Cover der Emma | Bildquelle: picture-alliance / dpa

Die "Emma" wird 40 Immer streitlustig

Stand: 26.01.2017 05:16 Uhr

Für ihre Kritiker ist es ein "verbiestertes Emanzenblatt", für ihre Freunde hingegen das Sprachrohr der Frauenbewegung: die "Emma" wird 40. Über Themen, Kampagnen und die Rubrik "Pascha des Monats".

Von Antraud Cordes-Strehle, WDR

"Emma" hätte natürlich auch "Nora" heißen können. Oder "Amazone". Oder "Die Kriegerin". Aber Alice Schwarzer, von Beginn an Herausgeberin und Chefredakteurin, gefiel "Emma" für ein Magazin über Emanzipation besser. Weil der Name das Gegenteil von dem war, was alle erwarteten und weil er auf die Em(ma)nzipation anspielte. "Der Vorschlag kam übrigens von einem Mann", erzählt sie. "Damals war der Name überhaupt nicht in Mode. Aber ich fand, es war so ein runder, klassisch weiblicher Name."

Alice Schwarzer | Bildquelle: picture-alliance / dpa/dpaweb
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Herausgeberin der ersten Stunde: Alice Schwarzer

Als "Zeitschrift für Frauen von Frauen" kam "Emma" am 26. Januar 1977 auf den Markt. Die Auflage: 300.000 Exemplare. Das erste Heft kam schlicht daher, verzichtete auf Glamour - anders als die üblichen Frauenzeitschriften - und kostete drei Mark.

Als "Emma" zum ersten Mal vom Band rollte, war die Welt eine andere - vor allem für Frauen. Erwerbstätig durften sie in Deutschland beispielsweise nur dann sein, wenn dies mit ihren Pflichten in Ehe und Familie vereinbar war. Erst wenige Monate später trat ein Gesetz in Kraft, das Frauen die Erwerbstätigkeit ohne Einschränkung erlaubte.

Wenig verwunderlich, dass die Zeitschrift damals weg ging wie warme Semmeln. Männerjustiz, die Benachteiligung von Frauen bei einer Scheidung, ein Interview mit Romy Schneider - Themen in der ersten "Emma".

Sprachrohr der Frauenbewegung

Schnell war "Emma" das Sprachrohr der Frauenbewegung im deutschsprachigen Raum. "Es gab natürlich schon vorher reichlich Frauenbewegungspresse, Blätter aus Frauenzentren zum Beispiel. Aber das war etwas anderes. Mein Anspruch als Journalistin und der meiner Kolleginnen war: Wir machen jetzt ein professionelles Blatt, das an den Kiosk geht und dort neben dem "Spiegel" und dem "Stern" steht", erzählt Schwarzer.

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40 Jahre "Emma"

Das Cover der aktuellen Jubiläums-Ausgabe der Emma

"Emma" wird 40 Jahre alt. Die Zeitschrift gilt als Leitblatt des Feminismus in Deutschland und hat die Chancengleichheit von Mann und Frau zum Ziel. | Bildquelle: dpa

Streitlustig und kämpferisch schrieben Autorinnen in der "Emma" gegen Machotum und Sexismus an. Und ja, es waren und sind bis heute ausschließlich Frauen, die für "Emma" arbeiten. "Wir wollen mit Frauenaugen auf die Themen schauen, die uns bewegen", sagt Schwarzer. Sie wird dafür als "Männerfeindin" kritisiert und die "Emma" als "verbiestertes Emanzenblatt". 1994 wurden die Redaktionsräume überfallen, Düngemist wurde verstreut, die Wände wurden beschmiert - 100.000 DM Schaden. "Ich bin ein bisschen stolz darauf, dass wir durchgehalten haben, dass wir den ganzen Gegenwind und die Häme ausgehalten haben", meint Schwarzer.

Rubrik "Pascha des Monats"

Und Schwarzer ist stolz auf die vielen "Emma"-Kampagnen, die für Furore sorgten. 1978 zog "Emma" gegen den "Stern" vor Gericht. Die Titelbilder seien zu pornografisch. Auch wenn die Feministinnen mit ihrer Klage auf Unterlassung der aus ihrer Sicht sexistischen Darstellung der Frauen scheiterten - sie hatten für Aufsehen gesorgt und auch viele Sympathien gewonnen. Weitere Aktionen waren: für den freiwilligen Einsatz von Frauen bei der Bundeswehr, für die Elternzeit von Vätern, für den Frauenfußball und gegen den Magerwahn.

In "Emma" gab es neben der ernsthaften Auseinandersetzung mit gesellschaftsrelevanten Themen aber auch Lustiges: die Rubrik "Pascha des Monats" zum Beispiel: vom Dalai Lama über Helmut Schmidt bis zu David Bowie stehen auf der Liste der Nominierten.

Die Hochzeit ist vorbei

Doch ungeachtet der Verdienste von "Emma", ungeachtet der vielen angestoßenen Debatten hat die Zeitschrift es heute schwerer als zu ihren Hochzeiten. "Klar, viele Leute kaufen gar keine Zeitungen mehr. Das ist natürlich schlecht für ein Magazin, das keinen Konzern im Rücken hat und kaum Werbung im Heft hat. Wir finanzieren uns seit 40 Jahren über Abos und den Verkauf", erklärt Schwarzer. Davon, dass der Feminismus ausgedient hat und nicht mehr interessiert, will sie nichts wissen. Jede vierte Leserin sei unter 30 Jahre alt. Und das Interesse gerade der jungen Generation spiegele sich auch in den Besuchen auf den digitalen "Emma"-Angeboten im Netz. "Themen gibt es doch auch heute noch genug: die Arbeitsteilung zwischen Männern und Frauen, dass jede zweite Frau in Deutschland Teilzeit arbeitet und ihr Altersarmut droht, sexuelle Gewalt, Frauen im Islam."

Alice Schwarzer
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"Emma" macht Spaß, sagt Schwarzer auch nach 40 Jahren.

Schwarzer spricht von einem Gefühl des gesellschaftlichen Aufbruchs. Die politischen und gesellschaftlichen Veränderungen hierzulande und auch in den USA ließen Frauen wieder aktiver werden. "Vom Women's March am vergangenen Samstag in Washington war ich wirklich überrascht. Ich hätte nicht gedacht, dass im Jahr 2017 so viele auf die Straße gehen - für Gleichberechtigung und gegen Rassismus und Sexismus. Und dann so eine witzige Demo, eine mit Humor und mit diesen drolligen Mützchen. Das fand ich ein großartiges Zeichen gegen diesen autoritären und rückständigen Stil des neuen Präsidenten. Aber man muss jetzt mal schauen, ob sich das zu einer neuen, politischen Kraft formieren kann."

Ans Aufhören denkt Schwarzer jedenfalls auch nach 330 Ausgaben und 29.068 gefüllten "Emma"-Seiten nicht. Längst arbeitet  sie mit ihren Redakteurinnen an der nächsten Ausgabe. "Mal sage ich natürlich: Kann ich nicht mal ein halbes Jahr aussetzen? Und mal sage ich mir: Jetzt geht aber gerade richtig die Post ab! Das macht doch Spaß, "Emma" zu machen! Und in der Phase bin ich gerade!"

HP TS1700 Strehle EMMA_SEG.mp4
26.01.2017

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 26. Januar 2017 um 05:40 Uhr.

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