Einmalzahlung für 25.000 Menschen

Entschädigung für Juden aus Algerien

Stand: 05.02.2018 17:07 Uhr

Deutschland entschädigt 25.000 Juden, die während der Nazi-Zeit in Algerien unter antisemitischen Gesetzen zu leiden hatten. Sie erhalten eine Einmalzahlung, wie das Bundesfinanzministerium bestätigte.

Deutschland will erstmals eine große Gruppe von Holocaust-Überlebenden aus Algerien entschädigen. Die Claims Conference teilte in Tel Aviv mit, es handele sich um schätzungsweise 25.000 algerische Juden. Die meisten von ihnen lebten heute in Frankreich. Die algerischen Juden sollten eine einmalige Zahlung von jeweils 2556 Euro erhalten.

Dies sei das Ergebnis von Verhandlungen der Claims Conference mit der deutschen Regierung, sagte eine Sprecherin. Das Bundesfinanzministerium bestätigte die Vereinbarung über eine einmalige Leistung. "Die besondere historische Konstellation in Algerien erforderte längere gemeinsame Gespräche", teilte ein Sprecher mit.

Entschädigt werden sollen nun Juden, die zwischen Juli 1940 und November 1942 in Algerien lebten und unter Nazi-Verfolgung litten, hieß es in der Mitteilung der Claims Conference.

Rüdiger Mahlo, Repräsentant der Claims Conference in Deutschland, sagte: "Die Zahlung ist ein kleiner Teil der Gerechtigkeit, die diese Überlebenden verdient haben, aber die Anerkennung ist wichtig, und wir werden weiter kämpfen, bis jeder Überlebender anerkannt worden ist."

Benachteiligungen bei Bildung und Arbeit

Die Juden in Algerien, Marokko und Tunesien lebten bis 1942 unter dem Vichy-Regime, das mit Nazi-Deutschland verbündet war. Sie waren von antisemitischen Gesetzen des französischen Marschalls Philippe Pétain betroffen. Nach Angaben der israelischen Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem lebten bei Ausbruch des Zweiten Weltskriegs 1939 rund 120.000 Juden in Algerien.

Nach Angaben der Claims Conference litten die Betroffenen unter anderem unter Beschränkungen im Bereich der Bildung, des politischen Lebens und der Arbeit. Ihnen sei die französische Staatsbürgerschaft entzogen worden und sie seien "ausgesondert worden, nur weil sie Juden waren".

56 Milliarden Euro Entschädigung seit 1952

Die 1951 gegründete Conference on Jewish Material Claims against Germany, kurz Claims Conference, ist der Dachverband jüdischer Organisationen, der sich für Wiedergutmachung für Überlebende des Holocaust oder deren Erben einsetzt.

Als Ergebnis von Verhandlungen mit der Claims Conference habe Deutschland seit 1952 umgerechnet rund 56 Milliarden Euro Entschädigung an Nazi-Verfolgte gezahlt.

Die Überlebenden aus Algerien seien vermutlich die letzte große Gruppe, die eine solche Entschädigung von Deutschland erhalten werde, sagte Greg Schneider, Vize-Präsident der Claims Conference, der israelischen Zeitung "Haaretz".