Zur Haupt-Navigation der ARD.
Zum Inhalt.
Im Zeitalter der Globalisierung sind Indien und China zu Wirtschaftsmächten geworden. Trotzdem erhalten sie aus dem deutschen Staatshaushalt noch Entwicklungshilfe - das hat für Kritik gesorgt. Was ist Entwicklungshilfe, wer bekommt sie und wie viel? tagesschau.de hat die wichtigsten Fragen und Antworten zusammengestellt.
Was will Entwicklungshilfe?
Die Politik spricht heute lieber von Entwicklungszusammenarbeit. So heißt das Ressort auch Ministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). Die Ziele der Bundesregierung: Armut bekämpfen, Frieden sichern und Demokratie verwirklichen, die Globalisierung gerecht gestalten und die Umwelt schützen.
Wie wird Entwicklungspolitik umgesetzt?
Durch eine technische oder eine finanzielle Zusammenarbeit mit den Entwicklungsländern.
Was heißt technische Zusammenarbeit?
Zum Beispiel die Bereitstellung von Fachkräften und Material für Entwicklungsprojekte oder den Einsatz von Entwicklungshelfern, aber auch Beratungsleistungen und die Ausbildung von Fachkräften aus Entwicklungsländern.
Was heißt finanzielle Unterstützung?
In erster Linie günstige Kredite zur Finanzierung von Entwicklungsprojekten - die zurückgezahlt werden müssen. Die Zinsen liegen zwischen 0,75 und zwei Prozent bei bis zu 30 Jahren Laufzeit.
[Bildunterschrift: Der größte Teil deutscher Entwicklungshilfe geht nach Afrika: Ein Mitarbeiter des deutschen Entwicklungsdienstes berät Klein-Unternehmer in Ghana. ]
Bekommen Entwicklungsländer auch Geld geschenkt?
Ja. Die 50 ärmsten Entwicklungsländer erhalten keine Kredite, sondern Finanzierungszuschüsse. Sie bekommen also Geld geschenkt. Die technische Unterstützung ist immer kostenlos.
Wo liegt der geographische Schwerpunkt der deutschen Hilfe?
In Afrika, insbesondere in den Ländern südlich der Sahara. Ein Drittel bis etwa die Hälfte der Mittel ging in den vergangenen Jahren in afrikanische Länder.
Wo liegt der inhaltliche Schwerpunkt?
Neben der "klassischen" Entwicklungshilfe wie Armutsbekämpfung und Ernährungssicherung in den Bereichen, in denen die Deutschen besonders kompetent sind. Laut BMZ spielen zum Beispiel die erneuerbaren Energien bei allen Projekten eine wichtige Rolle.
[Bildunterschrift: Ein indisches Kind bei der Arbeit auf einer Baustelle. 30 Prozent der Inder leben unter der Armtusgrenze. Indien erfüllt trotz Wohlstands für eine kleine Schicht noch die Kriterien eines Entwicklungslandes. ]
Wer bekommt am meisten Geld von Deutschland?
Das schwankt. Ein Erlass von Altschulden – wie er bei den ärmsten Ländern in den vergangenen Jahren erfolgte – zählt als Entwicklungshilfe und bringt ein Land möglicherweise kurzfristig nach vorn. In einer Auflistung des BMZ für tagesschau.de liegt Afghanistan mit rund 100 Millionen Euro derzeit an der Spitze. Weitere Beispiele: Vietnam 49, Ägypten 44, Mosambik 46, Ruanda 25 Millionen Euro.
Wie viel Geld bekommt China von Deutschland?
68 Millionen Euro, 50 Millionen davon als Kredit. Laut BMZ sind das 0,052 Euro pro Kopf der chinesischen Bevölkerung. Die Mittel sind seit 1998 deutlich gesunken. Das Geld wird unter anderem für den Klimaschutz in Kohlekraftwerken, Energieeffizienz, die Förderung der Windenergie und für ein Finanzprojekt für kleine und mittlere Unternehmen verwendet.
Und wie viel bekommt Indien?
Für Indien sind 64 Millionen Euro vorgesehen, ebenfalls überwiegend als Darlehen. Der größte Teil geht in ein Projekt für die bessere Versorgung der armen Landbevölkerung mit Kleinstkrediten.
Warum erhalten Länder wie China und Indien noch Geld?
Bei Ländern wie diesen geht es um eine "strategische Zusammenarbeit" bei Entwicklungsaufgaben - Entwicklungspolitik also als "Türöffner" für die Zusammenarbeit bei globalen Zielen, etwa Konfliktprävention und Klimaschutz. Indien wie China gelten als "Ankerländer". Sie sind wichtig für Ihre Regionen und wichtige wirtschaftliche Partner. Weitere "Ankerländer" sind etwa Indonesien, Nigeria, Ägypten und Brasilien.
Was bringt die Entwicklungshilfe Deutschland?
Das BMZ verweist auf Studien, wonach die Entwicklungspolitik zur Sicherung von 240.000 Arbeitsplätzen beiträgt. Eine Milliarde im Entwicklungsetat zieht demnach bis zu drei Milliarden Umsatz beim Export nach sich. Kritiker sehen darin genau das Problem. Entwicklungsgelder fließen über Aufträge in die Geberländer zurück. Sie fordern daher vor allem eine Förderung der Strukturen und Industrien vor Ort.
Was sagt die Wirtschaft zur Entwicklungshilfe?
Sie begrüßt das Engagement auch in schon weiter entwickelten Ländern, denn so werden die Beziehungen gefördert - auch die wirtschaftlichen.
[Bildunterschrift: Luftverschmutzung im chinesischen Linfen: Ein Schwerpunkt deutscher Entwicklungshilfe sind Umweltschutz und erneuerbare Energieen. ]
Was ist Entwicklungshilfe und was nicht?
Die OECD hat mit den "Official Development Assistance"-Richtlinen (ODA) genau festgelegt, welche Leistungen oder Finanzhilfen als Entwicklungshilfe gelten. Die ODA-Summen sind oft mehr als die ursprünglichen Finanzmittel des Geberlandes, denn an einem Entwicklungs-Projekt beteiligen sich auch Menschen oder Institutionen in den Empfängerländern mit Krediten oder Eigenleistung. Entwicklungshilfe "mobilisiert" also Geld und hat eine "Hebelwirkung".
Wie viel zahlt Deutschland für Entwicklungshilfe?
Der Etat des Entwicklungsministeriums betrug 2007 4,5 Milliarden Euro. Rund ein Drittel fließt an internationale Institutionen, wie beispielsweise die UN-Kinderhilfsorganisation UNICEF, das Weltgesundheitsprogramm (WHO), die Weltbank oder EU-Entwicklungshilfe-Organisationen. Auch über diese Organisationen werden Entwicklungsprojekte finanziert. Nichtstaatliche Organisationen erhielten übrigens 2005 rund ein Achtel des Etats des BMZ als Fördergelder.
Wie viel geben andere Länder für Entwicklungshilfe aus?
Der ODA-Anteil am Bruttoinlandsprodukt (BIP) zeigt, wer viel und wer wenig fördert. Deutschland liegt derzeit bei 0,35 Prozent des BIP, knapp über dem Durchschnitt. Die Skandinavier sind Spitze - ganz vorn ist Schweden mit 1,03 Prozent. Schlusslicht sind die USA und Griechenland mit 0,17 und 0,16 Prozent. Bis 2010 wollen die EU-Mitglieder ihren ODA-Anteil auf 0,51 steigern.
Wer macht die Arbeit vor Ort?
Für die finanzielle Zusammenarbeit ist die Entwicklungsbank der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) zuständig. Die technische Zusammenarbeit geschieht über Organisationen wie die bundeseigene Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit oder den Deutschen Entwicklungsdienst. Nichtstaatliche Oganisationen sind ebenfalls dabei.
Die Landesrundfunkanstalten der ARD: BR, HR, MDR, NDR, Radio Bremen, RBB, SR, SWR, WDR,
Weitere Einrichtungen und Kooperationen: ARD Digital, ARTE, PHOENIX, 3sat, KI.KA, DLF/ DKultur, DW