Käßmann zur EKD-Ratsvorsitzenden gewählt Erstmals Frau an der Spitze der Evangelischen Kirche

Stand: 28.10.2009 12:49 Uhr

Landesbischöfin Margot Käßmann
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Margot Käßmann wird die erste Frau an der EKD-Spitze.

Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) wird erstmals von einer Frau geführt. Die EKD-Synode in Ulm wählte die Landesbischöfin von Hannover, Margot Käßmann, zur Ratsvorsitzenden. Die 51-Jährige tritt die Nachfolge des Berliner Bischofs Wolfgang Huber an, der mit Erreichen des Pensionsalters ausscheidet.

Käßmann erhielt 132 von 142 Stimmen. Es gab fünf Nein-Stimmen und vier Enthaltungen, eine Stimme war ungültig. Sie ist damit die höchste Repräsentantin von 25 Millionen Protestanten in Deutschland. Zum Vizevorsitzenden wurde der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Nikolaus Schneider, nominiert.

EKD-Ratsvorsitz

Der Vorsitzende des EKD-Rates ist der höchste Repräsentant der Evangelischen Kirche Deutschlands (EKD). Der Rat der EKD schlägt eines seiner 15 Mitglieder als Vorsitzenden vor. Die Synode und die Kirchenkonferenz wählen dann den Vorsitzenden des Rates und seine Stellvertreter. Die Amtszeit beträgt sechs Jahre.

Der Rat, die Synode und die Kirchenkonferenz bilden zusammen die Gremien der EKD. Sie vertreten die Evangelische Kirche nach außen, koordinieren die Zusammenarbeit der Landeskirchen und der kirchlichen Verbände und arbeiten beratend. Außerdem beraten sie über und beschließen Kirchengesetze. Die Mitglieder der Gremien sind sowohl Theologen als auch Laien.

Käßmann kündigte an, am eingeschlagenen Reformkurs der Kirche festzuhalten. "Wir werden uns von den Mitgliedersorgen und Finanznöten nicht lähmen lassen, sondern mutig gemeinsam die Zukunft gestalten." In einem Interview mit dem SWR sagte sie, die evangelische Kirche wolle sich weiter vor allem für eine menschewürdige Pflege einsetzen. Außerdem kämpfe sie gegen die Bildungsarmut und für die Stärkung der Ökumene.

Käßmann ist seit mehr als zehn Jahren Bischöfin der größten evangelischen Landeskirche in Deutschland. Seit langem gilt sie neben Huber als das bekannteste Gesicht der Protestanten. Huber gratulierte seiner Nachfolgerin: "Ich bin sehr glücklich über die Entscheidung von Synode und Kirchenkonferenz", meinte er.

Katholiken und Lutheraner erfreut

Auch der katholische Bischof von Hildesheim, Norbert Trelle, gratulierte Käßmann: "Der Evangelischen Kirche in Deutschland geben Sie mit ihrer offenen und freundlichen Art ein kompetentes und sympathisches Gesicht. In der öffentlichen Diskussion, bei gesellschaftlichen Fragen und in den Medien beziehen Sie sachkundig und engagiert Position", erklärte er.

Der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch
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Erzbischof Robert Zollitsch will mit Käßmann "die ökumenischen Bande weiter entwickeln".

Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, sagte in seinem Glückwunschschreiben: "Lassen Sie uns gemeinsam die ökumenischen Bande weiter entwickeln."

Der evangelische Landesbischof von München, Johannes Friedrich, zeigte sich erfreut, dass erstmals seit 1985 wieder ein lutherischer Vertreter die protestantische Dachorganisation leite.

Mit der Wahl Käßmanns erhält die evangelische Kirche eine weibliche Doppelspitze. Bereits im Frühjahr war die Grünenpolitikerin Katrin Göring-Eckardt zur Vorsitzenden des Kirchenparlaments gewählt worden. Käßmann ist promovierte Theologin, sie hat vier erwachsene Töchter und ist geschieden.

Rat erstmals mit einem Mitglied weniger

Überschattet wurde die Wahl von den Ereignissen des Vortags: Rund 16 Stunden lang hatten die Delegierten in Ulm versucht, die in der Satzung vorgeschriebenen 14 Mitglieder für den Rat zu wählen. Nach zwölf Wahlgängen fehlte jedoch noch immer ein Mitglied für das Leitungsgremium, und es gab keine Bewerber mehr, weil die Synode der einzigen verbliebenen Kandidatin das Votum verweigerte. Daraufhin konstituierte sich der Rat erstmals in der Geschichte mit einer Person weniger.

Obwohl es gegen dieses Vorgehen zunächst Bedenken gegeben hatte, verabschiedeten die Delegierten am eine entsprechende Änderung der Geschäftsordnung. Das fehlende Mitglied soll bei der nächsten Synodentagung im kommenden Jahr gewählt werden.

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