Kampfdrohnen - Krieg per Joystick

US Drohne

Diskussion über Kampfdrohnen

Krieg mit dem Joystick

Der Drohnenkrieg in Übersee ist wohl das am schlechtesten gehütete Geheimnis der USA. Ihr Einsatz gehört seit Jahren zum militärischen Alltag. Und der neue CIA-Chef Brennan hat klar gemacht, dass dies auch so bleibt - trotz aller Kritik. Kampfdrohnen sind für die Bundeswehr ebenfalls ein Thema.

Von Christian Thiels, SWR, ARD-Hauptstadtstudio Berlin

Ein ferngelenkter Flugroboter verfolgt einen Verdächtigen durch ein Dorf am Hindukusch mit Sensoren und Kameraaugen - stundenlang. In einem klimatisierten Container Tausende Kilometer entfernt sitzen US-Soldaten und beobachten jeden Schritt. Dann ein kurzes Kommando, an einem Joystick krümmt sich ein Finger und der fliegende Roboter feuert seine Raketen auf den Verdächtigen.

Was klingt wie ein Ausschnitt aus einem Hollywood-Streifen, ist seit mehr als elf Jahren militärischer Alltag. Unbemannte, mit Raketen und hochauflösenden Sensoren ausgerüstete ferngesteuerte Flugzeuge, sogenannte Kampfdrohnen, sind seit Oktober 2001 allein für die USA Tausende Einsätze geflogen und haben dabei auch Tausende Menschen getötet.

Tödliche Präzision

Eine "Predator"-Drohne über Afghanistan (Archivbild) (Bildquelle: dapd)
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Eine "Predator"-Drohne über Afghanistan (Archivbild)

Es ist die tödliche Präzision, die diese Waffensysteme für die Militärs so interessant macht. Drohnen können stundenlang über einem Zielgebiet kreisen und beobachten, was sich am Boden tut. Die neueste Generation ihrer Sensortechnik soll mit "Argus"-Kameras ausgestattet sein, die eine Auflösung von 1,8 Gigapixeln erreichen. Damit können sie ein Gebiet von fast 40 Quadratkilometern überwachen und Gegenstände bis zu einer Größe von 15 Zentimetern erkennen. Diese Detailschärfe bietet eine Informationsmenge, wie sie durch Satellitenbilder bislang undenkbar war.

Befürworter der Drohnentechnik sagen, diese Technik könne maßgeblich dazu beitragen, unschuldige Opfer zu vermeiden - auch, weil Drohnen keinen Piloten haben, der müde oder unkonzentriert wird oder der unter Stress eine falsche Entscheidung trifft. Ein US-Offizier formuliert es so: "Der Pilot eines Kampfflugzeuges muss in Sekundenbruchteilen entscheiden. Die Drohne lässt uns dagegen mehr als genug Zeit, um sicher zu gehen, dass wir nur die Richtigen treffen."

Die "richtigen" Toten?

In der Amtszeit von Präsident Barack Obama hat es rund 3000 Tote durch Drohnenangriffe gegeben, schätzen Menschenrechtsorganisationen. Und sie gehen auch davon aus, dass ein Drittel der Toten eben nicht die "Richtigen", sondern unbeteiligte Zivilisten waren - stundenlangen Beobachtungen zum Trotz. Aus Sicht der Militärs haben Drohnen jedoch fast nur Vorteile, zum Beispiel für Soldaten auf Patrouille in Afghanistan. Weil sie so lange über einem Zielgebiet kreisen können, liefern sie der Truppe am Boden ständig aktuelle Informationen über ihr Umfeld - etwa, ob sich ein Gegner nähert oder irgendwo ein Hinterhalt aufgebaut ist.

Mit ihren Raketen können die Drohnen den Gegner dann auch sofort bekämpfen, ohne dass sich die eigenen Soldaten ins Gefecht werfen müssen. Die Sorge um den Schutz der eigenen Truppe wird von den Kampfdrohnen-Befürwortern dann auch als Argument ins Feld geführt.

Drohne der US-Luftwaffe MQ-9-Reaper (Bildquelle: dapd)
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Im Einsatz auch über Afghanistan: US-Drohne vom Typ Reaper

Und dann gibt es da noch den finanziellen Aspekt: Drohnen kosten nur einen Bruchteil dessen, was die Produktion eines herkömmlichen Kampfjets verschlingt, und sind auch im Betrieb deutlich günstiger als Eurofighter und Co.

Schwelle zur Gewaltanwendung sinkt

Doch all diese Vorteile könnten aus ethischer Sicht auch erhebliche Nachteile darstellen. Kritiker der Drohnentechnologie befürchten, dass durch den Einsatz der ferngelenkten Tötungsmaschinen die grundsätzliche Schwelle zur Anwendung militärischer Gewalt sinkt. Solche Bedenken werden auch in der deutschen Diskussion laut. In einer gemeinsamen Stellungnahme kommen zwei katholische deutsche Kirchenführer, Bischof Stephan Ackermann und Militärbischof Franz-Josef Overbeck, zu dem Urteil: "Die Sorge macht sich breit, dass mit der Einführung dieser Waffensysteme die politischen und mentalen Schwellen zur Gewaltanwendung heruntergesetzt werden könnten, gerade weil die eigenen politischen 'Kosten' durch geringere eigene Verluste abnehmen."

Doch solche Bedenken hat Verteidigungsminister Thomas de Maizière nicht. Er verweist darauf, dass Kampfdrohnen ethisch "als neutral" zu betrachten seien und, dass die Bundesrepublik sie nur im Rahmen des grundgesetzlich zulässigen einsetzen würde. Damit spricht de Maizière die ungelösten völkerrechtlichen Fragen an, denn Kampfdrohnen werden häufig eben nicht als Ersatz für Kampfflugzeuge in klar abgegrenzten Konflikten, sondern in einer juristischen Grauzone eingesetzt.

Leicht abzuschießende Ziele

Noch vor wenigen Jahrzehnten wäre etwa das Überfliegen einer Landesgrenze zum Zweck eines Luftangriffs als Akt des Krieges gewertet worden. Heute sind solche Einsätze an der Tagesordnung. So fliegen US-Kampfdrohnen in verdeckten Operationen der CIA über somalischem, jemenitischem oder pakistanischem Hoheitsgebiet und töten gezielt vermeintliche Terroristen - oft mit fragwürdiger Beweislage und ohne Gerichtsurteil. Sie tun das mindestens im Fall Pakistan aber womöglich mit Billigung des pakistanischen Geheimdienstes ISI, vermuten Experten. Denn so ausgefeilt die Drohnentechnik sein mag, für ein herkömmliches Kampfflugzeug oder einen Kampfhubschrauber sind die langsamen und vergleichsweise trägen Maschinen leicht abzuschießende Ziele. Soll heißen: Pakistan könnte den Einsatz von US-Drohnen über seinem Hoheitsgebiet problemlos verhindern.

Postkutsche oder Eisenbahn?

Es sind solche Fragen, die auch deutsche Parlamentarier bei der Beschaffung von Kampfdrohnen zögern lassen. Zuerst müsse man sich über die rechtlichen wie ethischen Rahmenbedingungen klar werden, unter denen die neue Technik eingesetzt werden könnte, fordern sogar Regierungspolitiker, wie die FDP-Verteidigungsexpertin Elke Hoff. Für Minister de Maizière führt dennoch kein Weg an den ferngesteuerten Kampfmaschinen vorbei. Erst kürzlich erklärte er in einer Aktuellen Stunde im Bundestag, die Drohnentechnologie sei die Zukunft der militärischen Luftfahrt: "Wir können nicht sagen, wir bleiben bei der Postkutsche, wenn alle anderen die Eisenbahn entwickeln."

Designierter CIA-Chef Brennan verteidigt Drohnen-Angriffe
tagesschau 20:00 Uhr, 08.02.2013, Tina Hassel, ARD Washington

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Stand: 08.02.2013 18:14 Uhr

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