Seitenueberschrift

Magen-Darm-Erkrankungen

Nach Welle von Magen-Darm-Infektionen in Ostdeutschland

Cateringfirma will Betroffene entschädigen

Nach dem massenhaften Brechdurchfall in Ostdeutschland will der Caterer Sodexo die Erkrankten entschädigen. Das kündigte das Unternehmen mit Sitz in Rüsselsheim an, ohne weitere Details zu nennen.

"Wir sind über diesen Sachverhalt bestürzt. Wir entschuldigen uns in aller Form bei den betroffenen Kindern und Familien und hoffen, dass es allen Kindern inzwischen wieder gut geht", erklärte Sodexo in einer schriftlichen Mitteilung. Nach Bekanntwerden der Epidemie vor einer Woche hatte der Caterer die Verantwortung noch vehement zurückgewiesen.

Tiefkühl-Erdbeeren als Auslöser

Zuvor war die Ursache für die massenhaften Brechdurchfall-Erkrankungen offenbar gefunden worden. So sollen tiefgefrorene Erdbeeren die Krankheitswelle mit rund 11.200 Betroffenen ausgelöst haben. Ein Sprecher des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit bestätigte dies.

Auch nach Angaben eines Sprechers des Thüringischen Gesundheitsministeriums sollen tiefgekühlte Erdbeeren Hauptquelle für die Infektionen sein. Dies betreffe "mindestens Thüringen und Sachsen", sagte er.

Erdbeere
galerie

Tiefgefrorene Erdbeeren gelten als Ursache für die Erkrankungen

Aus Kreisen der Lebensmittelfahnder hieß es, die verdächtigen Erdbeeren stammten vermutlich aus China. Ein Großhändler habe sie tiefgekühlt an Großküchen der Firma Sodexo mit Sitz im hessischen Rüsselsheim und zwei weitere Anbieter von Schul- und Kantinenessen geliefert. Ein Caterer habe die Erdbeeren zugeliefert bekommen und sie anschließend zu Kompott verarbeitet, der mit Grießbrei gereicht wurde.

Frühe Indizien für Tiefkühl-Erdbeeren als Ursache

Der Caterer Sodexo teilte nun mit, dass es bereits nach der Entdeckung der ersten Erkrankungen bei firmeninternen Ermittlungen Indizien gegeben habe, dass Tiefkühl-Erdbeeren als mögliche Ursache in Betracht kommen. Diese seien daraufhin vorsorglich und unverzüglich in allen Sodexo-Küchen "gesperrt" worden.

"Wir werden alles technisch und organisatorisch Machbare unmittelbar umsetzen, damit das Eintreten eines vergleichbaren Falles in Zukunft möglichst ausgeschlossen werden kann. Wir werden unsere ohnehin strengen Regularien nochmals kritisch überprüfen", heißt es weiter.

Noroviren sind besonders widerstandfähig

Zu den Infektionen sei es wahrscheinlich in Einrichtungen gekommen, die diese Tiefkühlware vor dem Servieren als Nachspeise nicht vollständig erhitzt hätten. Wenn gefrorene Erdbeeren nur aufgetaut oder zu schwach erhitzt würden, könnten nicht alle Keime sicher abgetötet werden. Noroviren gelten zum Beispiel als besonders kälteresistent und hitzebeständig.

Sie waren auch von Anfang an im Visier der Mikrobiologen. Die unterschiedliche Art des Auftauens könnte nach Angaben der Ermittler erklären, warum es in einigen Einrichtungen zum Brechdurchfall kam, in anderen aber nicht.

Für die weiteren Ermittlungen ist die gesamte verdächtige Erdbeerware bereits gesperrt worden - oder sie wird gerade zurückgerufen. Nach derzeitigen Erkenntnissen sind die Erdbeeren nicht in den privaten Handel gekommen, sondern es handelte sich um Großpackungen.

Krankheitswelle mittlerweile abgeflaut

In Ostdeutschland sind nach den jüngsten Zahlen des Robert-Koch-Instituts bisher rund 11.200 Menschen an Brechdurchfall erkrankt, vorwiegend Kinder und Jugendliche. Bis auf Sachsen ist die Welle nach einem Höhepunkt zwischen dem 25. und 28. September aber wieder abgeebbt.

Bei den meisten Patienten verlief die Infektion unkompliziert. 32 Patienten kamen allerdings in ein Krankenhaus. Das RKI wertet den Ausbruch insgesamt als die bisher größte lebensmittelbedingte Krankheitswelle in Deutschland.

Stand: 06.10.2012 02:16 Uhr

Ihre Meinung - meta.tagesschau.de

20 Kommentare zur Meldung. Kommentierung der Meldung beendet.

Darstellung: