Drohne vom Typ "Heron TP" | Bildquelle: AFP

Zum Schutz deutscher Soldaten in Auslandseinätzen Bundeswehr setzt auf Israels Drohne "Heron TP"

Stand: 12.01.2016 17:15 Uhr

Die Bundeswehr will die israelische Drohnen vom Typ "Heron TP" anschaffen - und hat dafür insgesamt 580 Millionen Euro zur Seite gelegt. Das Besondere: Sie ist bewaffnungsfähig. Das soll laut Ministerin von der Leyen künftig Standard und wichtig für den Schutz deutscher Soldaten sein.

Von Christoph Prössl, ARD-Hauptstadtstudio

Es geht um drei bis fünf neue Drohnen, die vorübergehend geleast werden sollen. Ab 2025 könnte die Bundeswehr über eigenes großes unbemanntes Fluggerät verfügen, das derzeit gemeinsam mit Italien, Frankreich und Spanien entwickelt wird. Doch bis dahin sollen die neuen Drohnen vom Typ "Heron TP" zum Einsatz kommen. Die Bundeswehr benutzt Drohnen in Afghanistan. Die neuen Modelle eines israelischen Herstellers sind bewaffnungsfähig. "Das wird für die Zukunft Standard sein. Sie ist wichtig für den Schutz der Soldatinnen und Soldaten in den Auslandseinsätzen", sagt Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen.

Das Ministerium hat für die Drohnen insgesamt 580 Millionen Euro eingeplant. Die Verhandlungen mit dem israelischen Hersteller laufen noch.

Debatte über Bewaffnung von Drohnen

Deswegen wird die Bundeswehr auch Lenkflugkörper kaufen. Bei Bedarf könnten diese Waffen zum Zerstören von Zielen am Boden montiert werden. Vor rund einem Jahr hat es eine breite Debatte über die Bewaffnungsfähigkeit von Drohnen gegeben. Damals gaben Friedensforscher, Völkerrechtler und Militärexperten im Verteidigungsausschuss ihre Meinungen ab - dafür und dagegen. Von der Leyen entschied danach, bewaffnungsfähige Systeme anzuschaffen und bei Bedarf - und mit Zustimmung des Bundestages - auch Waffen einzusetzen. Auch der Bundeswehrverband forderte, keine Drohnen ohne Bewaffnung in Dienst zu stellen. Viele Soldatinnen und Soldaten argumentieren, dass Drohnen bei Gefechten Unterstützung aus der Luft leisten könnten.

Die Opposition lehnt bewaffnete Drohnen ab. Die verteidigungspolitische Sprecherin der Grünen, Angieszka Brugger sagte, Kampfdrohnen würden völkerrechtswidrig eingesetzt. Dieses angeblich präzise Waffensystem sei für viele zivile Opfer und eine Entgrenzung des Krieges verantwortlich.

Die neuen Drohnen könnten bereits in Mali zum Einsatz kommen. Die Bundesregierung möchte 650 Soldaten in das afrikanische Land schicken, der Bundestag muss noch zustimmen.

Von der Leyen zieht positive Jahresbilanz

Verteidigungsministerin von der Leyen zog auch eine Bilanz zur personellen Situation bei der Bundeswehr: "Das Jahr 2015 ist für die Nachwuchsgewinnung ein gutes Jahr gewesen. Wir haben sehr viele Bewerbungen gehabt. Über 106.000 Menschen haben sich bei der Bundeswehr beworben."

Damit widersprach die CDU-Politikerin Meldungen der vergangenen Wochen, der Bundeswehr liefe das Personal weg. Im Vergleich zum Jahr 2014 ist die Zahl der Bewerber jedoch leicht rückläufig. Im Ministerium hieß es, gerade Soldaten auf Zeit konnte die Bundeswehr gut gewinnen. Etwas schlechter sieht es bei den freiwillig Wehrdienstleistenden aus. Viele Jugendliche, die sich für einen solchen freiwilligen Dienst interessierten, habe man gleich auf Zeit verpflichtet. Im Herbst will von der Leyen ein neues Personalkonzept für die Bundeswehr präsentieren.

Bundeswehr bekommt israelische "Heron TP"-Aufklärungsdrohnen
C. Prössl, ARD Brüssel
12.01.2016 16:33 Uhr

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Dieser Beitrag lief am 12. Januar 2016 um 17:25 Uhr auf NDR Info.

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