De Maizière soll Drohnen-Abstürze verheimlicht haben

Ein Erprobungsexemplar des

Neue Vorwürfe gegen de Maizière

Jetzt geht's um Drohnen-Abstürze

Verteidigungsminister Thomas de Maizière soll dem Bundestag falsche Angaben zur Zahl der Unfälle mit unbemannten Flugkörpern gemacht haben. Tatsächlich sei fast jede siebte Maschine abgestürzt. Das schreibt die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" unter Verweis auf eine Regierungsantwort auf eine Anfrage der Linksfraktion. Laut dem Papier, das der Linkspartei-Abgeordnete Andrej Hunko auf seiner Internetseite veröffentlichte, hat die Bundeswehr von 871 betriebenen Drohnen 124 durch Flugunfälle verloren.

Das Verteidigungsministerium wies die neuerlichen Vorwürfe umgehend zurück. Die von der Zeitung zitierte Antwort auf die parlamentarische Anfrage der Linksfraktion sei verkürzt dargestellt worden.

"Systemkonforme Landung"

Verteidigungsminister Thomas de Maizière muss in einem Untersuchungsausschuss zum Drohnenprojekt "Euro-Hawk" Stellung nehmen (Bildquelle: dpa)
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Verteidigungsminister de Maizière steht seit Wochen unter Druck.

So seien unter den genannten 124 verlorenen Drohnen auch solche, die bei einer "systemkonformen Landung" so beschädigt worden seien, dass eine Reparatur nicht wirtschaftlich war. "In solchen Fällen löst automatisch ein Fallschirm aus und das Fluggerät kommt kontrolliert zur Landung." Die überwiegende Anzahl der in der parlamentarischen Antwort genannten Fälle beziehe sich zudem auf kleine Systeme, etwa die Drohne Luna. "Den Vorwurf, dass das Verteidigungsministerium den Bundestag im Unklaren gelassen beziehungsweise Abgeordnete falsch informiert hätte, weise ich deutlich zurück", erklärte der Sprecher.

Untersuchungsausschuss soll aufklären

Die Zeitung hatte berichtet, dass das Ministerium im März 2011 den Absturz von lediglich zwölf Drohnen gemeldet habe, im Februar 2012 seien insgesamt 17 Abstürze aufgelistet worden. Zu diesem Zeitpunkt habe die Bundeswehr jedoch schon 116 Unfälle verzeichnet. "Ich muss davon ausgehen, dass das Parlament wissentlich belogen wurde. Der Untersuchungsausschuss zum Euro Hawk muss sich deshalb auch mit der Informationspolitik des Verteidigungsministeriums zu den übrigen Drohnen befassen", sagte Linkspartei-Politiker Hunko der Zeitung.

Die Verteidigungsexperten von Grünen und SPD, Omnid Nouripour und Rainer Arnold, äußerten erneut den Verdacht, dass Minister de Maizière Informationen unterdrückt habe.

Der CDU-Minister ist seit Wochen unter Druck, weil er Schwierigkeiten bei der Beschaffung der Aufklärungsdrohne "Euro Hawk" vertuscht haben soll. Ab Mitte nächster Woche bemüht sich ein Untersuchungsausschuss um Aufklärung. Noch vor der Bundestagwahl will er Ergebnisse präsentieren.

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"Euro Hawk": Chronologie des Debakels

Chronologie des Debakels

Drohnendebakel 1

Januar 2007: Das Bundesverteidigungsministerium vergibt den Vertrag über Entwicklung und Erprobung an die Euro Hawk GmbH.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 22. Juni 2013 um 20:00 Uhr.

Stand: 22.06.2013 17:07 Uhr

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