Büste von Martin Luther | Bildquelle: dpa

Im Vorfeld des Reformationsjubiläums EKD verurteilt Luthers Antisemitismus

Stand: 11.11.2015 18:28 Uhr

Die EKD-Synode hat sich auf ihrer Tagung in Bremen vom christlichen Antisemitismus Martin Luthers distanziert. Aus dem Wissen um die Schuld erwachse eine besondere Verantwortung, jeder Form von Judenfeindschaft entgegenzutreten, heißt es in einer Erklärung.

Zum 500. Reformationsjubiläum 2017 will die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) weitere Lehren aus dem Judenhass Martin Luthers ziehen. In einer in Bremen einstimmig beschlossenen Kundgebung distanziert sich die EKD-Synode von den antisemitischen Aussagen Luthers und anderer Reformatoren. Luthers Empfehlungen zum Umgang mit Juden hätten Schmähungen und Forderungen nach vollständiger Entrechtung und Vertreibung der Juden eingeschlossen.

"Im Vorfeld des Reformationsjubiläums können wird an dieser Schuldgeschichte nicht vorbeigehen", heißt es in dem Text. Das weitreichende Versagen der evangelischen Kirche gegenüber dem jüdischen Volk erfülle mit Trauer und Scham. Aus dem Erschrecken über theologische Irrwege und dem Wissen um Schuld am Leid der Juden erwachse eine besondere Verantwortung, jeder Form von Judenfeindschaft entgegenzutreten.

Umkehr und Erneuerung

Das Reformationsjubiläum biete Anlass zur Umkehr und Erneuerung. "Luthers Sicht des Judentums und seine Schmähungen gegen Juden stehen nach unserem heutigen Verständnis im Widerspruch zum Glauben an den einen Gott, der sich in dem Juden Jesus offenbart hat", steht in der Stellungnahme. Bis 2017 werde die evangelische Kirche außerdem ihre Haltung zur umstrittenen Judenmission klären, kündigte Synodenpräses Irmgard Schwaetzer zum Abschluss der Jahrestagung des Kirchenparlaments an.

Zum Auftakt der Synode hatte der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, von der evangelischen Kirche eine deutliche Distanzierung von der Judenmission gefordert. Dieses für die Juden sehr wichtige Thema werde in der Kundgebung der Synode "leider sehr vage" behandelt, sagte Schuster.

Späte Aufarbeitung

Luthers Judenfeindschaft gilt als große Belastung für die Geschichte der evangelischen Kirche und wird den Schattenseiten im Wirken des Reformators zugerechnet. In Briefen und Schriften hatte sich Luther wiederholt mit den Juden befasst. In einem Brief vom August 1514 stellte sich der Reformator noch hinter den Humanisten Johannes Reuchlin, der sich gegen die Verbrennung jüdischer Schriften wandte. 1523 veröffentlicht Luther die Schrift "Dass Jesus Christus ein geborener Jude sei". 1538 folgt das Pamphlet "Wider die Sabbather", 1543 die berüchtigte Schrift "Von den Juden und ihren Lügen". Auch wenn sich keine einfachen Kontinuitätslinien ziehen ließen, "konnte Luther im 19. und 20. Jahrhundert für theologischen und kirchlichen Antijudaismus sowie politischen Antisemitismus in Anspruch genommen werden", heißt es in der Synoden-Kundgebung.

Erst nach 1945 sei es zu einem Lernprozess hinsichtlich des Versagens der Kirchen gegenüber dem Judentum gekommen. In der Neubestimmung des Verhältnisses zum Judentum habe die EKD jede Form von Judenfeindschaft verworfen. Entsprechende Äußerungen gebe es in den Verfassungen vieler evangelischer Landeskirchen.

Die evangelische Kirche erinnert in zwei Jahren an die Veröffentlichung der 95 Thesen durch Martin Luther. Der 31. Oktober 1517 gilt als Ausgangspunkt der weltweiten Reformation.

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