Briefsendung mit Rasierklinge und weißem Pulver  | Bildquelle: https://twitter.com/MdB_Stroebel

Ermittlungen des LKA Berlin Drohbriefe gegen Spitzenpolitiker

Stand: 21.09.2017 17:46 Uhr

Bei mehreren deutschen Spitzenpolitikern sind nach Recherchen von NDR und WDR Drohbriefe eingegangen - unter anderem bei CSU-Chef Seehofer. In den Umschlägen befanden sich weißes Pulver und Rasierklingen. Die Briefe sind auf Arabisch verfasst - allerdings mit Fehlern.

Von Georg Heil, Volkmar Kabisch, Reiko Pinkert, Sebastian Pittelkow, Katja Riedel

Gleich eine ganze Reihe von Politikern haben Drohbriefe erhalten, adressiert an deren Privatadressen. Betroffen sind unter anderem der bayerische Ministerpräsident und CSU-Chef Horst Seehofer, die Grünen-Politiker Katrin Göring-Eckardt und Hans-Christian Ströbele sowie der Linken-Politiker Gregor Gysi. Gysi sagte NDR und WDR: "Wenn es sich um eine Drohung handeln sollte, was zu vermuten ist, sorgt mich nur, woher sie die privaten Adressen der betroffenen Politiker und Politikerinnen, meine eingeschlossen, haben."

Auch bei Bundeskanzlerin Angela Merkel soll ein solches Schreiben zu Hause eingegangen sein. Ein Regierungssprecher wollte dazu aus Sicherheitsgründen keine Auskunft geben. In den Briefen befanden sich neben einem Schreiben in arabischer Sprache ein weißes Pulver und Rasierklingen. Abgestempelt wurden die Umschläge offenbar vom Briefzentrum 58 in Hagen in Nordrhein-Westfalen.

Offenbar nur Sodapulver

Nach ersten Erkenntnissen soll es sich bei dem Pulver um Natriumkarbonat handeln - ungefährliches Sodapulver also. In dem Schreiben, das derzeit von Ermittlern analysiert wird, ist von einer "Deutschen Salafistischen Gemeinschaft" die Rede, der Text warnt: "Tödlich, nicht anfassen, lebensgefährlich."

Das verwendete Arabisch ist fehlerhaft. Unterschrieben ist es mit "Allahu Akbar". Ob das Schreiben einen islamistischen oder überhaupt einen terroristischen Hintergrund hat, ist unklar. Ströbele äußerte gegenüber NDR und WDR: "Es gibt eine gewisse Wahrscheinlichkeit, dass trotz der benutzten arabischen Sprache hier Rechte die Absender waren."

Auch Gesine Lötsch von der Linkspartei hat einen Drohbrief erhalten. Sie habe das Schreiben in eine Plastiktüte gesteckt und der Polizei übergeben. "Dass das direkt vor der Bundestagswahl ist, zeigt nur, dass die Absender mehr Aufmerksamkeit bekommen wollen", so Lötsch.

Die Ermittlungen führt das Landeskriminalamt Berlin, das Bundeskriminalamt ist eingeschaltet.

Christian Ströbele @MdB_Stroebele
Wer war das? Drohbrief mit Klinge,weißem Pulver, arabischem Text.Franco A. sitzt, aber andere Rechte nicht o doch IS? https://t.co/aiEQuRiiQC

Über dieses Thema berichteten am 21. September 2017 MDR aktuell um 16:12 Uhr und der BR B5 aktuell um 17:30 Uhr im "Infoblock".

Darstellung: