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23.02.2012

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Regierungspolitiker kritisieren Erdogans Düsseldorfer Rede
Kritik an Erdogans Düsseldorfer Rede

"Damit schürt er unnötig Misstrauen"

Die gestrige Rede des türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan vor rund 10.000 Menschen in Düsseldorf hat bei Politikern der Regierungsparteien zum Teil heftige Kritik hervorgerufen.

Ministerpräsident Erdogan (Foto: REUTERS) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: "Unsere Kinder müssen Deutsch lernen, aber sie müssen erst gut Türkisch lernen",sagte Erdogan in Düsseldorf. ]
CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe wies die Warnung Erdogans vor einer wachsenden Ausländerfeindlichkeit in Deutschland und einer Assimilation der türkischen Migranten zurück. Erdogan erweise den Integrationsbemühungen in Deutschland einen Bärendienst, erklärte Gröhe.

Erdogan tue so, als ziele deutsche Integrationspolitik darauf ab, kulturelle Wurzeln von Migranten zu kappen, kritisierte Gröhe weiter: "Damit schürt er unnötig Misstrauen." Integration gelinge nicht besser, wenn sich Deutsche mit türkischer Herkunft aus Angst vor vermeintlichem Anpassungsdruck "einem offenen Austausch und guten Miteinander verweigern", sagte Gröhe. Der türkische Ministerpräsident solle besser stärker für die Vorteile einer gelingenden Integration werben.

FDP: Rede mit "verstörendem Charakter"

Außenminister und FDP-Chef Guido Westerwelle nannte das Erlernen der deutschen Sprache den "Schlüssel zur Integration" von Migranten in Deutschland. Kinder, die in Deutschland groß werden, müssten zu erst Deutsch lernen. Ohne die deutsche Sprache "kommen sie in der Schule nicht mit und haben später schlechtere Chancen als andere". Westerwelle reagierte damit auf Erdogans Forderung, türkischstämmige Kinder sollten zuerst Türkisch lernen.

Auch FDP-Generalsekretär Christian Lindner kritisierte Erdogan. Es sei "merkwürdig", wenn Erdogan den Eindruck erwecke, dass es sich bei den aus der Türkei Zugewanderten um eine "nationale Minderheit" handele. "Tatsächlich geht es um Menschen, die wir in unser Land integrieren wollen." Die Rede des Regierungschefs habe daher einen "verstörenden Charakter".

Auch Lindner betonte, es müsse darum gehen, dass deutsche Staatsbürger mit türkischen Wurzeln die Bundesrepublik als ihre Heimat begriffen und die Türkei als das Land ihrer Herkunft. Es sei "nicht akzeptabel", dass Erdogan dies relativiere.

Die Halle des ISS-Dome beim Auftritt des türkischen Ministerpräsidenten Erdogan. (Foto: dpa) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Zehntausend Anhänger bejubelten Erdogan. ]

Dobrindt sieht "nicht hinnehmbare Entgleisung"

Die CSU hat den Auftritt des türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan am Sonntagabend in Düsseldorf scharf kritisiert. Dieser habe Integrationsbemühungen um Jahre zurückgeworfen. "Es ist ein beispielloser Vorgang, dass ein ausländischer Regierungschef in regelmäßigen Abständen seine bei uns lebenden Landsleute aufwiegelt", sagte CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt.

Erdogans Aussage, die Türkei sei die Schutzmacht für alle Türken, auch in Deutschland und Libyen, sei "eine nicht hinnehmbare Entgleisung. Wir lassen uns von Herrn Erdogan nicht mit Libyen vergleichen." CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt hat die Bundesregierung aufgefordert, den türkischen Botschafter einzubestellen.

Türkischer Wahlkampf in Düsseldorf:

Ministerpräsident Erdogan (Foto: REUTERS)

Erdogan: "Niemand wird uns von unserer Kultur losreißen"

Erdogan hatte seine Landsleute zur Integration aufgerufen, sich aber erneut gegen eine zu starke Anpassung gewandt. Schon bei seinem Deutschlandbesuch vor drei Jahren hatte Erdogan eine ähnliche Position vertreten und damals damit einen Streit ausgelöst. "Niemand wird in der Lage sein, uns von unserer Kultur loszureißen", sagte er. "Unsere Kinder müssen Deutsch lernen, aber sie müssen erst gut Türkisch lernen."

Erdogan warnte auch vor einer wachsenden Ausländerfeindlichkeit in Deutschland. Eine solche Entwicklung werde in der Türkei "mit großer Beunruhigung" verfolgt, sagte er vor rund 10.000 Menschen. Deutsche Politiker sollten diese Feindlichkeit mit ihren Äußerungen "nicht weiter aufbauschen". Auch eine zunehmende negative Stimmung gegen den Islam kritisierte der türkische Premier. "Islamphobie ist ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit, genauso wie Rassismus", erklärte Erdogan.

Stand: 28.02.2011 15:17 Uhr
 

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