Kollegen bei der Arbeit | Bildquelle: picture alliance / PhotoAlto

Neues Gesetz in Kraft Mehr Transparenz für mehr Lohngerechtigkeit

Stand: 06.01.2018 09:19 Uhr

Wer verdient wieviel? Ein Tabu-Thema in vielen Unternehmen. Ein neues Gesetz gibt Beschäftigten das Recht, zu erfahren, wie ihre Kollegen bezahlt werden. Das soll Diskriminierung im Verborgenen verhindern und Lohngerechtigkeit zwischen Männern und Frauen fördern.

Von Ute Schyns, WDR

Statistisch gesehen werden Frauen in Deutschland auch heute noch für vergleichbare Arbeit im Durchschnitt schlechter bezahlt als Männer. Mit dem "Gesetz zur Förderung der Entgelttransparenz" erhalten Beschäftigte einen individuellen Anspruch darauf, zu erfahren, wie viel ihre Kollegen für eine gleichwertige Tätigkeit verdienen. "Herr Schmitz bekommt 2500 Euro brutto" - so konkret ist der Auskunftsanspruch allerdings nicht.

Auskunft nur über Durchschnittsgehälter

Stattdessen muss der Arbeitgeber das mittlere Gehalt von mindestens sechs Mitarbeitern des jeweils anderen Geschlechts benennen, die einen ähnlichen Job machen. Darüber hinaus können Mitarbeiter Kriterien erfragen, die für die Höhe ihres Gehalts ausschlaggebend sind. Voraussetzung ist, dass der Betrieb mehr als 200 Beschäftigte hat. Betriebe mit mehr als 500 Mitarbeitern müssen nach dem neuen Gesetz zudem neue Prüfverfahren und Berichtspflichten beachten. Ab dem 6. Januar 2018 können Beschäftigte die neuen Auskunftsansprüche einfordern. 

Wer auf Grundlage seiner neuen Rechte nun herausfinden möchte, ob die Kollegen mehr verdienen, dem rät der Arbeitsrechtler Michael Felser, sich zunächst an den Betriebsrat zu wenden. "Das hat den Vorteil, dass man die Informationen auch anonym einholen kann." In tarifgebundenen Unternehmen ist grundsätzlich der Betriebsrat für die Auskünfte zuständig. Gibt es den nicht, müssen sich Mitarbeiter alternativ an die Personalabteilung wenden.

Zu wenig Lohn - und nun?

Falls sich herausstellt, dass das Gehalt zum Beispiel einer Projektmanagerin im Vergleich zu dem der männlichen Kollegen zu niedrig ist, muss die Mitarbeiterin Betriebsrat oder Chef einschalten. "Doch wenn sich der Arbeitgeber uneinsichtig zeigt, bleibt den Beschäftigten nur die Möglichkeit zu klagen, um ihre Rechte durchzusetzen", sagt der Jurist Michael Felser. Daran habe auch das neue Entgelttransparenzgesetz nichts geändert. Doch durch die Auskunftsansprüche hätten es Betroffene zumindest einfacher, eine mögliche Benachteiligung nachzuweisen.

Ein gutes Gesetz?

Gewerkschaftsvertreter befürworten mehr Lohntransparenz. Doch vielen ist das neue Gesetz zu lax. Einer der Kritikpunkte ist, dass der Auskunftsanspruch nur für Unternehmen mit mehr als 200 Mitarbeitern gilt. Frauen in kleineren Betrieben haben den Anspruch also nicht. Zudem kritisieren Gewerkschaften, dass kein Verbandsklagerecht eingeführt wurde, und Arbeitnehmer ihre Ansprüche nur auf dem individuellen Klageweg durchsetzen können. Zudem sieht das Gesetz bei Verstößen keine Sanktionen vor.

Arbeitgebervertreter dagegen finden das Entgelttransparenzgesetz zu bürokratisch und fürchten hohe Anwaltskosten. Sinnvoller sei beispielsweise, die Kinderbetreuung auszubauen.

Für den Arbeitsrechtler Felser ist das Gesetz jedoch ein Schritt in die richtige Richtung. Seiner Meinung nach erhöht es den Druck auf Arbeitgeber, für mehr Lohngerechtigkeit zu sorgen.

Lohnunterschiede in Deutschland

In Deutschland lag die Lohnlücke zwischen Männern und Frauen, das sogenannte Gender Pay Gap, zuletzt bei 21 Prozent. So groß sei der Unterschied zwischen den durchschnittlichen Stundenlöhnen, sagt das Statistische Bundesamt. Werden jedoch die Verdienstunterschiede herausgerechnet, die etwa durch Branche, Berufswahl und Qualifikation entstehen, verbleibt immer noch eine Lohnlücke von sechs Prozent - so viel verdienen Frauen für den gleichen Job im Durchschnitt weniger.

Heißt auch: Der Löwenanteil der Lohnlücke liegt an anderen Faktoren - zum Beispiel daran, dass Frauen seltener in Führungspositionen arbeiten, häufiger in Teilzeit und in Berufen, die an sich schlechter bezahlt werden.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 06. Januar 2018 um 10:15 Uhr.

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