Notos Quartett | Bildquelle: picture alliance / SvenSimon

Protest von Klassik-Quartett Echo? Wollen wir nicht mehr

Stand: 16.04.2018 15:52 Uhr

Die Rapper Kollegah und Farid Bang verharmlosen in ihren Texten unter anderem den Holocaust. Trotz heftiger Proteste bekamen sie einen Echo. Ein Klassik-Quartett hat deshalb nun seinen Preis zurückgegeben.

Die Gewinner des "Echo Klassik 2017" haben ihre Auszeichnung aus Protest gegen die Ehrung der Rapper Kollegah und Farid Bang zurückgegeben. Bis vor kurzem sei der Echo für sie "der renommierteste und größte Musikpreis Deutschlands" gewesen, erklärte das Notos Quartett. Die Klassik-Musiker waren als beste Nachwuchskünstler ausgezeichnet worden. "Die Tatsache, dass nun eben dieser Preis offenen Rassismus toleriert, ihm gar eine Plattform bietet und ihn auszeichnet, ist für uns nicht tragbar", hieß es in einer Erklärung.

Die Musiker nehmen es den Verantwortlichen der diesjährigen Echo-Verleihung übel, die Rapper Kollegah und Farid Bang mit einem Preis geehrt zu haben. Ihnen werden antisemitische Texte vorgeworfen. "Über die Entscheidung der Verantwortlichen, antisemitisches und menschenverachtendes Gedankengut sowie die Verhöhnung von Opfern des Holocaust mit einem Preis zu würdigen, sind wir zutiefst erschüttert", schrieb das Notos Quartett.

Weitere Rückgabe

Das Quartett ist mit der Reaktion nicht allein: Inzwischen kündigte auch Musiker und Grafiker Klaus Voormann in einem Statement die Rückgabe seiner Ehrung an. Der 79-jährige Voormann hatte den Preis für sein Lebenswerk erhalten. "Was sich für mich als Geschenk anlässlich meines 80. Geburtstags anfühlte, entpuppt sich nun als große Enttäuschung", teilte Voormann mit.

Er erklärte, er habe sich die Rückgabe seines Preises reiflich überlegt und sich deshalb auch mit den Texten des umstrittenen Albums beschäftigt. "Provokation ist erlaubt und manchmal sogar notwendig, um Denkanstöße zu geben", sagte der Musiker. Aber die Grenze zu menschenverachtenden, frauenfeindlichen, rassistischen, antisemitischen und gewaltverherrlichenden Äußerungen und Taten dürfe nicht überschritten werden.

Farid Bang und Kollegah | Bildquelle: dpa
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Ihre antisemitischen Texte sorgen für heftige Erosionen im "System Echo": Farid Bang und Kollegah

"Wann ist die Schmerzgrenze erreicht?"

Kollegah und Farid Bang waren für ihr Album "Jung, Brutal, Gutaussehend 3" in der Kategorie Hip-Hop/Urban National ausgezeichnet worden, obwohl bereits ihre Nominierung auf großen öffentlichen Protest gestoßen war. In ihrem aktuellen Album findet sich etwa die Textzeile "Mache wieder mal 'nen Holocaust, komm' an mit dem Molotow". Auf der Bonus-EP des Albums heißt es im Song "0815" zudem: "Mein Körper definierter als von Auschwitz-Insassen". Der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, sprach von einer Schande.

Schon bei der Verleihung hatte die Ehrung für Empörung gesorgt. So hatte unter anderem Tote-Hosen-Sänger Campino die Verantwortlichen für ihre Entscheidung kritisiert: "Wann ist die moralische Schmerzgrenze erreicht?", fragte er vor laufenden Kameras.

Trotz Reformen: Maffay fordert Rücktritt

Bei den Verantwortlichen war sie es offenbar direkt nach der Ehrung. Sie kündigten an, den Echo überarbeiten zu wollen. Der Vorstandsvorsitzende des Bundesverbandes Musikindustrie, Florian Drücke, kündigte an, dass der Preis nach einer Entscheidung des Vorstands überarbeitet werden solle, "was die umfassende Analyse und die Erneuerung der mit der Nominierung und Preisvergabe zusammenhängenden Mechanismen einschließt". Details wurden aber noch nicht genannt.

Sänger Peter Maffay forderte den Rücktritt der Verantwortlichen. "Es muss eine Aufarbeitung geben", schrieb Maffay auf seiner Facebook-Seite. Änderungen beim Konzept reichten nicht aus, kritisierte Maffay. "Die Konsequenz aus den Vorfällen sollte sein: Die Verantwortlichen nehmen ihren Hut und an ihre Stelle treten glaubhafte Personen, die für die Zukunft die nötige Transparenz garantieren", schrieb er.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 16. April 2018 um 15:20 Uhr.

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