Korruptionsprozess gegen Formel-1-Boss Vergleich gegen Rekordsumme möglich

Stand: 01.08.2014 21:30 Uhr

Im Korruptionsprozess gegen Bernie Ecclestone zeichnet sich ein für den Formel-1-Chef glimpfliches Ende ab. Das Landgericht München sieht nach eigenen Angaben einen Deal mit Staatsanwaltschaft und Verteidigung in Reichweite. "Es besteht die Möglichkeit einer Einigung", sagte eine Gerichtssprecherin. Das Gericht werde am Dienstag über den Wunsch der Verteidigung verhandeln, den Strafprozess einzustellen.

Die in der kommenden Woche geplanten Zeugenvernehmungen wurden abgesagt. Bei einer Verurteilung in dem Korruptionsprozess würden dem 83-Jährigen im äußersten Fall bis zu zehn Jahre Gefängnis drohen. Das könnte nun vom Tisch sein.

Prozessende gegen Zahlung von 100 Millionen Euro

Das vorzeitige Ende des Prozesses könnte für Ecclestone allerdings teuer werden: Von einem möglichen Deal über 100 Millionen Dollar (74,6 Millionen Euro) berichtete die "Süddeutsche Zeitung". Diese Summe müsste der Formel-1-Boss dem Bericht zufolge für einen Vergleich an die Staatskasse zahlen - zusätzlich zu möglichen Ausgleichszahlungen an die BayernLB. Einen derart hohen Betrag habe noch kein Manager in Deutschland bezahlt, um einer Verurteilung zu entgehen, schreibt die Zeitung.

Bernie Ecclestone am 7. November 2013 (Bildquelle: dpa)
galerie

Könnte den Gerichtssaal ohne Verurteilung verlassen: Formel-1-Boss Ecclestone.

Zuvor hatten die Anwälte von Ecclestone überraschend vorgeschlagen, dass ihr Mandant 25 Millionen Euro an die BayernLB als Ausgleich zahlen könnte. Die Staatsanwaltschaft erklärte, sich "grundsätzlich mit einem solchen Angebot anfreunden" zu können, eine entsprechende Einigung kam allerdings zunächst nicht zustande.

Nach dem Gesetz können sich Gericht, Staatsanwaltschaft und Verteidigung unter bestimmten Voraussetzungen auf eine Einstellung eines Strafverfahrens einigen, wenn die Beweislage dürftig erscheint. Die Kammer kann auch eine Geldauflage verhängen. Mit einem solchen Freispruch zweiter Klasse würde Ecclestone den Gerichtssaal juristisch gesehen als unschuldiger Mann verlassen.

Ecclestone will nur "Schweigegeld" gezahlt haben

Die Staatsanwälte werfen Ecclestone vor, Ex-BayernLB-Vorstand Gerhard Gribkowsky beim Verkauf der Formel-1-Mehrheit aus dem Besitz der Landesbank vor acht Jahren 44 Millionen Dollar Bestechungsgeld gezahlt zu haben. Als Gegenleistung soll Gribkowsky in der Bank durchgeboxt haben, dass sie ihren Formel-1-Anteil an den von Ecclestone gewünschten Investor CVC verkaufte.

Ecclestone habe damit Einfluss auf den Besitzer der Formel 1 nehmen und seinen Chefposten sichern wollen. Er selbst weist dies zurück und gab an, sich von Gribkowsky bedroht gefühlt zu haben. Zwar räumte er Zahlungen ein, bezeichnete diese aber als Schweigegeld. Die BayernLB fordert von Ecclestone Schadenersatz, weil er durch die Abmachungen mit Gribkowsky dafür gesorgt haben soll, dass das Institut seinen Formel-1-Anteil unter Wert verkaufte.

Weil die beiden Männer das Geld aus den Kassen der Bank abgezweigt haben soll, wirft die Anklage Ecclestone auch Anstiftung zur Untreue vor. Unter anderem deshalb verbüßt Gribkowsky bereits eine achteinhalbjährige Haftstrafe.

Über dieses Thema berichtete das nachtmagazin am 02. August 2014 um 00:55 Uhr.

Darstellung: