Eine Drohne in Frankfurt | Bildquelle: dpa

Führerschein für Drohnenpiloten "Nicht jeder weiß, was er da macht"

Stand: 01.10.2017 03:15 Uhr

Immer mehr Drohnen sind in Deutschland unterwegs - mit teils gefährlichen Folgen. Ab Oktober brauchen Besitzer größerer Geräte nun einen "Führerschein", kleinere müssen gekennzeichnet werden. Doch überprüfbar sind die neuen Regeln kaum.

Von Ramin Sina, SWR

Wenn sie abhebt, dann summt kein feiner Bienenschwarm - dann lärmt eher ein alter Staubsauger. Es ist keine kleine Hobbydrohne, das verrät ihr Klang gleich, sondern eine Matrice-Drohne: Zehn Kilo schwer, 6500 Euro teuer, an ihr hängt eine hochauflösende 4K-Kamera.

Björn Meurer hält die Joystick-Steuerung fest in der Hand. Gas geben, steigen lassen, landen. Meurer beherrscht das Steuern von Drohnen. Seit Jahren filmt der freie Kameramann aus dem Taunus professionell mit ihnen aus der Luft.

Wo er sie fliegen lassen darf und wo nicht, das weiß er genau. Über Menschenansammlungen und Wohngebieten ist es zum Beispiel verboten. Ob er sich an die Bestimmungen hält, das habe die Polizei aber noch nie kontrolliert, sagt Meurer. Eher kritische Passanten hätten mal nachgefragt: "Die begegnen mir dann oft mit einer Mischung aus Interesse und Argwohn", erzählt er. "Viele sind beim Thema Drohne noch skeptisch. Denen muss ich dann erklären, dass ich hier fliegen darf."

Neue Drohnenverordnung in Deutschland
tagesschau 13:15 Uhr, 01.10.2017, Markus Reher, MDR

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Video einbetten

Nutzungsbedingungen Embedding Tagesschau: Durch Anklicken des Punktes „Einverstanden“ erkennt der Nutzer die vorliegenden AGB an. Damit wird dem Nutzer die Möglichkeit eingeräumt, unentgeltlich und nicht-exklusiv die Nutzung des tagesschau.de Video Players zum Embedding im eigenen Angebot. Der Nutzer erkennt ausdrücklich die freie redaktionelle Verantwortung für die bereitgestellten Inhalte der Tagesschau an und wird diese daher unverändert und in voller Länge nur im Rahmen der beantragten Nutzung verwenden. Der Nutzer darf insbesondere das Logo des NDR und der Tageschau im NDR Video Player nicht verändern. Darüber hinaus bedarf die Nutzung von Logos, Marken oder sonstigen Zeichen des NDR der vorherigen Zustimmung durch den NDR.
Der Nutzer garantiert, dass das überlassene Angebot werbefrei abgespielt bzw. dargestellt wird. Sofern der Nutzer Werbung im Umfeld des Videoplayers im eigenen Online-Auftritt präsentiert, ist diese so zu gestalten, dass zwischen dem NDR Video Player und den Werbeaussagen inhaltlich weder unmittelbar noch mittelbar ein Bezug hergestellt werden kann. Insbesondere ist es nicht gestattet, das überlassene Programmangebot durch Werbung zu unterbrechen oder sonstige online-typische Werbeformen zu verwenden, etwa durch Pre-Roll- oder Post-Roll-Darstellungen, Splitscreen oder Overlay. Der Video Player wird durch den Nutzer unverschlüsselt verfügbar gemacht. Der Nutzer wird von Dritten kein Entgelt für die Nutzung des NDR Video Players erheben. Vom Nutzer eingesetzte Digital Rights Managementsysteme dürfen nicht angewendet werden. Der Nutzer ist für die Einbindung der Inhalte der Tagesschau in seinem Online-Auftritt selbst verantwortlich.
Der Nutzer wird die eventuell notwendigen Rechte von den Verwertungsgesellschaften direkt lizenzieren und stellt den NDR von einer eventuellen Inanspruchnahme durch die Verwertungsgesellschaften bezüglich der Zugänglichmachung im Rahmen des Online-Auftritts frei oder wird dem NDR eventuell entstehende Kosten erstatten
Das Recht zur Widerrufung dieser Nutzungserlaubnis liegt insbesondere dann vor, wenn der Nutzer gegen die Vorgaben dieser AGB verstößt. Unabhängig davon endet die Nutzungsbefugnis für ein Video, wenn es der NDR aus rechtlichen (insbesondere urheber-, medien- oder presserechtlichen) Gründen nicht weiter zur Verbreitung bringen kann. In diesen Fällen wird der NDR das Angebot ohne Vorankündigung offline stellen. Dem Nutzer ist die Nutzung des entsprechenden Angebotes ab diesem Zeitpunkt untersagt. Der NDR kann die vorliegenden AGB nach Vorankündigung jederzeit ändern. Sie werden Bestandteil der Nutzungsbefugnis, wenn der Nutzer den geänderten AGB zustimmt.

Einverstanden

Zum einbetten einfach den HTML-Code kopieren und auf ihrer Seite einfügen.

"Das kann brutal gefährlich sein"

Damit der 39-Jährige auch in Zukunft legal größere Drohnen fliegen kann, braucht er von nun an einen speziellen Kenntnisnachweis: den sogenannten "Drohnenführerschein". Das hat das Bundesverkehrsministerium (BMVI) verordnet. Jeder, der eine Drohne mit einem Gewicht von mehr als zwei Kilogramm fliegen lässt, braucht den Schein. Für Meurer eine überfällige Entscheidung: "In Deutschland darf ja jeder eine Drohne kaufen und sie auch fliegen. Aber nicht jeder weiß genau, was er da macht. Das kann brutal gefährlich sein, wenn man die Kontrolle über eine Drohne verliert."

Das passiert immer wieder: 2015 krachte bei einem Skirennen in Italien eine Drohne auf die Piste und verfehlte den Skirennfahrer nur knapp. Auch im Luftverkehr häufen sich die Zwischenfälle, bei denen die kleinen Flugobjekte zur Gefahr werden. Nach Angaben der Deutschen Flugsicherung (DFS) behinderten Drohnen allein in diesem Jahr in 60 Fällen den Flugverkehr, obwohl sie in der Nähe von Flughäfen eigentlich verboten sind.

Die Politik zieht endlich nach

Immer mehr Drohnen fliegen im deutschen Flugraum. 2017 könnte es schon eine Million sein. Dieses Jahr würden allein 600.000 verkauft, schätzt die DFS. Drohnen boomen - gewerblich und privat. "Drohnen für jedermann, das ist ja eine relativ frische Entwicklung der letzten zwei, drei Jahre", sagt Meurer. "Die Regierung hat das Thema so ein bisschen verschlafen."

Das BMVI möchte nach eigenen Angaben mit der neuen Verordnung den Luftraum sicherer machen. Nicht nur der Drohnenführerschein für größere Geräte wird Pflicht. Mit dem Stichtag 1. Oktober gilt auch eine Kennzeichnungspflicht für kleinere Drohnen: Sind sie schwerer als 250 Gramm, müssen sie mit einer Plakette versehen werden, auf der Name und Anschrift des Besitzers vermerkt sind. So könne im Schadensfall der Halter schneller festgestellt werden, schreibt das Ministerium. Kristina Kelek von der DFS fordert noch schärfere Regeln: "Plakette schön und gut. Noch besser wäre es, wenn die Drohnen zentral registriert würden." So wie es etwa in den USA schon seit zwei Jahren der Fall ist.

Kontrolle für die Behörden gestaltet sich schwierig

Ein zentrales Register würde vor allem den Landesluftfahrtbehörden helfen. Sie könnten besser nachvollziehen, wer im Luftraum wo unterwegs ist. Bislang ist die Polizei bei der Fahndung nach Drohnenpiloten, die sich nicht an die Bestimmungen halten, auf Zeugen angewiesen, die auf unerlaubte Flieger aufmerksam werden. Effizientes Ermitteln ist das nicht.

Auch andere Fragen bleiben offen: Schreiben die Besitzer den richtigen Namen auf die Drohne? Halten sie sich an die erlaubte Flughöhe von höchstens 100 Metern? Überprüfbar wird das auch trotz neuer Bestimmungen kaum sein. Die Regeln einzuhalten, bleibt wohl vor allem Ehrensache.

Björn Meurer hat seinen Drohnenführerschein sofort gemacht: "Wir, die professionell mit Drohnen arbeiten und davon leben, müssen bei dem Thema voran gehen und Vorbild sein", sagt er. Auch er wünscht sich ein zentrales Register. Damit der Luftraum sicherer wird und skeptische Passanten bei seinem nächsten Film mit der Kameradrohne nicht mehr kritisch nachfragen.

Darstellung: