

Eine zweite Durchsuchung, die gestern ebenfalls in Berlin stattfand, galt den Wohnräumen eines ehemaligen Mitbewohners von Anis Amri, der auch in zeitlicher Nähe zu dem Anschlag noch mit Amri in Verbindung gestanden haben könnte. Der Mann wird bislang von der Bundesanwaltschaft als Zeuge gesehen und es liegen offenbar keine Anhaltspunkte für eine Verstrickung in den Anschlag in Berlin vor.

Unterdessen ergaben Untersuchungen, dass die Waffe, mit der der polnische Lkw-Fahrer Lukasz U. erschossen worden war, identisch mit der Waffe vom Typ ERMA ist, die Anis Amri bei sich trug und mit der er kurz vor seinem Tod einen italienischen Polizisten anschoss. Die Ermittlungen haben zudem ergeben, dass Amri den polnischen Lkw-Fahrer wahrscheinlich schon am Friedrich-Krause-Ufer in Berlin ermordete. Hier wurde eine entsprechende Patronenhülse gefunden. Amri soll zudem vor der Tat noch die Hicret Moschee in der Perleberger Straße in Berlin aufgesucht haben.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 04. Januar 2017 um 17:00 Uhr und tagesschau24 um 17:30 Uhr.

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