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Bei dem gefährlichen Durchfall-Erreger EHEC ist keine Entwarnung in Sicht. Nach Informationen des Robert-Koch-Instituts (RKI) steigt die Zahl der Neuerkrankungen vor allem in Norddeutschland weiter an. Es sei deshalb davon auszugehen, dass die Infektionsquelle noch aktiv ist, so das Bundesinstitut für Risikobewertung in Berlin.
Bundesverbraucherschutzministerin Ilse Aigner hält wegen der zahlreichen Erkrankungen infolge des EHEC-Erregers an der Warnung vor dem Verzehr roher Gurken, Blattsalate und ungekochter Tomaten fest. "Solange es den Experten in Deutschland und Spanien nicht gelungen ist, die Quelle des Erregers zweifelsfrei zu benennen, haben die allgemeinen Warnhinweise für Gemüse weiterhin Bestand", sagte die CSU-Politikerin der Online-Ausgabe von "Bild am Sonntag".
Am Samstag stieg die Zahl der Todesopfer in Deutschland im Zusammenhang mit dem EHEC-Erreger auf zehn. In einem Krankenhaus in Lübeck starb eine 86 Jahre alte Frau an der schweren Komplikation HUS, dem hämolytisch-urämischen Syndrom, wie das Universitätsklinikum Schleswig-Holstein berichtete.
Bereits am Donnerstagabend war eine 38 Jahre alte Frau in einem Kieler Krankenhaus an Nierenversagen infolge des Hämolytisch-Urämischen Syndroms (HUS) gestorben, sagte eine Krankenhaussprecherin. Die Frau sei einige Tage zuvor "bereits in einem sehr kritischen Zustand" eingeliefert worden, so die Sprecherin weiter. Bundesweit schweben mehrere Menschen weiter in Lebensgefahr. Erst am Freitag hatte sich die Zahl der Infektionen mit dem aggressiven Durchfallerreger in Schleswig-Holstein auf 248 mehr als verdoppelt.
Das Robert-Koch-Institut sprach am Freitag von 276 HUS-Erkrankten - das waren 60 Fälle mehr binnen 24 Stunden. Von einer EHEC-Epidemie wollte man dort aber noch nicht sprechen. Der Ausbruch sei noch zu regional und dauere nicht lange genug an, sagte eine Sprecherin. Bislang wurden - binnen etwa einer Woche - insgesamt rund 1000 bestätigte und EHEC-Verdachtsfälle registriert. Normalerweise werden in Deutschland im gesamten Jahr etwa 900 Infektionen mit den Bakterien gemeldet. Die Suche nach dem Ursprung des schlimmsten bisher in Deutschland registrierten EHEC-Ausbruchs geht unterdessen weiter. Bisher wurden die Erreger auf vier Salatgurken nachgewiesen, drei davon kamen aus Spanien.
Die spanischen Behörden dementierten inzwischen Informationen der EU-Kommission, wonach zwei Agrarbetriebe in Südspanien wegen EHEC-Verdachts vorübergehend geschlossen worden seien. In den beiden Betrieben in den Provinzen Almería und Málaga seien lediglich bestimmte Mengen von abgeernteten Gurken vorsichtshalber sichergestellt worden, die möglicherweise mit den in Deutschland aufgetretenen EHEC-Infektionen in Verbindung stehen könnten, teilte das Gesundheitsministerium der Region Andalusien in Sevilla mit. Die Produktion in den beiden Betrieben sei in keiner Weise gestoppt worden.
Die EU-Kommission hatte am Freitag mitgeteilt, die Betriebe seien vorübergehend geschlossen worden. Experten entnahmen in den Agrarbetrieben Boden-, Wasser und Produktproben. Diese werden derzeit analysiert. In Spanien gab es nach Angaben der Madrider Regierung bisher keine Fälle von EHEC-Erkrankungen.
Aus Spanien und den Niederlanden wurde unterdessen heftige Kritik an den Veröffentlichungen deutscher Behörden zu EHEC-Quellen laut. Man habe bei der Europäischen Union (EU) eine Beschwerde gegen die deutschen Berichte eingelegt, teilte das Madrider Agrarministerium mit. Deutschland habe gegen EU-Regeln verstoßen, sagte der Staatssekretär Josep Puxeu. Die Behörden hätten zuerst die Presse unterrichtet und nicht - wie vorgeschrieben - die Instanzen der EU. Dadurch drohten der spanischen Landwirtschaft große Verluste. Auch viele Landwirte vor allem im Norden Deutschlands können ihr Gemüse nicht mehr verkaufen.
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