Optionen für ein Atommüll-Endlager in Deutschland

Atommüll (Bildquelle: dpa)

Vor- und Nachteile verschiedener Gesteine

Wo könnte der Atommüll hin?

Atommüll ist der gefährlichste Müll, der je produziert wurde. In den 60er-Jahren dachte man noch, man könne ihn einfach ins Meer kippen. Heute ist man schlauer, hat aber immer noch keine Lösung. Wo könnte es in Deutschland ein Endlager geben? Und welche Vor- und Nachteile haben verschiedene Gesteine?

Von Jürgen Döschner, WDR-Wirtschaftsredaktion

"Ich habe mir sagen lassen, dass der gesamte Atommüll, der in der Bundesrepublik im Jahr 2000 vorhanden sein wird, in einen Kasten hineinginge, der ein Kubus von 20 Metern Seitenlänge ist. Wenn man das gut versiegelt und verschließt und in ein Bergwerk steckt, dann wird man hoffen können, dass man damit dieses Problem gelöst hat." So einfach stellte sich der Physiker und Philosoph Carl Friedrich von Weizsäcker 1969 die Lösung des Atommüll-Problems vor.

Der Lösung nicht wirklich näher gekommen

Inzwischen wissen wir, dass Weizsäcker zumindest mit seiner Mengenschätzung gar nicht so schlecht lag. Derzeit haben wir in Deutschland rund 10.000 Kubikmeter hochradioaktiven Atommüll angesammelt, bis 2040 werden es 24.000 Kubikmeter sein. Doch eine Lösung des Problems ist keineswegs so einfach, wie es sich der Physiker damals ausgemalt hat - und wir sind einer solchen Lösung weder in Deutschland, noch sonst irgendwo auf der Welt, wirklich einen Schritt näher gekommen.

"Verschickung zum Mond" kein Thema mehr

Immerhin hat man sich mittlerweile von einigen der absurdesten und gefährlichsten Ideen zur Entsorgung des Atommülls verabschiedet - sei es die Verdünnung und Verteilung auf Äckern, das Einfrieren in der Arktis, die "Verschickung" zum Mond oder die Verklappung im Meer.

Wissenschaftler und Politiker sind sich inzwischen weitgehend einig, die hochradioaktiven Abfälle dauerhaft in sicheren Gesteinsschichten unterirdisch zu lagern. Als "Wirtsgestein" kommen dafür nur Salz, Ton oder kristallines Gestein wie zum Beispiel Granit in Frage, also Materialien, die eine vollständige und langfristige Isolation gegenüber anderen, vor allem Wasser führenden Gesteinsschichten garantieren.

Anforderungen an ein Endlager für Atommüll
ARD-Morgenmagazin, 09.04.2013, Eva Mommsen, WDR

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Salz leitet Wärme, ist aber wasserlöslich

Steinsalz hat aus Sicht vieler Experten die größten Vorteile: Zum einen gibt es - vor allem in Norddeutschland - zahlreiche Lagerstätten von ausreichender Mächtigkeit, die für ein zentrales Endlager geeignet wären. Ein weiterer Vorzug ist die hohe Wärmeleitfähigkeit von Steinsalz, da insbesondere die abgebrannten Brennelemente noch über Jahrzehnte Wärme abgeben. Da Salz außerdem elastisch ist und sich im Laufe der Zeit bewegt, kann es die eingelagerten Atommüllbehälter sicher und lückenlos umschließen.

Größter Nachteil: Salz ist wasserlöslich. Bei einem Wassereinbruch wäre die Sicherheit des Endlagers nicht mehr gegeben. Als geeignete Standorte nennt die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) neben Gorleben unter anderem die Salzstöcke Waddekath, Wahn, Zwischenahn und Gülze-Sumte. Sie liegen allesamt in Norddeutschland.

Ton kommt in vielen Regionen Deutschlands vor

Ton ist ähnlich wie Salz flexibel, sorgt also für einen sicheren Einschluss. Außerdem ist Ton nicht wasserlöslich, und in vielen Regionen Deutschlands, von Niedersachsen über Nordrhein-Westfalen bis nach Baden-Württemberg und Bayern, finden sich laut BGR geeignete Vorkommen. Zu den Nachteilen von Ton gehören unter anderem die geringe Standfestigkeit der Lagerstätten und seine unzureichende Fähigkeit, Wärme abzuleiten.

Aus Granit könnte der Müll wieder rausgeholt werden

Auch Granit ist nicht wasserlöslich und zugleich sehr standfest. Allerdings müssen die Abfallbehälter in den Granitkammern zusätzlich isoliert werden. Der wichtigste Unterschied zu Ton und Salz ist aber die Möglichkeit, den Atommüll ohne großen Aufwand auch nach längerer Zeit wieder aus dem Lager heraus zu holen. Nicht zuletzt wegen dieser Rückholbarkeit hat sich zum Beispiel Finnland für ein Granit-Endlager entschieden. In Deutschland gäbe es laut GBR geeignete Vorkommen unter anderem im Fichtelgebirge, in der Oberpfalz, im Erzgebirge und in der Lausitz.

Deutliche Häufung möglicher Standorte im Norden

Schon die grundsätzliche Entscheidung für ein unterirdisches Endlager hat also zu Folge, dass die Landkarte, auf der nun nach möglichen Standorten gesucht werden soll, alles andere als weiß ist. Sie hat vielmehr jede Menge Flecken - mit einer deutlichen Häufung im Norden der Republik. Denn die in Frage kommenden Gesteinsformationen sind nicht überall zu finden.

Eine weitere Einschränkung ergibt sich durch die noch zu treffenden Grundsatzentscheidung darüber, ob der hochradioaktive Abfall rückholbar oder nicht rückholbar gelagert werden soll. In der rückholbaren Variante käme als "Wirtsgestein" nur Granit in Frage. Gorleben und andere Salzstöcke sowie Tonlager wären aus dem Rennen. Beide Varianten haben Vor- und Nachteile. Experten streiten seit Jahren darüber, was besser wäre.

Jürgen Döschner (ARD-Energieexperte) zum Endlager-Streit
ARD-Morgenmagazin, 09.04.2013

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Kommissionen kommen zu unterschiedlichen Bewertungen

Der "Arbeitskreis Auswahlverfahren Endlagerstandorte", ein unabhängiges Beratergremium des Umweltministeriums, sprach sich 2002 in seinem Abschlussbericht für das Prinzip des ewigen, natürlichen Einschlusses, also gegen die Rückholbarkeit aus. Die Ethikkommission zum Atomausstieg unter Ex-Umweltminister Klaus Töpfer dagegen, votierte dagegen in ihrem Abschlussbericht eindeutig für eine rückholbare Lagerung des Atommülls - nicht zuletzt deshalb, weil dadurch der "Suchraum" für ein Endlager über Gorleben hinaus erweitert würde.

Bevor also auch nur ein einziger Ortsname oder Name einer Region genannt wird, werden die Mitglieder der vorgeschlagenen Enquete-Kommission durch die grundsätzlichen Entscheidungen für oder gegen bestimmt Prinzipien der Entsorgung bestimmt Regionen ausschließen und andere ins Spiel bringen. Und in dieser Entscheidungsphase haben Geologen sicher mehr zu sagen als Politiker.

Stand: 09.04.2013 13:14 Uhr

Darstellung: